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Fans vom Neo Magazin Royale lieben William Cohn, den Mann mit der coolsten Stimme der Welt.

Heimlicher Star vom Neo Magazin Royale

William Cohn: Der korrekte Umgang mit Rüpeln und Vollpfosten im Supermarkt

Fans vom Neo Magazin Royale lieben William Cohn, den Mann mit der coolsten Stimme der Welt. Er bringt Jan Böhmermann und den Zuschauern Manieren bei. Lesen Sie einen Auszug aus seinem Buch „Der gute Ton von Cohn“. 

Ich liebe die Menschen für ihre betörenden Macken, für ihre Schönheit und Fehler und für ihre "Schönheitsfehler"! Doch es gibt so einige Schlawiner, die machen es mir mit dem Ausleben meiner Nächstenliebe wirklich schwer. 

Es gibt Orte auf der Welt, an denen ich von Herzen gerne bin. Als Schauspieler auf der Bühne und als dankbarer Freund und Konsument köstlicher Speisen in guten Restaurants und kleinen, feinen Cafés oder in meiner gemütlichen, wohlsortierten Küche. Um in Letzterer nicht zu darben, sondern galant den Löffel zu schwingen, ruft es mich in regelmäßigen Abständen zum Dealer meiner Wahl – einem Feinkostladen mit frischem Bioobst und -gemüse direkt ums Eck. In nicht viel geringeren regelmäßigen Abständen verlangt aber auch der Dealer meines Grauens einen Besuch: der XXL-Supermarkt mit Neonlicht, Gängen so breit wie der Amazonas und Durchsagen wie: "Aufgepasst und zugefasst: Das 100-Gramm-Hackfleisch – halb und halb – heute für nur 99 Cent." Wer schlägt da nicht gerne zu: In der Sonne liebevoll geröstetes Pferdefleisch, per Lastwagen von Tschernobyl hierhertransportiert. Hut ab und Nase zu! 10 Kilo, bitte, direkt auf die Hand! 

In diesen, mich stets heillos verwirrenden Happa-Happa-Tempel lockt mich lediglich die Not, das dringende Bedürfnis nach Küchenrolle, Staubsaugerbeuteln oder Tiefkühlkresse. Die ist bei meinem Bio-Fredel des Vertrauens nämlich leider ständig vergriffen, wenn ich auf Beutezug bin. Und so betrete ich den bunten Kosmos "Supermarkt" – wissentlich, dort mehr zu irren statt zu finden. Nach einer Odyssee strande auch ich irgendwann an der Kasse. Nun geht es dort zu, Sie wissen das sehr genau, wie beim Roulette. Die erste Herausforderung lautet: Finde die Kasse mit der kürzesten Schlange und zugleich der besten Aussicht, den Laden schnell wieder zu verlassen. Doch darauf lassen kurze Menschenreihen nicht zwingend schließen. Sie können auch Indiz sein für das Unvermögen des Kassierers, dem Tempo seiner Kollegen standzuhalten. Wer mitbekommt, wie mühsam er jede einzelne Zahl des Registriercodes, der wundersamer Weise leider nicht vom Scanner erkannt wurde, eintippt, stellt sich schnell an einer anderen Kasse an – und so ist die Schlange des unvermögenden Kassierers trügerisch kurz. Wie so oft falle ich darauf herein! Auch ansonsten ist es mirakulös: Bei zwei geöffneten Kassen votiere ich grundsätzlich für die langsamere. Ich ziehe sie förmlich an, wie den kreisrunden Haarausfall trotz arschteuren Koffein-Shampoos. 

Folglich reihe ich mich geduldig ein, spreche ein Mantra, übe ohnehin auswendig zu lernende Texte und harre der Dinge. Dann plötzlich passiert es. Die Rumpfbirne hinter mir stützt sich gelangweilt mit verschränkten Armen auf den Einkaufswagen und schiebt, ohne nach vorn zu gucken, sein Gefährt langsam, aber zielstrebig in meine Hacken, und zwar knapp über den Abschluss des Schuhrands, sodass die spitze Metallleiste direkt in mein dünnhäutiges Sehnenfleisch schneidet. Ich vernehme ein genuscheltes "’tschuldigung", noch bevor ich mich schmerzverzerrt umdrehe. Am liebsten möchte ich rohe Gewalt anwenden oder den Rüpel zumindest verbal in die Schranken weisen, doch was kommt von mir? Ein gesäuseltes "Ach, ist schon okay!". 

Das Ergebnis von fünfzig Jahren Deeskalationstraining durch dauerhafte Selbstreflexion und gelebter Toleranz. Die UNO-Truppen könnten von mir echt was lernen. Und der amerikanische Präsident sowieso. 

Denn niemand, wirklich niemand, zweckentfremdet einen "Drahtboliden", um anderen bewusst eine Verletzung zuzufügen. Es kann sich also nur um ein Versehen, einen Patzer – oder wie es gerne ungeschönt heißt – "menschliches Versagen" handeln. Und darin, lieber Leser, liegt doch ein sehr liebenswerter und charmanter Aspekt unserer Persönlichkeit – wir sind nicht perfekt! Und solange der gute Cohn – Verzeihung: Ton – bei solch einem Missgeschick gewahrt wird, der Schieber sich beim Geschobenen höflichst entschuldigt, ist doch alles gut. Und ist es mal ein ungehöriger Rüpel, der kein leises "Sorry" über die Lippen bringt, beschränken Sie sich auf einen höflichen Rat, derartiges in Zukunft zu unterlassen. 

