Video aufgetaucht

Wollte Gorilla Harambe den kleinen Jungen nur beschützen?

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Cincinatti - Ein Gorillamännchen ist im Zoo von Cincinatti erschossen worden, nachdem ein Kleinkind ins Gehege gestürzt war. Jetzt ist ein Video aufgetaucht, das zeigen soll, dass der Affe den Jungen nur beschützen wollte.

Ein kleiner Junge ist am vergangenen Sonntag im Zoo von Cincinatti ins Gorilla-Gehege gestürzt. Da das Notfallteam des Zoos die Situation als lebensbedrohlich einschätzte, erschoss es das 17 Jahre alte Gorillamännchen namens Harambe. Der Affe hatte den Vierjährigen laut Angaben der Rettungskräfte "wild hinter sich her gezerrt und durch die Luft geworfen".

Doch nun ist im Netz ein bearbeitetes Video aufgetaucht, dass angeblich zeigen soll, dass der 200 Kilogramm schwere Affe das Kind beschützen wollte. In dem rund zweiminütigen Video ist zu sehen, wie sich das Tier vor das Kleinkind stellt und es kurze Zeit später sogar aufrichtet. Gorilla Harambe zeigt sich darin keineswegs aggressiv. Allerdings zeigt der obenstehende Clip einige Szenen, in denen der Gorilla den Jungen durch das Wasser schleift und grob anpackt. Welche genauen Intentionen das bearbeitete Video hat, ist unklar.

Hier können Sie sich das Video ansehen.

Shitstorm gegen die Mutter des Jungen

Außerdem ist im Internet gegen Michelle Gregg, die Mutter des kleinen Jungen, ein Shitstorm entbrannt. Der Vorwurf: Die 32-Jährige soll nicht ausreichend auf ihren Sohn aufgepasst haben. Wie die Bild berichtet, wurde auf Facebook sogar eine Gruppe gegründet, die Gerechtigkeit für den erschossenen Gorilla und eine Strafe für die Eltern des Vierjährigen fordert. Inzwischen hat die Gemeinschaft "Justice for Harambe" rund 90.000 Mitglieder.

Da das Facebook-Profil der Mutter in den letzten Tagen mit etlichen Hass-Kommentaren überflutet worden ist, sah sie sich gezwungen, ihr Konto zu löschen.

"Ich achte immer auf meine Kinder"

Den Vorwurf, sie hätte ihren Sohn nicht genügend beaufsichtigt, weist Michelle Gregg in einem letzten Beitrag auf ihrem Profil von sich: "Als Gesellschaft sind wir schnell mit unserem Urteil, wie Eltern nur ihr Kind aus den Augen lassen können. Aber wer mich kennt, der weiß, ich achte immer auf meine Kinder."

Die Mutter äußert sich auch zum Gesundheitszustand ihres Kindes und gibt Entwarnung. "Mein Sohn ist in Sicherheit, er kam mit einer Gehirnerschütterung und ein paar Schrammen davon - keine Brüche oder inneren Verletzungen", schreibt die 32-Jährige.

Betäubung des Tieres wäre zu riskant gewesen

Zoodirektor Thane Maynard hält die umstrittene Tötung des Tieres für gerechtfertigt, auch wenn er sich über den Tod des Silberrückens erschüttert zeigte. „Das Risiko geht einfach von der schieren Kraft des Tieres aus“, sagte er. Eine Betäubungspatrone hätte ihre Wirkung erst mit bis zu zehn Minuten Verzögerung entfaltet. Der Wildtierexperte Jach Hanna sagte dem Sender ABC, es gebe „keinen Zweifel“, dass der Junge getötet worden wäre. „Ein Betäubungspfeil dauert zu lange.“

„Harambe“, der in einem Zoo in Texas geboren war sollte eigentlich weitere Junge zeugen. Die Westlichen Flachlandgorillas sind eine extrem selten gewordene Art, die unter Schutz steht und akut vom Aussterben bedroht ist. 175.000 Exemplare leben noch in freier Wildbahn.

sk/dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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