„Vorbildlich die Abstandsregeln eingehalten“

„Geh weg!“ Wolf kommt Frau unheimlich nah - Video des Spektakels geht viral

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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So nah kommt ein Wildtier dem Menschen selten. Die Video-Aufnahmen des Vorfalls sorgen deshalb nun für Furore.

Celle – Leichtfüßig bewegt er sich fort, der Wolf. Durch sein Revier, einem Feld bei der Gemeinde Wietzendorf in Niedersachsen. Das Youtube-Video der Szene lässt einem dennoch kurz das Blut in den Adern gefrieren, denn gefilmt wurde es aus nächster Nähe, von einer Frau, die mit ihrem Hund auf dem Feldweg unterwegs war.

„Geh weg! Geh weg!“, ruft sie. Ihr Hund bellt. Aber erst nach Minuten zieht das Wildtier ab.

Vier Tage später hat die „Wolfsbegegnung“ gut 140.000 Aufrufe und mehr als 2000 Kommentare. „Der Wolf nach der Begegnung zu seiner Frau: ‚Schatz du wirst nicht glauben was für Psychos bei uns unterwegs sind. Wir sollten umziehen.‘“ Ein anderer Post: „Der Wolf dachte sich bestimmt ‚Hmm, eine große blonde Krähe, auch noch nie gesehen‘ - oder „Das Tier hat jedenfalls vorbildlich die Abstandsregeln eingehalten.“

Unheimliche Wolfs-Begegnung in Deutschland: Experte glaubt an den Faktor Hund

Aber hat er das tatsächlich? Frank Faß vom Arbeitskreis Wolfsmanagement für Niedersachen ist baff. Ob das Tier männlich, weiblich, alt oder jung war, vermag er im Gespräch mit der Bild nicht zu sagen. Möglich, dass der Wolf an seinem Artgenossen, dem Hund interessiert war: „Für den Hund war sein Frauchen bestimmt so etwas wie ein Schutzschirm. Wenn der Hund alleine gewesen wäre, wäre der Wolf ihm bestimmt wesentlich näher gekommen.“

Vor etwa 20 Jahren kehrten die Wölfe nach Deutschland zurück. Laut WWF gab es eine Handvoll Vorfälle seither, aber es waren keine Menschen betroffen.

Generelle Empfehlungen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW):

  • Ruhe bewahren
  • Nicht auf den Wolf zugehen
  • Sich langsam zurückziehen - aber niemals wegrennen
  • Wichtig: Jede Wolfsbegegnung den Wolfsberatern melden

Laut NABU sind Wölfe aus Naturschutzsicht „einer der größten Erfolge“. Nachdem sie hierzulande rund 150 Jahre lang ausgerottet waren, wurden im Jahr 2000 die ersten Wolfswelpen in Freiheit geboren, berichten die Aktivisten, und seither werde der Wolfs-Nachwuchs mehr.

Wölfe in Deutschland: Anzahl, Nachwuchs und Lebensraum

Wölfe kommen demnach überall zurecht, wo sie genug Futter finden und der Mensch sie in Ruhe lässt. So leben in Spanien laut NABU Wölfe inmitten von riesigen Agrarmonokulturen, und in Italien in Vororten von Rom.

Für den Zeitraum 2019 bis 2020 meldet das Bundesamt für Naturschutz hierzulande insgesamt gezählte 128 Rudel, 35 Paare und 10 Einzeltiere. Der Studie zufolge könnten Wölfe in jedem Bundesland leben - außer in den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen. Dennoch siedeln sie sich eher nicht in Gegenden mit vielen Straßen und wenig Wild an. Eine flächendeckende Wolfspopulation ist also nicht zu erwarten.

Wölfe in Bayern: Drei Tiere an Angriffen auf Wild in Oberfranken beteiligt

In Bayern gibt es den Zahlen zufolge aktuell zwei Rudel, zwei Paare und drei Einzeltiere. Am 27. Februar gab es einen Wolfs-Angriff auf ein Wildtiergehege in Betzenstein im Landkreis Bayreuth drei tote Rothirsche und vier tote Schafe waren die Folge. Einige Wildtiere konnten fliehen. Bei einem zweiten Angriff am 3. März in einem Nachbargehege kamen 18 Stück Damwild zu Tode, darunter 13 trächtige Tiere.

Wölfe sind streng geschützt. In Bayern gibt es in acht Regionen standorttreue Wölfe beziehungsweise Rudel. Zudem werden fast wöchentlich auch anderenorts einzelne Wölfe nachgewiesen, zuletzt in den Landkreisen Dingolfing-Landau und Tirschenreuth. Laut Landesamts für Umwelt (LfU) sind das zumeist durchwandernde Tiere, die ihre elterlichen Rudel verlassen haben und auf der Suche nach einem eigenen Gebiet sind.

Wildtiere in Deutschland: „Nicht nur der Wolf hat Schutz verdient“

Ende März ist in Eberswalde in der Uckermark das neue Bundeszentrum Wolf und Weidetiere eröffnet worden. Ziele der Einrichtung sind, die Koexistenz von Wölfen mit dem bestmöglichen Schutz der Weidetiere zu ermöglichen. „Nicht nur der Wolf hat Schutz verdient. Sondern auch Weidetiere haben Schutz verdient“, sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) zur Eröffnung. (frs mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

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