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„Junge aus dem Karton“ nach 65 Jahren identifiziert - Mordfall womöglich vor Aufklärung

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Von: Marcus Giebel

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Kinderfoto von Joseph Augustus Zarelli
Der „Junge aus dem Karton“: Dieses Foto veröffentlichte die Polizei von Philadelphia in dem Mordfall, der die USA seit Jahrzehnten bewegt. © Philadelphia Police

In den USA könnte ein Mordfall nach 65 Jahren gelöst werden. Die Ermittler haben den sogenannten „Jungen im Karton“, der einst nahe Philadelphia gefunden wurde, identifiziert.

München - Der „Junge im Karton“ hat einen Namen. 65 Jahre nach dem Fund einer Kinderleiche sind die Ermittler davon überzeugt, die Identität des Jungen festgestellt zu haben. 1957 war der Kinderkörper außerhalb von Philadelphia in einer Pappschachtel entdeckt worden. Es handelt sich um einen der ältesten ungelösten Fälle in der Geschichte der US-Metropole in Pennsylvania.

Bei dem Toten soll es sich um Joseph Augustus Zarelli handeln. Auf die Spur des am 13. Januar 1953 geborenen Jungen stießen die Ermittler über DNA-Analysen infolge einer Exhumierung im Jahr 2019. Mit deren Hilfe seien Verwandte des Kindes ausfindig gemacht worden und die Polizisten auf eine Geburtsurkunde gestoßen.

Demnach stammt die Familie aus der Umgebung im Westen Philadelphias. Zwar seien die Eltern mittlerweile verstorben, doch eine Reihe von Geschwistern lebe noch - sie konnten zur Aufklärung beitragen.

„Junge aus dem Karton“ identifiziert: Polizei hat Vermutung im Mordfall aus den 50er Jahren

Womöglich ist auch sein Mörder bald enttarnt. Nach Angaben von Polizeichef Jason Smith haben die Ermittler eine Vermutung, wer der Täter oder die Täterin sein könnte. Details nannte er wegen laufender Ermittlungen jedoch nicht. Eine Mordanklage ist möglich, obwohl bereits viele Jahre seit dem Leichenfund vergangen sind.

Kurios erscheint in dem Zusammenhang, dass Zarelli nie als vermisst gemeldet worden sein soll. Smith ergänzte, er hoffe, dass es jemanden gibt, der den Jungen gesehen habe. Womöglich ein Nachbar.

Zum Zeitpunkt des Auffindens war der Körper des Kindes unbekleidet und in eine Decke gehüllt gewesen, wies zudem Spuren von zahlreichen Schlägen auf. Ein inzwischen pensionierter Ermittler hatte dem Sender CBS im vergangenen Jahr gesagt, bei der Todesursache handele es sich um stumpfe Gewalteinwirkung. Das Opfer sei zudem gewaschen und ihm seien die Haare geschnitten worden.

Video: Dreifacher Mord in Kalifornien - Verdächtiger ist Polizist

Derweil wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort des Jahres 2022 gekürt. Es ist ein Begriff, mit dem in den vergangenen Monaten viele Bürger unangenehm konfrontiert wurden.

Polizei identifiziert „Junge aus dem Karton“: „Die Suche nach der Gerechtigkeit geht weiter“

Die Ermittlungen zogen sich über viele Jahre hin, doch auf einen Durchbruch wartete das ganze Land vergeblich. Damals waren Blätter mit dem Gesicht des blonden Jungen in der gesamten Stadt verteilt worden. Die Polizei bat die Bevölkerung um Mithilfe. Auch nun twitterte Polizeipräsidentin Danielle Outlaw: „Falls Sie Informationen für die Mordkommission haben, kontaktieren Sie uns.“

Wie bei Mordermittlungen üblich, würden Hinweise, die zur Aufklärung beitragen, mit 20.000 US-Dollar (18.900 Euro) honoriert werden. „Die Suche nach der Gerechtigkeit geht weiter“, schrieb Outlaw zudem. Bei einem Pressetermin erklärte sie: „Wir schließen nur ein Kapitel in der Geschichte des kleinen Jungen, aber ein neues wird geöffnet.“

Bislang war in dem Fall immer von „America’s Unknown Child“ - also „Amerikas unbekanntem Kind“ - gesprochen worden. Diese Bezeichnung steht auch auf dem Grabstein, dem nun nicht nur für die Zarelli-Familie eine ganz neue Bedeutung zukommen wird. (mg)

Ein 38-jähriger Münchner erstach seine Freundin in einem Villenviertel - nun wird der Fall neu aufgerollt. Eine Bayerin und ihre Tochter müssen ins Gefängnis, weil sie den pflegebedürftigen Vater mit „saurem Lüngerl“ vergiftet haben. Nach einem mutmaßlichen Mord an einem Deutschen sind in Barcelona zwei Männer verhaftet worden.

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