Wolf in Sachsen-Anhalt 

Ist es wirklich ein Wolf? Diese Aufnahme geht in Social Media viral

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In den Sozialen Medien ging ein Video Online, was einen vermeintlichen Wolf beim Überqueren einer Straße zeigt. Aber war es wirklich ein Wolf?

  • Ein Video zeigt eine vermeintliche Wolf-Sichtung 
  • Zunächst war unklar wo das Video aufgenommen wurde 
  • Der Wolf* ist in Deutschland keine Seltenheit mehr 

Jerichower Land/Sachsen-Anhalt - In den Sozialen Medien ging am Montag ein Video viral. Mittlerweile hat das Video auf Facebook ganze 40.364 Aufrufe. Das Video zeigt die vermutete Sichtung von einem Wolf. Zunächst wurde das Video unter einer falschen Ortsangabe veröffentlicht. 

Video vom Wolf: Wo war der vermeintliche Wolf? 

Das Video, das vermeintlich einen Wolf zeigt, wurde mit einer Verortung im Harz veröffentlicht. Es sollte laut dem Veröffentlichter des Videos zwischen Quedlinburg und Gernrode entstanden sein. Doch schon kurz nach dem das Video in verschiedenen Internet Gruppen geteilt wurde, zweifelten Nutzer die Verortung an. 

In den Kommentarspalten hieß es Beispielsweise "Es kann nicht zwischen Gernrode und Quedlinburg entstanden sein, weil es so einen Bau dort nicht gibt" (Der Kommentar war mit einem Screenshot aus dem Video versehen, welcher ein Beton-Gebilde neben der Straße zeigt). 

Nach dem auf den Social Media Plattformen eine Vermutung nach der anderen aufgestellt wurde, brachte das Wolf-Kompetenzzentrum Licht ins Dunkel. Der Leiter des Zentrums, Andreas Berbig, verortete das Video gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung im Jerichower Land in Sachsen-Anhalt. 

Wolf im Video: Im Jerichower Land ist der Wolf keine Seltenheit 

Laut dem MDR Sachsen-Anhalt ist der Landkreis Jerichower Land der mit der höchsten Wolfsdichte in Deutschland. Der Landkreis hat sogar einen eigenen Wolf-Beauftragten. In der Region kommt es auch häufig zu Rissen von Nutztieren. Das aktuelle Video ist, nach unseren Informationen, auch nicht das erste aus der Region. 

Ein Video aus dem Jahr 2016 ist am Ende des Artikels zu finden. Im vergangenen Jahr, zwischen Januar und September, haben Wölfe 54 mal Weidetiere im Landkreis gerissen. Das sind 10 Risse mehr als im Jahr davor. Laut Landrat Steffen Burchhardt, seien Sichtungen auch keine Seltenheit mehr. 

Ein möglicher Grund für die häufige Wolf-Sichtung im Landkreis könnte der Truppenübungsplatz Altengrabow sein. Das Übungsgelände ist über 9000 Hektar groß. 

Wolf im Video: Das macht das Jerichower Land so attraktiv für den Wolf

Laut dem "Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland" (LUPUS) kehrt der Wolf oft in Regionen zurück, in denen entweder Militärübungsplätze sind oder einmal waren. Die Wissenschaftler sehen den Hauptgrund hierfür darin, das auf Truppenübungsplätzen die Jagt durch Behörden überwacht wird. 

Auf Privatgrundstücken, muss der Wolf oft Angst vor Jägern haben. Dies könnte das Video in der Nähe des Übungsplatzes erklären. In Deutschland steht es zwar unter Strafe den Wolf zu jagen. Trotzdem wird er immer wieder illegal getötet. 

Laut der Datenbank der "Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf" (DBBW) wurden allein im Jahr 2019 8 illegal getötete Wölfe gefunden. In dieser Statistik sind nur die gefundenen Tiere aufgezählt, was vermuten lässt, dass die Dunkelziffer noch viel höher liegt. Seit 1990 wurden laut dem Institut bereit 49 illegal getötete Tiere aufgefunden. 

