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Während Corona-Lockdown: Ansturm auf Rodelpisten und Wandergebiete - Stadt appelliert an Tagesausflügler

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Von: Patrick Mayer

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Winterberg (NRW): Ein LED-Hinweis-Schild mit der Aufschrift «Alle Parkplätze belegt!» steht an einer Kreuzung in der Nähe des Kahlen Astens.
Chaos und Staus durch Tagesausflügler: Die Stadt Winterberg (NRW) appelliert an Besucher. © Bernd Thissen/dpa

Sauerland, Schwarzwald, Schwäbische Alb: Quer durch Deutschland stürmen Wintersport-Fans mitten im Corona-Lockdown Rodelpisten, Skilifte und Wanderwege. Eine Stadt appelliert eindringlich.

Update vom 29. Dezember, 12.18 Uhr: Der Schnee sorgt für einen Ansturm auf Wintersportgebiete. Mitten im Corona-Lockdown strömen Tagesausflügler ins Umland. Winterberg im Sauerland (NRW) appelliert jetzt eindringlich an die Bevölkerung, die Region zu meiden.

„Bitte überlege, ob eine Anreise wirklich erforderlich ist.“

Stadt Winterberg (NRW)

„Bitte überlege, ob eine Anreise wirklich erforderlich ist“, schreibt die Stadt am Dienstagmorgen auf ihrer Internetseite. Und warnt: „Aufgrund der hohen Nachfrage ist mit kilometerlangen Staus zu rechnen.“ Auf der Webseite von Winterberg werden Gäste mit den Worten „Weiterhin Pause. Wir bleiben auf Standby“ begrüßt. Unter „Die häufigsten Fragen unserer Gäste“ steht dann gleich als Erstes: „Darf ich einen Tagesausflug nach Winterberg machen, um z.B. zu rodeln oder zu wandern?“

Die 13.000-Einwohner-Stadt weist darauf hin, dass es keine Einkehr- oder Aufwärmmöglichkeiten gebe. Nur in der Stadtmitte seien zudem öffentliche Toiletten. Außerdem kündigt Winterberg zur Einhaltung der Corona-Regeln an, dass Kontaktbeschränkungen und das Einhalten des Mindestabstandes kontrolliert werden sollen. Ob der Aufruf hilft? Gegen das Verkehrschaos will die Stadt am Dienstagnachmittag Maßnahmen vorstellen.

Großer Feldberg, 27. Dezember: Zahlreiche Menschen tummeln sich beim Schlittenfahren auf dem nebligen Großen Feldbergs im Taunus.
Großer Feldberg, 27. Dezember: Zahlreiche Menschen tummeln sich beim Schlittenfahren auf dem nebligen Großen Feldbergs im Taunus. © Frank Rumpenhorst/dpa

Corona-Lockdown? Wintersport-Fans stürmen Rodelpisten und Wandergebiete - lokale Behörden überfordert

Erstmeldung vom 28. Dezember 2020:

München/Winterberg -Teile der Schwäbischen Alb südlich von Stuttgart, Gebiete des Schwarzwalds in Baden-Württemberg, der Taunus nordwestlich von Frankfurt am Main und Winterberg im Sauerland (NRW) haben in den Tagen rund um Weihnachten und vor Silvester 2020 eines gemeinsam: Wintersport-Fans stürmen regelrecht die verschneiten Wintersport-Gebiete und Mittelgebirge - und das mitten im harten Corona-Lockdown Deutschlands.

Die Folge: Am 27. und 28. Dezember wirkten lokale Behörden quer durch die Bundesrepublik wegen des Ansturms aus den Metropolregionen und Großstädten vor eigener Haustüre regelrecht hilflos.

Besonders unübersichtlich und chaotisch war die Situation zu diesem Zeitpunkt im und am Schwarzwald sowie in Winterberg in Nordrhein-Westfalen. Ein Überblick:

Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Stau vor Winterberg, Überforderung im Sauerland

Winterberg im Sauerland (Nordrhein-Westfalen): Die Anweisungen und Bitten der Behörden am 28. Dezember hatten es in sich. „Die Straßen rund um #Winterberg sind überfüllt. Es kommt zu erheblichen Staus und sehr langen Wartezeiten. Rechtlich dürfen Sie sie die Skigebiete besuchen. Ob es richtig und sinnvoll ist in der jetzigen Zeit müssen Sie selber entscheiden“, schrieb die Polizei NRW bei Twitter.

