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Roberto Saviano.

Neues Buch von Mafia-Feind

U-Boote voller Kokain für Europa

Berlin - Er hat sich dem Kampf gegen die Mafia verschrieben - und ist deshalb seit über 2300 Tagen untergetaucht. Trotzdem macht Mafia-Feind und „Gomorrha“-Autor Roberto Saviano weiter: Diesmal offenbart er die Macht der Drogenkartelle.

Eine der Anfangsszenen von „The Wolf of Wall Street“ ist an Obszönität eigentlich kaum zu überbieten. Leonardo di Caprio zieht sich "eine Linie weißes Pulver aus der Po-Ritze einer Prostituierten in die Nase. Ein typischer Akt in dem kokainbepuderten Scorsese-Film, im dem di Caprio als smarter und drogensüchtiger Finanzbetrüger Jordan Belfort aufzeigt: Kokain regiert die Wall Street, Kokain regiert die Welt."

Der erklärte Mafia-Feind Roberto Saviano (34) hat nun ein Buch über die Leistungsdroge Kokain geschrieben. Der Star-Autor, der mit „Gomorrha“ große Teile der kriminellen Welt gegen sich aufgebracht hat, will mit seinem neuen Werk "ZeroZeroZero“ klarmachen: Kokain ist überall. Es wird seltener aus Po-Ritzen konsumiert, häufig aber auf "Kneipentoiletten oder in Mittagspausen, wenn die Konzentration noch bis zum Abend halten soll. „Mit Kokain kannst du alles erreichen“, schreibt Saviano. „Kokain ist die "erschöpfende Antwort auf das dringendste Bedürfnis unserer Zeit.“ Das teure weiße Pulver rieselt Saviano zufolge nicht nur auf die Finanzwelt, nein: Allein in Europa sollen rund 13 Millionen Kokser herumlaufen.

Wie lukrativ das Geschäft mit dem „weißen Öl“ ist, erklärt Saviano mit einfachen Rechenbeispielen: Anlagen in die Erfolgsaktie des Apple-Konzerns seien zwar ganz nett - hätte man das Geld aber in Koks gesteckt, hätte man mehr als das Hundertfache gescheffelt. Die Gewinne aus dem Drogenhandel betrügen knapp 352 Milliarden Dollar. Über 97 Prozent aller Drogeneinkünfte der Kartelle in Kolumbien werden dabei laut Saviano in Banken in Europa und den USA gewaschen."

Der gebürtige Neapolitaner lebt seit der Veröffentlichung von „Gomorrha“ unter Geleitschutz an geheimen Orten - seit 2310 "Tagen, wie er schreibt. Weil er eh nicht zurück kann, macht Saviano in „ZeroZeroZero“ einfach weiter. Er begleitet "Drogendealer und Bekämpfer des Systems, zeigt die Wege auf, die das "Kokain aus Mexiko und Kolumbien nach Europa nimmt, und natürlich geizt er nicht mit mafiösen "Gruselgeschichten: Mal wird einer nur aufgehängt oder in Ätznatron aufgelöst, mal muss ein gegen Drogen kämpfender Geistlicher die Vergewaltigung seiner minderjährigen Nichte miterleben und "seine abgetrennten Finger, Zehen und Genitalien schlucken. "

Bizarr sind nicht nur die Taten, sondern auch die Tatsache, wie weit Saviano in die Szene eingedrungen ist. "Er schildert Werdegänge von Kriminellen wie der Patin Griselda, die sich erst als Prostituierte über Wasser hält, dann im Drogenmilieu hochheiratet und später in Nacktbars aus Spaß die Tänzerinnen erschießt. Sie ist nur ein Beispiel für eine Drogengröße, die bei Saviano mordet, foltert oder Angst verbreitet - nicht zuletzt mit ihrem Schäferhund „Hitler“.

Savianos Detailtreue hat für den Leser aber auch etwas Erschöpfendes: Oft berichtet er so intensiv von kolumbianischen und "mexikanischen Akteuren, dass man zwischen all den "spanisch klingenden Namen kaum noch zu unterscheiden vermag. Von den Kriminellen merkt man sich in der Namensflut meist nur die Spitznamen: El Padrino, El Magico, El Chito und El Chapo.

Ein paar Splitter bleiben dann aber doch im Gedächtnis "hängen: Kolumbiens Topmodel Natalia Paris, das sich in einen Drogenhändler verliebt. Der Mafiaboss Semjon Mogilewitsch, genannt „The Brainy Don“, dessen „Macht so groß ist, dass er mit einem einzigen Anruf die Weltwirtschaft beeinflussen kann“, wie ein leitender FBI-Ermittler sagt. Drogenhunde, die für ihr feines Näschen bezahlen müssen. U-Boote voller Kokain, die die Droge nach Europa bringen.

Bei einem Kapitel des 500 Seiten dicken Buches werden die deutschen Leser plötzlich hellwach die Augen aufreißen wie nach der nächsten Koks-"Line - das Kapitel heißt: „Eldorado "Deutschland“. Erschreckend dabei der Zustand, den Saviano in Deutschland entlarvt: „Wenn man "nicht über die Mafia spricht, existiert sie nicht.“

dpa

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