Was kommt diesmal auf uns zu?

Winter-Prognose für Deutschland: Wegen Wetter-Phänomen - Experten haben klare Tendenz

  • Marcus Giebel
    VonMarcus Giebel
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Der Winter scheint bei der aktuellen Wetterlage noch weit weg. Dennoch lohnt ein Blick voraus. Der kann beruhigen - und sollte zugleich alarmieren.

München - Was wäre das Leben ohne Wetter-Debatten? Der Blick auf Petrus' Pläne suggeriert ein kleines bisschen Alltag in einer Welt, die sich immer schneller zu drehen und wandeln scheint. Und immer mehr Menschen richten ihre Freizeitaktivitäten an den Vorhersagen aus. Umso größer ist dann der Verdruss, wenn sich der angekündigte schöne Sonnentag dann doch grau und nass präsentiert.

Mit besonderen Schwankungen sind natürlich die Langzeitprognosen behaftet. Dennoch steigt auch hier die Nachfrage. So hat sich das Portal wetter.de bereits an eine Aussicht auf den kommenden Winter gewagt. Was soll das nur werden, wenn schon die vergangenen Monate nur sporadisch Frühlings- und Sommergefühle aufkommen ließen?

Winter in Deutschland: Wetter-Extreme möglich - aber wohl für dieses Jahr unwahrscheinlich

Die Experten wagten sich aber nicht an eine detaillierte Prognose, sondern gingen genau einer Frage nach: Kann da ein Winter mit Extremwetter auf uns zukommen? Klare Antwort: Ja. Eigentlich lässt sich noch ein „natürlich“ anfügen. Immerhin ist Klimawandel. Und das nicht erst seit gestern.

Dennoch sind für diesen Dezember, Januar und Februar in Deutschland nicht unbedingt heftige Schneeschauer, Winterstürme oder Eiseskälte zu erwarten. Die Hintergründe erklärt das Portal auf wissenschaftlichem Wege.

Winter in Deutschland: Alle Augen auf den Polarwirbel über der Arktis richten

Denn es gelte: Großen Einfluss auf das Wetter im Winter hat der Polarwirbel, der sich im Herbst langsam entwickelt. Von der Sorte gibt es zwei - einen über der Arktis, einen über der Antarktis. Es handelt sich um Höhentiefs mit einem Durchmesser von rund 1000 Kilometern.

Für Deutschland interessant ist das Exemplar über der Arktis, also der Region rund um den Nordpol. Der Polarwirbel ist laut wetter.de intakt, „wenn die Temperaturunterschiede zwischen Äquator und Pol besonders groß sind“. Und darin liegt mehr und mehr das Problem. Aber dazu später mehr.

Winter in Deutschland: Störung des Polarwirbels kann zu heftiger Kältewelle führen

Weiter heißt es, dass infolge des Polarwirbels in Europa der zumeist nasse und warme Westwind dominiere. Deshalb gestaltet sich das Winterbild in den Bergen oft weiß, in anderen Regionen eher matschig. Das klingt vertraut.

Es kann jedoch auch passieren, dass der Wirbel gestört wird. So bricht möglicherweise kalte Luft aus dem Kreislauf aus und zeitweilig dominieren die Ostwinde. In der Folge strömt die Kaltluft aus Nord- und Nordosteuropa ins Land, was sich zu einer heftigen Kältewelle ausweiten kann. Auch das kommt mittlerweile bekannt vor.

Wohl eher kein Symbolbild für den Winter 21/22: Mit Schneemassen werden wir es in Deutschland nicht unbedingt wieder zu tun bekommen.

Winter in Deutschland: Klimaerwärmung schadet dem Polarwirbel - mit heftigen Folgen für das Wetter

Ein Polarwirbel-Split hatte hierzulande erst im Februar Temperaturen zum Bibbern und verschneite Verhältnisse verursacht. Dieses Wetter-Extrem kam zustande, weil am Rande der polaren Hochdruckgebiete Eisluft nach Deutschland kam.

Insgesamt aber wird es auf dem Globus immer wärmer, eine Folge des Klimawandels. Wegen dieses unerwünschten Phänomens erwärmt sich die Arktis viel schneller als der Rest der Welt - was dem Polarwirbel nicht gut tut. Der wirkt instabil und geschwächt.

Die Schlussfolgerung daraus fasst wetter.de so zusammen: „Je mehr die Arktis sich erwärmt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit für Winter mit Extrem-Ereignissen.“ Heißt also auch, dass die kalten Jahreszeiten künftig immer wärmer werden, zugleich aber auch anfälliger für extreme Wetter-Ausprägungen. Hier nennt das Portal „ergiebige Niederschläge, Winterstürme oder auch ergiebige(n) Dauerregen (...), der in hohen Lagen dann Rekordschnee bringen kann“.

Winter in Deutschland: Experten aus den USA schauen auf die Eis-Ausdehnung in der Arktis

Aus Arbeiten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) wird zudem ersichtlich, dass auch die Eis-Ausdehnung eine wichtige Rolle spielt. Es gelte: Je geringer die Eisdicke der Arktis, desto wahrscheinlicher sind die genannten und im schlimmsten Falle lebensbedrohlichen Wetterphänomene.

Bei der Angabe der Eis-Ausdehnung wird die Gesamtfläche auf der Erde herangezogen, bei der die Eiskonzentration mindestens 15 Prozent beträgt. Laut meereisportal.de lag der Mittelwert im September 1980 bei mehr als 7,5 Millionen Kilometern, 2020 waren es noch vier Millionen Kilometer - der zweitniedrigste jemals zu dieser Jahreszeit gemessene Mittelwert.

Winter in Deutschland: Wohl „nicht so extreme Ausprägungen“ wie zuletzt

Es gibt aber auch eine gute Nachricht für die nahe Zukunft. Aktuell ist die Eis-Ausdehnung laut wetter.de „gar nicht so gering“, was wohl eine Folge des relativ milden Sommers ist. Daher könne geschlussfolgert werden, „dass der Winter 21/22 nicht so extreme Ausprägungen wie der vergangene haben könnte“.

Auf einen relativ normalen Winter spekulieren auch die Wetter-Experten in den USA, die bereits vor einigen Tagen ihre Erwartungen für die verschiedenen Monate veröffentlicht haben. Allerdings gab Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.com zu bedenken, dass uns der Winter durchaus sehr kalt vorkommen könnte - eben weil wir aus den vergangenen Jahren immer ein paar Grad mehr gewohnt waren.

Es scheint also, als stünde uns ein echter Langweiler-Winter ins Haus. Was wir zu schätzen wissen sollten. Denn normal wird das nicht mehr sein. Es deutet sich eher an, dass winterliche Wetter-Extreme immer mehr zur Normalität werden könnten. (mg)

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa

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