Wolf: Sichtungen wie in dem Video sind häufiger als man denkt 

Auf der Seite des Wolf-Kompetenzzentrums Iden können Bürger Wolf-Sichtungen oder Hinweise auf einen Wolf über ein online Formular melden. Ein Video oder Foto kann man in dem Formular allerdings nicht direkt beifügen. 

Das Zentrum hat die Zielsetzung die natürliche Wiederansiedlung des Wolfes in Sachsen-Anhalt fachlich zu begleiten. Dazu gehört auch Dokumentation der Ausbreitung und des Populationsstatus. Auch gegenüber der Europäischen Kommission besteht eine Berichtspflicht über diese Daten. 

Jedes Jahr veröffentlicht das Zentrum hierzu einen Monitoringbericht. In diesen Berichten werden auch Wolf-Sichtungen aufgeführt. Zwischen Mai 2018 und April 2019 kam es demnach zu 111 Sichtungen. 19 dieser Sichtungen konnten nachgewiesen werden. Die restlichen 91 gelten als unbestätigte Hinweise und eine Sichtung konnte nicht näher beurteilt werden.

Wolf: Sichtungen mit "Video-Beweis" kommen häufiger vor

Das Wolf-Kompetenzzentrum beschreibt in seinem Bericht auch das Bestehen eines Rudels im Bereich des Truppenübungsplatzes Altengrabow. In dem Video könnte es sich somit um einen Wolf dieses Rudels handeln. Laut dem Zentrum besteht dieses Rudel seit 2009/2010. In dem Bericht werden auch Sichtungen von "Wolfs ähnlichen Hunden" erfasst. 

Für den Erfassungszeitraum 2018/2019 sind 9 solcher Fälle belegt. Bei den Sichtungen wurden, laut dem Wolf-Kompetenzzentrum oft Foto- und Video-Materialien beigefügt. Auch das aktuelle Video liegt laut Angaben der Mitteldeutschen Zeitung dem Kompetenzzentrum vor. 

Wolf: Nicht nur das aktuelle Video bringt das Thema Wolf auf die Tagesordnung

Ob es sich bei dem Tier in dem aktuellen Video nun um einen Wolf oder einen Wolfs-ähnlichen Hund handelt, wird wohl spätestens nächste Monitoringbericht des Wolf-Kompetenzzentrums zeigen.

Im Wildpark Alte Fasanerie ereignete sich Anfang dieses Jahres eine Tragödie. Ein Wolf ertrank vor den Augen der Parkbesucher, obwohl diese anstatt ein Video von der Situation zu machen richtigerweise direkt Hilfe holten.  

Der Wolf steht in Deutschland zum Glück unter Artenschutz. Seine Jäger-Natur steht aber manchmal im Gegensatz zu anderen Arten, die unter Schutz stehen. Wie Anfang Februar in Rotenburg, wo ein seltenes Rind mutmaßlich von einem Wolf gerissen wurde.

Nun wurde auch in Nord-Rhein-Westfalen ein Wolf aufgezeichnet. Hier wurde es jedoch bestätigt, dass es sich um einen Wolf handelte. 

Einem Schäfer gelang es jetzt Aufnahmen von einem Wolf zu machen. Die Schafe blieben unversehrt.   

Ein Züchter in Sachsen hatte schon seit über 20 Jahren einen Wolf-Sicheren Zaun für seine Tiere. Jetzt schaffte es ein Wolf aber durch den Zaun. 

Wolf im Video: Eine frühere Sichtung in derselben Region

In der Region gab es früher schon mal ein Video einer vermeintlichen Wolf-Sichtung. Ende März 2016 wurde dieses auf Youtube veröffentlicht. Es erlangte damals allerdings nicht so einen Klick-erfolge wie das Aktuelle ihn auf den Social Media Kanälen erfahren hat. Ob es sich in dem Video zweifelsfrei um einen Wolf handelt, können wir genauso wenig bestätigen wie Verortung des Videos.

Von Lucas Maier

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: Boris Roessler/picture alliance/dpa

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