Eine Rauchwolke färbt Teile des Himmels über Athen orange. Bei extremer Trockenheit und starken Winden ist ein Waldbrand nahe der griechischen Ferienortschaft Kineta außer Kontrolle geraten. Foto: Aristidis Vafeiadakis/ZUMA Wire
1 von 8
Eine Rauchwolke färbt Teile des Himmels über Athen orange. Bei extremer Trockenheit und starken Winden ist ein Waldbrand nahe der griechischen Ferienortschaft Kineta außer Kontrolle geraten. Foto: Aristidis Vafeiadakis/ZUMA Wire
In Kineta bei Athen steht ein Haus in Flammen. Foto: Lefteris Partsalis/XinHua
2 von 8
In Kineta bei Athen steht ein Haus in Flammen. Foto: Lefteris Partsalis/XinHua
Zerstörte Autos und Häuser: Starker Wind fachte die Flammen weiter an. Foto: Yorgos Karahalis/AP
3 von 8
Zerstörte Autos und Häuser: Starker Wind fachte die Flammen weiter an. Foto: Yorgos Karahalis/AP
Nichts blieb verschont: Eine Frau steht in Mati in einem verbrannten Garten. Foto: Christoph Soeder
4 von 8
Nichts blieb verschont: Eine Frau steht in Mati in einem verbrannten Garten. Foto: Christoph Soeder
Die Waldbrände waren 30 Kilometer westlich der griechischen Hauptstadt ausgebrochen. Foto: Lefteris Partsalis/XinHua
5 von 8
Die Waldbrände waren 30 Kilometer westlich der griechischen Hauptstadt ausgebrochen. Foto: Lefteris Partsalis/XinHua
Feuerwehrleute inspizieren ein verbranntes Gebiet. Foto: Thanassis Stavrakis/AP
6 von 8
Feuerwehrleute inspizieren ein verbranntes Gebiet. Foto: Thanassis Stavrakis/AP
Feuerwehrleute bekämpfen einen Waldbrand in der Nähe von Athen. Foto: Eurokinissi
7 von 8
Feuerwehrleute bekämpfen einen Waldbrand in der Nähe von Athen. Foto: Eurokinissi
Tücher und Schnorchel als Schutz vor dem beißenden Qualm im griechischen Kineta. Foto: Thanassis Stavrakis/AP
8 von 8
Tücher und Schnorchel als Schutz vor dem beißenden Qualm im griechischen Kineta. Foto: Thanassis Stavrakis/AP

"Nationale Tragödie"

Feuerinferno nahe Athen - mindestens 74 Tote

Nach dem verheerenden Waldbrand östlich von Athen steht die Zahl der Opfer noch nicht abschließend fest. In der völlig zerstörten Region durchkämmen Rettungskräfte hunderte abgebrannte Häuser. Bislang sind 74 Opfer bestätigt, weitere werden befürchtet.

Athen (dpa) - Mindestens 74 Menschen sind dem rasenden Feuer zum Opfer gefallen, das in der Nacht zum Dienstag einen Ferienort östlich von Athen in Schutt und Asche gelegt hat.

Die Zahl sei noch nicht abschließend, es würden noch Menschen vermisst, sagte eine Sprecherin der griechischen Feuerwehr. Es seien bereits Dutzende Anrufe wegen vermisster Familienmitglieder und Freunde eingegangen. Die Zahl der Verletzten lag zuletzt bei 164 Erwachsenen sowie 23 Kindern.

Lesen Sie auch: Großer Waldbrand in Fichtenwalde bei Potsdam ausgebrochen

Der Bürgermeister der Hafenstadt Rafina sagte im Rundfunk, allein in seiner Region seien mindestens 1200 Häuser zerstört worden. "Die Opferzahl könnte noch steigen." Die Rettungskräfte durchsuchen jedes einzelne Haus, immer wieder berichten Medien vor Ort von neuen, jedoch nicht verifizierten Leichenfunden. Auf einer Internetseite veröffentlichten Angehörige im Laufe des Dienstags Fotos von mutmaßlich Vermissten.

Luftaufnahmen der betroffenen Region zeigen das Ausmaß des Infernos - und die Ausweglosigkeit für die Opfer. Starker Wind hatte die Flammen in der Nacht mit rasender Geschwindigkeit vor sich her getrieben. "Der Wind brachte das Feuer wohin er wollte", sagte eine Augenzeugin dem griechischen Fernsehsender Skai. Viele hätten es schlicht und einfach nicht geschafft, zum rettenden Meer zu gelangen, oder seien von den Flammen umzingelt worden. Auch die Feuerwehr habe keine Chance gehabt. Zu dem Zeitpunkt herrschten in der seit Wochen trockenen und heißen Region Windstärken von bis zu 90 Stundenkilometern.