Die Stadt Winterberg flehte am selben Tag bei Facebook regelrecht, von einer Anreise abzusehen: „Die Verkehrssituation spitzt sich derzeit bereits wieder extrem zu. Auch heute bleibt uns nur die Bitte an alle, die sich gerade auf den Weg machen oder schon auf dem Weg zu uns sind, von der Anreise abzusehen. Alle Parkkapazitäten sind erschöpft, die Straßen sind verstopft!“

Bis 10. Januar gelte wegen der Corona-Beschränkungen, dass die Rodellifte und Skilifte geschlossen seien, informierte der (eigentliche) Tourismus-Ort weiter: „Das Rodeln an den Liften ist nicht erlaubt, auch wenn es viele tun.“ Von der drastischen Bitte an die Touristen berichtet wa.de.*

28. Dezember, Winterberg im Sauerland: An der Zufahrt zum Ski- und Wintersport-Gebiet hat sich ein langer Stau gebildet.
28. Dezember, Winterberg im Sauerland: An der Zufahrt zum Ski- und Wintersport-Gebiet hat sich ein langer Stau gebildet. © Screenshot Facebook@Winterberg.de

Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Winter-Ausflügler aus Großraum Frankfurt strömen in den Taunus

Taunus (Hessen): Auch am Großen Feldberg (rund 50 Kilometer nordwestlich von Frankfurt am Main) sind Bilder überfüllter Rodelpisten entstanden. Dort wollten ganz offensichtlich vor allem Familien mit ihren Kindern eine Auszeit vom harten Corona-Lockdown nehmen.

„Was soll man in diesen Zeiten auch sonst machen?“, sagte eine Bürgerin aus Raunheim (20 Kilometer südlich von Frankfurt) der Frankfurter Rundschau*. Die Lage auf dem Großen Feldberg in Hessen ist nicht ganz so extrem wie andernorts in Deutschland, seit dem 26. Dezember gilt aber auch hier wegen des Andrangs eine erweiterte Sperrung der Zufahrtsstraßen.

Coronavirus-Lockdown in Deutschland: Chaotische Szenen und Corona-Verstöße im Schwarzwald

Schwarzwald (Baden-Württemberg): Über die Weihnachtsfeiertage und auch danach gab es mancherorts wegen des Anturms der Winter-Ausflügler ein regelrechtes Verkehrschaos, auch Rettungskräfte sollen behindert worden sein, berichtet die dpa.

So war etwa die Gemeinde Dobel im Kreis Calw völlig überlaufen, Hunderte Menschen strömten dem Bericht zufolge für Schlittenfahrten und/oder Wanderungen herbei. Die Parkplätze waren überfüllt, es bildeten sich Staus. Mehr als 180 Falschparker bekamen nach Polizeiangaben ein Verwarnungsgeld. Die Zufahrten wurden zwischenzeitlich für Nicht-Einheimische gesperrt. Dobels Bürgermeister Christoph Schaack kündigte an, Zufahrten in den kommenden Tagen rigoros zu sperren.

Wie ein Sprecher der Polizei Offenburg indes erklärte, herrschten zum Beispiel auch am Ausflugsziel Mummelsee „chaotische Zustände“ beim Parken. Entlang der Schwarzwaldhochstraße (B500) seien so viele Autos gestanden, dass Polizei und Rettungskräfte kaum durchgekommen seien. Auch am Kandel nahe Freiburg mussten Polizeibeamte mit Lautsprechern die Bürger auf Parkplätzen zum Einhalten des Corona-Mindestabstandes auffordern.

Coronavirus-Lockdown: Landesregierung von Baden-Württemberg verweist auf Corona-Verordnung

Schwäbische Alb (Baden-Württemberg): Auch auf die Albhochfläche nahe Reutlingen (rund 116.000 Einwohner) strömten in den vergangenen Tagen viele Ausflügler. Laut regionaler Polizei war zum Beispiel das Skigebiet Roßberg bei Sonnenbühl rund 60 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Stuttgart proppenvoll, dasselbe galt für weitere Wanderparkplätze in der Gegend.

„Teilweise bestehende Durchfahrtsverbote wurden ignoriert, Warnbaken umfahren“, hieß es im Polizeibericht. In einem Fall sei der Rettungsdienst kaum zu einer mit einem Schlitten verunglückten Frau durchgekommen, die zeitweise nicht mehr ansprechbar gewesen sei. Die baden-württembergische Landesregierung appellierte wegen der Vorkommnisse eindringlich an ihre Bürger und ermahnte diese, die Corona-Ausgangsbeschränkungen dringend zu beachten.

„Eine Verschärfung der Corona-Verordnung ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt speziell für das anstehende lange (Feiertags)wochenende nicht geplant“, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Stuttgart am Montag (28. Dezember) mit: „Wir appellieren an die Menschen, auf Tagesausflüge zu verzichten und die bestehenden Regeln nicht auszureizen.“ (pm) *fr.de und wa.de sind Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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