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Sechste Welle in Portugal: Corona-Zahlen steigen – Regierung beschließt erste Maßnahme für den Sommer

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Von: Bettina Menzel

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Strandbesucher gehen über eine Treppe zum Strand „Praia do Camilo“ an der Algarve. Die Omikron Untervariante BA.5 sorgt in Portugal aktuell für steigende Zahlen (Archivbild). © icture alliance/dpa | Matthias Balk

In dem beliebten Urlaubsland Portugal steigen die Corona-Fallzahlen rasant. Um den Wiederanstieg zu stoppen, beschloss die Regierung nun eine neue Maßnahme.

Lissabon - Die Sonne scheint und die Touristen kommen: Die Tourismusindustrie in Portugal hat sich offenbar so gut erholt, dass das Bruttoinlandsprodukt 2022 um 5,8 Prozent wachsen könnte. Indes sorgt die Omikron-Untervariante BA.5 für steigende Corona-Fallzahlen in dem kleinen Land auf der iberischen Halbinsel. Zwischen dem 10. und 16. Mai registrierten die Behörden 157.502 neue Fälle - 58 Prozent mehr als in der Vorwoche. Die Zahlen könnten tatsächlich noch viel höher liegen, Experten halten eine hohe Dunkelziffer für möglich. Die Regierung reagierte schnell und beschloss eine neue Maßnahme gegen das Coronavirus für den Sommer. Wird es die einzige bleiben?

Coronavirus in Portugal: Warum das Land so schnell reagiert

Zu Beginn des Jahres 2021 waren die Infektionszahlen in Portugal explodiert. Vor vielen Krankenhäusern standen zusätzliche Kühlcontainer, da sich die Leichenhallen der Hospitäler füllten - zu groß war die Zahl der Corona-Toten. Das Land hatte eine der schlimmsten Sterblichkeits- und Infektionswellen weltweit. Im Februar 21 übernahm der Vizeadmiral Henrique Gouveia e Melo die Impfkampagne in Portugal, was einen Wendepunkt markierte.

Wenige Monate später hatte Portugal die Pandemie im Griff und stieg sogar zum Impfweltmeister auf. 95 Prozent der Gesamtbevölkerung haben zumindest eine Dosis erhalten und 60 Prozent bereits die dritte. In der Altersgruppe der 70 bis 79-Jährigen haben sogar schon 97 Prozent die Auffrischungsimpfung erhalten, wie aus Informationen der portugiesischen Gesundheitsbehörde DGS hervorgeht (Stand: März 2022). Doch die traumatische Erfahrung zu Beginn der Pandemie hat Portugal vorsichtig gemacht. Auf die nun steigenden Zahlen reagierte die Regierung daher schnell.

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Ein Surfwettbewerb der World Surf League in Ericeira. Portugal ist auch für viele Wellenreiter ein beliebtes Urlaubsziel - müssen sie sich bald auf neue Corona-Maßnahmen einstellen? © picture alliance/dpa/ZUMA Press Wire Service | Damien Poullenot/Wsl

Corona in Portugal: Beginn der sechsten Welle? Regierung beschließt diese Maßnahme

Die erstmals Ende März in Portugal nachgewiesene Variante BA.5 sei nach einer starken Ausbreitung inzwischen die vorherrschende Variante in dem EU-Land, sagte ein Sprecher des portugiesischen Gesundheitsinstituts Insa am Mittwoch. Sie sei mittlerweile für fast 80 Prozent aller gemeldeten Neuinfektionen in Portugal verantwortlich. Tatsächlich könnten die Fallzahlen noch deutlich höher sein: „In Wirklichkeit könnte es doppelt so viele Fälle geben“, sagte der Präsident des Verbands der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Gustavo Tato Borges. Auch die Zahl der Todesfälle ist seinen Angaben zufolge in der zweiten Mai-Woche wieder gestiegen.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hatte kürzlich vor genau dieser Entwicklung gewarnt. Die Omikron-Untervarianten BA.4 und BA.5 könnten zu einem Wiederanstieg der Fallzahlen führen, so die ECDC. Ein Bericht einer Arbeitsgruppe des Instituto Superior Técnico in Lissabon vom Mai 2022 sieht Portugal bereits in die sechste Welle schlittern. Die Gesundheitsbehörde rät in ihrem Bericht, „individuelle Schutzmaßnahmen und Auffrischungsimpfungen stark zu verstärken.“

Die Aufhebung vieler Corona-Maßnahmen - wie etwa dem Maskentragen - in Portugal ist offenbar ein Grund für die schnelle Ausbreitung der BA.5 Untervariante des Coronavirus. Die Maskenpflicht in Innenräumen ist seit dem 21. April aufgehoben, einige Menschen tragen den Mund-Nasen-Schutz allerdings auch im Supermarkt oder selbst auf der Straße noch freiwillig. Nur in öffentlichen Verkehrsmitteln und medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern ist das Maskentragen noch vorgeschrieben. Um den rasanten Anstieg der Fallzahlen zu stoppen, hat die Regierung nun zwar nicht die Rückkehr der Masken beschlossen. Doch Apotheken sollen wieder kostenlose Schnelltests anbieten.

Coronavirus in Portugal: Kommen Homeoffice- und Maskenpflicht zurück?

Aus Sicht von Experten könnte die Maskenpflicht und eine Homeoffice-Empfehlung den aktuellen Anstieg der Corona-Infektionszahlen eindämmen. „Die Abschaffung der Maskenpflicht im Arbeitskontext und das Fallenlassen der Homeoffice-Empfehlung, wenn dies möglich ist, führt zu einem Übermaß an Ansteckungen, das nach unseren Modellen stark zum gegenwärtigen Anstieg von Infektionen beiträgt“, heißt es dazu im Bericht des Instituto Superior Técnico.

Homeoffice war in Portugal während der Pandemie monatelang Pflicht. Im Anschluss empfahl die Regierung, weiterhin von zuhause zu arbeiten. Seit dem 19. Februar 2022 besteht auch diese Empfehlung seitens der Regierung nicht mehr. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können hierzu jedoch eine Vereinbarung treffen - große Unternehmen wie Sitel oder Teleperformance etwa bieten ihren Angestellten weiterhin die Möglichkeit zu Homeoffice an. Manche Angestellte haben zudem weiterhin ein Recht auf Homeoffice, auch wenn der Arbeitgeber dagegen ist. Darunter fallen etwa jene, die Kinder im Alter zwischen drei und acht Jahren haben und in einem Bürojob bei einem Unternehmen mit mehr als neun Mitarbeitern tätig sind. Doch für alle anderen heißt es momentan: Ab ins Büro. (bm mit Material von AFP)

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