+

Wieder Gewaltausbrüche bei Protesten in Brasilien

São Paulo - Erneut kommt es rund um den Confederations-Cup in Brasilien zu schweren Ausschreitungen. Brasiliens Fußballer solidarisieren sich mit den sozialen Protesten, mahnen aber zur Gewaltfreiheit.

Die Massenproteste in Brasilien gegen soziale Ungleichheit, Misswirtschaft und hohe Steuerlast haben sich massiv verschärft. Vor dem Fußballspiel zwischen Brasilien und Mexiko beim Confederations-Cup kam es am Mittwoch in Fortaleza zu schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und rund 15 000 Demonstranten. Unterstützung erhielt die Protestbewegung unerwartet von brasilianischen Nationalspielern.

In Fortaleza versuchten die Demonstranten, der Polizei die Zufahrt zum Stadion zu versperren. Die Sicherheitskräfte setzten Gasbomben und Pfefferspray ein. Ein Polizeiauto ging in Flammen auf; die Demonstranten warfen mit Steinen auf die Beamten. Mindestens ein Demonstrant und vier Polizisten seien verletzt worden, sagte ein Arzt. Andernorts blockierten rund 200 Menschen eine Autobahn zwischen São Paulo und der Hafenstadt Santos.

Zurzeit läuft in Brasilien der Confederations-Cup, das Testturnier für die Fußball-WM in Brasilien im kommenden Jahr. In São Paulo strömten am Dienstag nach Schätzungen bereits wieder 50 000 Demonstranten auf einen zentralen Platz. Die Polizei teilte mit, bei Protesten seien 63 Menschen festgenommen worden.

Am Montag waren fast eine viertel Million Menschen in zehn Städten auf die Straße gegangen, um gegen Korruption, Kriminalität, hohe Steuern sowie schlechte Zustände in Schulen und Krankenhäusern zu protestieren - bei gleichzeitigen Milliardenausgaben für die Fußball-WM und die Olympischen Spielen 2016. Ursprünglicher Auslöser der Protestwelle war vergangene Woche eine Fahrpreiserhöhung im öffentlichen Nahverkehr São Paulos.

FIFA-Präsident Sepp Blatter rief die Demonstranten unterdessen auf, ihren Unmut über die Politik nicht mit dem Confederations-Cup in Verbindung zu bringen. Mit Blick auf umstrittenen hohen Ausgaben für die Vorbereitung der kommenden Fußball-WM sagte er: „Wir haben Brasilien die Weltmeisterschaft nicht aufgezwungen.“

Einige Fußballstars der Nationalmannschaft solidarisierten sich derweil mit den Demonstranten, die seit Tagen zu Hunderttausenden auf die Straße gehen. Stürmerstar Hulk sagte: „Sie tun das Richtige.“ Für ihn ergäben die Forderungen nach Reformen Sinn. „Am liebsten würde ich mich ihnen anschließen“, sagte 26-jährige Profi-Kicker von Zenit Sankt Petersburg. Alle Verantwortlichen sollten auf die Demonstranten hören. „Brasilien muss sich verbessern. Das wissen wir alle.“

Verteidiger David Luiz sagte, die Bürger hätten das gute Recht, ihre Meinung zu sagen und zu demonstrieren. „Das ist der einzige Weg, um auf die Missstände hinzuweisen.“ Die Brasilianer liebten ihr Land, und genau deswegen bekämen die Proteste so großen Zulauf. Was er nicht unterstütze, sei jedoch Gewalt. Luiz spielt bei Chelsea London in England.

Auch Präsidentin Dilma Rousseff begrüßte die Proteste, obwohl sie sich gegen ihre Regierung richten. Brasilien sei „aufgewacht“, sagte sie. „Die, die auf die Straße gegangen sind, haben der Gesellschaft als Ganzes eine Botschaft zukommen lassen - und vor allem allen Regierungsebenen. Die massive Größe der Proteste von gestern beweist die Energie unserer Demokratie, die Kraft der Stimme der Straße und die Höflichkeit unserer Bevölkerung.“

AP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Brandschutzexperte verteidigt Hochhaus-Räumung in Dortmund
Schon lange gilt ein Wohnkomplex für 800 Menschen in Dortmund als Problemfall - nun wurde er komplett geräumt. Die Eigentümerin hält die Maßnahme für unangemessen. Ein …
Brandschutzexperte verteidigt Hochhaus-Räumung in Dortmund
Gendarmerie des Vatikan vertreibt Obdachlose vom Petersplatz
Die Gendarmerie des Vatikan hat Obdachlose aufgefordert, sich tagsüber vom Petersplatz fern zu halten. In den vergangenen Tagen begann die Gendarmerie daher, die …
Gendarmerie des Vatikan vertreibt Obdachlose vom Petersplatz
Handy-Verbot am Steuer wird verschärft
An der Ampel eine Kurznachricht tippen? Schon zu Hause anrufen beim Parkplatzsuchen? Viele Autofahrer finden nichts dabei. Der Staat will nun mehr Härte zeigen, um …
Handy-Verbot am Steuer wird verschärft
Privatjet verunglückt bei Notlandung in Istanbul - Leichtverletzte
Ein Privatflugzeug ist bei einer Notlandung auf dem Istanbuler Atatürk-Flughafen von der Piste abgekommen und in Brand geraten.
Privatjet verunglückt bei Notlandung in Istanbul - Leichtverletzte

Kommentare