Ansonsten rate ich Ihnen, präventiv zu arbeiten. Bei einem sich anbahnenden Auffahrunfall können Sie verbale Hinweise streuen: "Wären Sie bitte so freundlich, ein wenig mehr Abstand zu wahren, ich befürchte, Sie könnten mir in die Hacken fahren!? "

William Cohns Buch heißt „Der gute Ton von Cohn“.

Dagegen kann niemand etwas einwenden und wird zurücksetzen. Und wenn Sie ganz sichergehen möchten, bringen Sie sich erst gar nicht in Gefahr und wechseln die Position. Wer sagt denn, dass man hinter seinem Einkaufswagen stehen muss? Stellen Sie sich davor! Eine äußerst raffinierte Taktik, die bislang nur wenige anwenden. 

Auf diese Weise können Sie nur von Ihrem eigenen Einkaufswagen überfahren werden, und das dürfte ein sehr schwieriges Unterfangen werden. 

Und jetzt folgen Sie mir doch bitte einmal kurz ins Separee – hier entlang. Bitte machen Sie die Tür zu. Danke! Auch der gute Cohn empfindet, wenn auch selten, ab und an so etwas wie Rachegefühle. Sollten Sie mehrfach Unfallopfer desselben Hintermannes werden, dürfen Sie diesem durchaus mit Verzögerung eins auswischen. Legen Sie Ihre Waren beim nächsten Kassengang einzeln und im Schneckentempo direkt an den Anfang des Fließbands, sodass Ihre Triumphfahrt den Hintermann daran hindert, seine eigenen Einkäufe aufs Band zu legen. Verpacken Sie sie anschließend minutiös und Stück für Stück in Ihrem Jutesack. Genießen Sie dabei den Anblick des rot glühenden Antlitzes hinter Ihnen, das genervte Schnaufgeräusche von sich gibt. Neben Supermarktrüpeln gibt es leider zahlreiche andere Vollpfosten. Stellen Sie sich zum Beispiel folgende Situation vor: Sie sind exorbitant gut drauf, haben eine Laune, dass es kracht, und dann, aus heiterem Himmel, taucht ein Vollpfosten auf und schnappt Ihnen am Kiosk Ihres Vertrauens unter Einsatz seiner Ellenbogen die letzte Süddeutsche vor der Nase weg. Ihren scharfen Blick quittiert er mit einer Beleidigung vom Feinsten, und Ihnen fällt mal wieder nix ein, was Sie dem Lutscher direkt um die Ohren hauen könnten. Kommt Ihnen das bekannt vor? Das ärgert einen bis in die coolen Socken, zumal einem drei gefühlte Minuten später die schlagfertigsten Satzgarnituren einfallen. 

Wie geht man mit solchen Idioten um, ohne die Contenance zu verlieren oder ebenso prollig zu wirken? In derartigen Situationen empfehle ich Folgendes. Während Sie mental auf Schnellfahndung nach einer schlagfertigen Antwort sind, reagieren Sie äußerlich gelangweilt: "Bitte, wie war das? Ich habe Sie nicht verstanden. " Das hat den Vorteil, dass diese inferiore Knalltüte sich nochmals wiederholen muss, sonst verpufft seine Beleidigung wirkungslos. Da er aber Wert darauf legt, gehört zu werden, ist das Ihr Sprungbrett, um sich Luft für einen gepflegten Konter zu verschaffen. Wenn Sie nicht zu der schlagfertigen Abteilung gehören, dann überlegen Sie sich generell ein paar Notfallsprüche, die Sie bei zukünftigen Angriffen aus der mentalen Jackentasche holen. Adaptieren Sie zum Beispiel Maxim Gorki: "Nach einem Zusammentreffen mit Ihnen habe ich das Verlangen, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzunicken oder vor einem Elefanten den Hut zu ziehen." Oder: "Sie sind keineswegs unnütz, Sie können immer noch als schlechtes Beispiel dienen." 

Und den liebe ich besonders: "Das Einzige, mein Lieber, was Sie erträglich macht, ist Ihre Abwesenheit." Glauben Sie mir, alle universell und nachhaltig auf beiderlei Geschlecht anwendbar.

Der Cohnrat

Was haben Vollpfosten, Vollhonks, Vollkoffer, Volltrottel und Hunde gemeinsam? Man kann wunderbar mit ihnen spielen! Sie müssen nur nicht immer mitspielen.

Dies ist ein Auszug aus William Cohns Buch „Der gute Ton von Cohn – Elegant durch alle Lebenslagen“. Das Buch erschien am 18. Dezember im Goldmann Verlag, kostet 12 Euro, hat 240 Seiten und etwa 50 Fotos. Weitere Gastbeiträge lesen Sie hier

William Cohn ist der heimliche Star im Neo Magazin Royale auf ZDF neo

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