+
Teilchenbeschleuniger wie der Large Hadron Collider (LHC) im Europäischen Kernforschungszentrum Cern produzieren riesige Mengen an Daten. Foto: Martial Trezzini

Wissenschaftler forschen an "Big-Data"-Strategien

Karlsruhe (dpa) - Riesige Teilchenbeschleuniger und neuartige Teleskope produzieren kaum vorstellbare Mengen an Daten. Diese Datenmassen zu verwalten, stellt die Informatik vor gewaltige Aufgaben. Von den "Big Data"-Strategien will auch die Wirtschaft profitieren.

Bei der Erkundung des Weltraums, in der Klima- und Energieforschung oder in der Medizin fallen riesige Datenmengen an. Dieser wachsende Datenhunger der Wissenschaft stellt die Informatik vor die Herausforderung, mit intelligenter Software die wirklich relevanten Informationen aus der Masse von Daten zu fischen.

"Ähnlich wie bei den immer größeren Privatsammlungen von digitalen Fotos geht es um die Frage: Wie kann ich diese Datenmengen passend verwalten?" fragte der Leiter des wissenschaftlichen Rechenzentrums am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Achim Streit, am Donnerstag auf einer Tagung über "Big Data" in der Wissenschaft. Forschern müsse es möglichst einfach gemacht werden, ihre Informationen für gezielte Zugriffe aufzubereiten, sagte Streit im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Beim KIT-Rechenzentrum gehen nach Angaben Streits etwa 10 bis 15 Prozent der Daten ein, die beim LHC-Teilchenbeschleuniger am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) bei Genf erzeugt werden. Das Rechenzentrum hält dafür 12 Petabyte (12 000 Terabyte) an Festplattenspeicher und 18 Petabyte an Bandspeicher für Archivzwecke bereit.

Noch mehr Daten wird das Radioteleskop Square Kilometre Array (SKA) erzeugen, ein internationales Projekt, das ab 2019 schrittweise in Betrieb genommen wird. Das Teleskop werde pro Sekunde 700 Terabyte an Daten produzieren, sagte auf der Karlsruher Tagung Chris Mattmann vom Jet Propulsion Laboratory der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA. Für die Auswertung dieser Datenmassen sei ein völlig neues Big-Data-Konzept erforderlich, das von der Hardware über die Echtzeit-Analyse bis zur effizienten Speichersystemen reiche. Die Software dafür müsse nach dem Open-Source-Prinzip für alle Wissenschaftler frei verfügbar sein.

Ein Problem bei der Analyse und Speicherung von Forschungsergebnissen ist die ständig wachsende Zahl von Dateiformaten. "Jeden Tag kommen neue Dateiformate heraus", sagte Mattmann. Im Internet seien mehr als 18 000 unterschiedliche Dateiformate verbreitet. "Wir brauchen intelligentere Technologien, um sinnvoll mit dieser Vielfalt von Dateiformaten umzugehen", erklärte der Software-Designer.

Veranstalter der Tagung am KIT war das LSDMA-Projekt (Large-Scale Data Management and Analysis) der Helmholtz-Gesellschaft. In diesem Vorhaben verfolgen die Universitäten Hamburg, Ulm, Heidelberg, Berlin, Dresden und Frankfurt zusammen mit dem KIT und drei weiteren Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft das Ziel, den Umgang mit großen Datenmengen in der Wissenschaft zu verbessern.

Die Entwicklung neuartiger Werkzeuge für Datenanalysen ist das Ziel des ebenfalls am KIT angesiedelten Smart Data Innovation Labs (SDIL), in dem Wissenschaft und Wirtschaft eng zusammenwirken. An der Initiative im Rahmen des IT-Gipfels der Bundesregierung sind unter anderem SAP, die Software AG, Siemens und Microsoft beteiligt.

LSDMA

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Deutscher stirbt bei Lawinenabgang in Tirol
Sölden - Obwohl Experten vor Lawinen gewarnt hatten, ist ein Deutscher in Sölden auf die Piste gegangen - und kam durch ein Schneebrett, das er wohl selbst ausgelöst …
Deutscher stirbt bei Lawinenabgang in Tirol
Ein Kollege für Alexander Gerst: Neuer deutscher Astronaut
Spätestens seit Alexander Gerst können sich wieder viele Deutsche für den Weltraum begeistern. Nun könnte es bald neue Abenteuer von einem Deutschen im All zu erzählen …
Ein Kollege für Alexander Gerst: Neuer deutscher Astronaut
Dutzende Feuerwehrleute nach Hochhaus-Einsturz verschüttet
Teheran – Ein siebzehnstöckiges Einkaufsgebäude ist in Irans Hauptstadt Teheran nach einem Großbrand eingestürzt. Viele Feuerwehrmänner, die gerade das Feuer löschen …
Dutzende Feuerwehrleute nach Hochhaus-Einsturz verschüttet
Streit um Sex-Hotline-Anrufe endet beinahe tödlich
Bielefeld - Teure Anrufe bei einer Sex-Hotline ließen erst die Telefonrechnung explodieren, und dann einen Mann, als der feststellte, dass der Nachbar sie getätigt …
Streit um Sex-Hotline-Anrufe endet beinahe tödlich

Kommentare