„Wir sind aneinander hängen geblieben“

Dachau - Seit 70 Jahren sind sie ein Paar. Ein bewegtes Leben hat sie zusammengeschweißt. Im Altenheim an der Ludwig-Ernst-Straße feierten Franziska (91) und Curt Beutl (90) ihre Gnadenhochzeit.

Überglücklich stimmte die Seniorin für die Gratulanten OB Peter Bürgel und Landrat Hansjörg Christmann das Lied „Jünger wern ma nimmer“ an. Ihr Mann drückte ihr verschmitzt einen Kuss auf die Lippen.

Franziska, geborene Sommer, wurde in Eggmühl in Niederbayern als ältestes von sechs Kindern geboren. Sie wuchs im österreichischen Braunau auf und kam 1937, mit 17, zur Großmutter nach München. Dort arbeitete sie als Haushaltshilfe und Kindermädchen. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie bei Krauss-Maffei dienstverpflichtet. Es war eine harte Zeit: „Mit 18 musste ich von 6 Uhr abends bis 6 Uhr früh an der Drehbank stehen“, sagt sie. „Es war ein ausgesprochener Männerbetrieb. Wir Frauen sind ausgenutzt worden, mussten im Akkord arbeiten, und dann wurde uns der Lohn gekürzt.“ An Kindheit und Jugend erinnert sie sich nicht gern. „Wir waren sehr arm“, sagte sie. „Und unter Hitler wurde alles noch schlimmer.“ 1940 lernte sie in der Arbeit, am Brotzeittisch, ihren Curt kennen. „Er hat mich so nett angelacht“, erinnert sie sich. Der Ehemann ergänzt: „Nach einem gemeinsamen Besuch im Café Belstler sind wir aneinander hängen geblieben.“

Er ist ein echter Dachauer und wurde in der vor einigen Jahren abgebrochenen Meiersäg geboren. Im Gegensatz zu seiner Frau hatte er eine schöne Kindheit. „Es war ein herrliches Haus“, sagt er.

Bald nach der ersten Begegnung heiratete das junge Paar am 21. September 1941 in der Grotte der Klosterschule Dachau. Der mit 20 Jahren noch nicht volljährige Bräutigam musste damals noch die Zustimmung der Eltern einholen. Nach der Hochzeit wohnte das Ehepaar für kurze Zeit im Haus von Curt Beutls Eltern. „Ich wurde herzlich aufgenommen. Das hat mir gut getan“, sagt Franziska Beutl. Nachdem im Dezember 1941 Sohn Kurt zur Welt gekommen war, zog die junge Familie nach Indersdorf. In der Marktgemeinde widmete sich Curt Beutl der Fischerei und wurde Mitbegründer des Fischervereins. Für seine ehrenamtliche Tätigkeit wurde er vom ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber geehrt. Der bayerische Fischerverband verlieh ihm den Goldenen Orden.

1956 wurde in Indersdorf Nachzüglerin Regina geboren. 1962 zog die Familie nach Dachau, wo sie auf dem Grundstück der Eltern ein Haus gebaut hatte. „Die Mutti hat mitgekämpft, um das Haus zu bezahlen“, berichtet die Tochter. Franziska Beutl war nach Krauss-Maffei mehrere Jahre lang bei der MTU in der Montage tätig und arbeitete als Näherin bei Hemden Grätz und Sport Berger. Curt Beutl war 50 Jahre lang Dreher bei Krauss-Maffei, davon 30 Jahre als Werkmeister. Er war auch Teilnehmer im Zweiten Weltkrieg und ein Jahr lang in Gefangenschaft.

Während ihr Mann Ausgleich und Entspannung beim Angeln suchte, bastelte Franziska Beutl in der Freizeit prächtige Weihnachtsengel aus Brokat, Samt und Borten. Sie verschenkte sie an den Fischereiverein für die Tombola. „Die Leute haben wegen meiner Engel Lose gekauft“, sagt sie stolz. Seit zwei Jahren lebt das Paar im Friedrich-Meinzolt-Haus. Der Hochzeitstag am 20. September ist übrigens gleichzeitig Franziska Beutls Geburtstag.

Bärbel Schäfer

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