Zeitumstellung: ADAC warnt vor Wildunfällen

Berlin - Am Sonntag werden mal wieder die Uhren nach vorne gestellt. Viele Menschen werden dadurch in ihrem Schlafrhythmus gestört. Doch das können noch die geringsten Folgen sein.

Auf einen Schlag bleibt es von Sonntag an Abends länger hell: Die Sommerzeit beginnt. Nachtschwärmer und Langschläfer haben zunächst aber das Nachsehen - die Zeitumstellung beschert den meisten Menschen in Europa die kürzeste Nacht des Jahres. Um Punkt 2.00 Uhr springen die Zeiger aller Funkuhren automatisch auf 3.00 Uhr. „Unser sogenanntes Zeit-Telegramm ist dafür verantwortlich“, erläuterte Jens Simon von der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig.

Das Zeit-Telegramm besteht aus Funksignalen. Damit das richtige Signal zur richtigen Zeit ausgestrahlt wird, haben die Wissenschaftler der PTB die impulsgebende Atomuhr in Mainflingen bei Frankfurt bereits vor Wochen programmiert. Über den Sender DCF 77 wird das Signal dann an alle öffentlichen und privaten Funkuhren im Umkreis von bis zu 2500 Kilometern gesendet. „Das alles ist für uns längst Routine, in all den Jahren hat es noch keine Panne gegeben“, sagte Simon. Wer keine Funkuhr hat, muss die Uhr per Hand stellen.

Wegen der Zeitumstellung kann es zu Schlafstörungen kommen, Experten warnen Autofahrer vor einem höheren Risiko für Wildunfälle. Bei der Deutschen Bahn (DB) werden nach Konzernangaben 120.000 Uhren unter anderem in Zügen und an Bahnhöfen umgestellt. Die Umstellung dauert nach Unternehmensangaben etwa eine Stunde. Mehr als 50 Nachtzüge sind betroffen.

Die in der Bundesrepublik 1980 zur Stromersparnis eingeführte Sommerzeit kann besonders bei älteren Menschen und Kindern den Schlafrhythmus durcheinanderbringen. Autofahrern wird mit Beginn der Sommerzeit zu besonderer Vorsicht geraten. Da dann morgendlicher Berufsverkehr und Dämmerung zusammenfallen, steige das Risiko für Wildunfälle, warnen der Deutsche Jagdschutzverband und der Automobilklub ADAC.

Die Bahn dürfte über die Erfindung der automatischen Umstellung am glücklichsten sein: 120 000 Chronometer ticken auf deutschen Bahnhöfen. „Es ist alles vollkommen unkompliziert“, sagte ein Bahnsprecher. Betroffen sind etwa 50 Nachtzüge. Die Fahrtzeit bleibt zwar gleich, nach der Uhr kommen die Züge aber eine Stunde später am jeweiligen Zielbahnhof an.

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Die halbjährliche Umstellung der Uhren wurde mit der Ölkrise 1973 zunächst in Frankreich eingeführt, um Energie zu sparen. Dadurch sollte eine Stunde Tageslicht für Unternehmen und Haushalte gewonnen werden. Seit 1980 stellt auch Deutschland jeweils am letzten Wochenende im März die Uhren von der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) auf die Sommerzeit um. Mittlerweile ist sie für die EU-Mitgliedstaaten vorgegeben.

„Ziel der damit verbundenen Angleichung der Zeitzählung aller EU-Mitgliedstaaten ist es, zum Funktionieren des europäischen Binnenmarktes beizutragen“, teilte das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit. Im digitalen Zeitalter ist der Zeittakt viel mehr als die bloße Uhrzeit: Zeitsignale und Zeitcodes steuern den Austausch von Informationen, sind für die Energieversorgung wichtig und für die Organisation des Handels in einer globalisierten Welt unverzichtbar.

Russland dreht allerdings erneut nicht an der Uhr. Das größte Land der Erde hat im vergangenen Jahr nach 30 Jahren die Zeitumstellung abgeschafft. Dies bedeute weniger Stress für Mensch und Tier, begründete damals Kremlchef Dmitri Medwedew die Initiative. Nun klagen aber zunehmend Menschen im Riesenreich über das Leben mit „ewiger Sommerzeit“. Im Internet beklagen viele Russen, dass sie sich einfach nicht gewöhnen könnten an die Sommerzeit im Winter. Ihr Leben sei irgendwie aus dem Tritt geraten, schreiben Blogger. Regierungschef Wladimir Putin will eine Rückkehr zur Winterzeit prüfen lassen.

dpa

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