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Fritz Haarmann tötete mindestens 24 Menschen.

Grausiges Kapitel beendet

Massenmörder-Kopf anonym bestattet

Göttingen - Haarmann mit dem Hackebeilchen - ein Schauerlied erinnert an einen berüchtigten Massenmörder aus Hannover. Nach seiner Enthauptung sollten Kopf und Gehirn Rückschlüsse auf verbrecherische Veranlagung liefern. Wissenschaftlich machte das jedoch keinen Sinn.

Gut 90 Jahre nach der Hinrichtung des berüchtigten Massenmörders Fritz Haarmann aus Hannover sind dessen letzte sterblichen Überreste zur Ruhe gekommen. Der Kopf des berüchtigten Verbrechers sei bereits im vergangenen Frühjahr eingeäschert und anonym bestattet worden, bestätigt ein Sprecher des Universitätsklinikums Göttingen. Zuvor hatte dies das „Göttinger Tageblatt“ (Samstag) berichtet.

Haarmann gesteht nach seiner Verhaftung im Juni 1924 eine Serie von 24 Morden an obdachlosen Männern. Bei den Verbrechen in den Jahren 1918 bis 1924 soll er auch Leichenteile verzehrt haben. Der wegen sexuellen Missbrauchs kleiner Kinder vorbestrafte Massenmörder ist der Polizei als Spitzel in Hannovers Rotlicht-Milieu bekannt. Der beispiellose Fall liefert später auch den Stoff für den TV-Film „Der Totmacher“ mit Schauspieler Götz George als Haarmann.

Ende 1924 wird Haarmann schließlich verurteilt und in Hannover mit dem Fallbeil enthauptet. Sein Kopf kommt später für Jahrzehnte in einem Formalinbad ins gerichtsmedizinische Institut nach Göttingen.

„Es gab früher Anfragen, den Kopf öffentlich zu zeigen“, erinnert sich Klinikumssprecher Stefan Weller. Besonders in der Zeit des Nationalsozialismus habe der Irrglaube geherrscht, dass sich Verbrecher an ihrer Physiognomie erkennen ließen. Manche Wissenschaftler glaubten zudem, im Gehirn Areale für das Gute und das Böse finden zu können.

Einen wissenschaftlichen Wert hatte der Kopf nach Ansicht von Professor Klaus-Steffen Saternus von der Göttinger Rechtsmedizin jedoch nicht. Daher bleibt das berühmt-berüchtigte Präparat unter Verschluss und darf auch nicht für Gruseleffekte herhalten: Fotografierwünsche lehnt Saternus stets ab.

Vor der Bestattung auf einem anonymen Gräberfeld seien ethische Fragen zum angemessenen Umgang mit den menschlichen Überresten diskutiert worden, sagte Weller. „Haarmann war evangelischen Glaubens, und so wurde die Bestattung in einem würdigen Rahmen mit der Kirche abgesprochen.“ Zuvor sei die Suche nach möglichen Angehörigen des Massenmörders ergebnislos verlaufen.

dpa

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