Ministerpräsident Alexis Tsipras wandte sich am Dienstagmittag über das Fernsehen an die Bevölkerung. Es gehe jetzt darum, noch zu retten, was zu retten sei, und zusammenzustehen, sagte er und kündigte eine dreitägige Staatstrauer an. Tsipras bedankte sich bei den Feuerwehrleuten, den Rettungssanitätern und anderen Helfern und sagte an die Überlebenden gewandt: "Keiner soll ohne Hilfe bleiben - und nichts bleibt ohne Antworten."

Die Frage der Verantwortlichkeit wird in griechischen Medien bereits heiß diskutiert, unter anderem die Frage, warum die Orte nicht rechtzeitig evakuiert wurden und wie es um Hilfsmittel wie Löschflugzeuge stehe. Tsipras erteilte der Diskussion jedoch vorläufig eine Absage. Jetzt trauere Griechenland, das "Was" und das "Warum" würden im Anschluss geklärt.

Eine erste Unterstützung soll es vom Wirtschaftsministerium geben, das für die betroffenen Regionen 20 Millionen Euro Soforthilfe bereitstellen will. Zudem machten sich im Laufe des Dienstags viele Bürger aus Athen auf den Weg, um Nahrungsmittel und Wasser bereitzustellen. Auch Aufrufen zu Blutspenden folgten viele.

Aus dem Ausland gab es zahlreiche Solidaritätsbekunden und ebenfalls Hilfsangebote. Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte Tsipras die Solidarität Deutschlands per Telegram zu. "Sie können sich unserer Unterstützungsbereitschaft bei der Bewältigung der Brandkatastrophe sicher sein." Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte. Hilfe sei unterwegs von vielen EU-Ländern, twitterte EU-Ratspräsident Donald Tusk, Europa werde in diesen schwierigen Zeiten an der Seite seiner griechischen Freunde stehen.

Auch Papst Franziskus sprach den Betroffenen seine Anteilnahme aus: Er sei "zutiefst betrübt" angesichts der Brände in Griechenland, teilte der Vatikan mit. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und Russlands Präsident Wladimir Putin sollen ebenfalls Unterstützung angeboten haben, berichtete die halbstaatliche griechische Nachrichtenagentur ANA-MPA.

Die Region um Rafina herum ist dicht bewaldet, zwischen den Pinien verstreut stehen Tausende Ferienhäuser und Wohnungen. Viele Athener verbringen hier ihren Sommerurlaub. Als die Flammen kamen, brach unter den Menschen Panik aus. Die Straßen seien von Autos verstopft worden, es habe keinen Ausweg gegeben und keine Luft zum Atmen, berichteten Augenzeugen.

Die gewaltigen Rauchwolken, die bis nach Athen zogen und dort am Dienstag den Himmel verdunkelten, erschwerten zusätzlich zum starken Wind die Arbeit der Hubschrauber und Löschflugzeuge. Im Laufe des Tages konnten die Feuer jedoch weitgehend unter Kontrolle gebracht werden; am Dienstagabend dann sollte es in der Region regnen.

Internetseite mit mutmaßlichen Vermissten

Auch interessant

Meistgesehene Fotostrecken

Trockenheit in Deutschland steuert auf Ausnahmewert zu
Blauer Himmel, Sonnenschein - aber noch immer kein Regen in Sicht. Niedrigwasser am Rhein macht der Schifffahrt zu schaffen, auch Bauern und Waldbesitzer kämpfen nach …
Trockenheit in Deutschland steuert auf Ausnahmewert zu
Drogenbeauftragte warnt vor Rauchen und Alkohol
Die Zahl der Toten durch illegale Drogen in Deutschland ist nach längerer Zeit leicht gesunken. Neben verbotenen Stoffen wie Heroin lenkt die Regierung den Blick auf …
Drogenbeauftragte warnt vor Rauchen und Alkohol
Geiselnahme in Köln: Fahnder prüfen Terror-Hintergrund
Islamischer Terrorist oder eher psychisch verwirrter Einzeltäter? Die Polizei weiß noch nicht genau, wie sie den Geiselnehmer aus dem Kölner Hauptbahnhof einstufen muss. …
Geiselnahme in Köln: Fahnder prüfen Terror-Hintergrund
Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof - Bilder vom Einsatzort
In einer Apotheke im Kölner Hauptbahnhof hat es eine Geiselnahme gegeben. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz. Der Hauptbahnhof wurde geräumt und gesperrt.
Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof - Bilder vom Einsatzort