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Abkühlung: Die Hitze in Rom und Umgebung macht nicht nur Touristen zu schaffen. Der Stadt droht das Wasser auszugehen.

Ab Freitag

Zum allerersten Mal: Rom will Wasser rationieren

Die Trockenheit in Italien nimmt verheerende Ausmaße an: In Rom soll ab Freitag das Wasser rationiert werden. Es wäre das erste Mal seitMenschengedenken.

Rom – Die Lage ist dramatisch. Nicht, dass Italien keine heißen Sommer gewöhnt wäre: Auch in Rom sind Temperaturen an die 40 Grad im Juli und August keine Seltenheit. Das Problem ist die Trockenheit. Denn seit Anfang Mai hat es in der Ewigen Stadt keine nennenswerten Niederschläge mehr gegeben. Seit April blieben 76 Prozent der üblichen Regenmenge aus. Und über die sonst nassen Wintermonate fiel nur etwa die Hälfte des durchschnittlichen Pensums. Der Frühling, rund ums Mittelmeer als Gewittersaison berüchtigt, war ein Totalausfall. Ähnlich wie in der Hauptstadt erging es fast allen Regionen südlich des Apennins. Die Seen und Wasserreservoirs in der Mitte und im Süden des Landes trocknen aus.

Man war durchaus vorgewarnt, dass sich im Sommer, sollte sich das Klimamuster nicht ändern, ein Drama anbahnen könnte. Seit nunmehr sieben Wochen treibt die Großwetterlage unbarmherzig eine Hitzewelle nach der anderen von Nordafrika nach Italien. Nach 2003 ist es der heißeste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – und der trockenste.

Der Bauernverband schlägt Alarm

Der nationale Bauernverband „Coldiretti“ schlägt Alarm: Über 60 Prozent der landwirtschaftlichen Anbauflächen trocknen inzwischen aus. Die Ernte verdorrt auf den Feldern. Eine weitere Gefahr für das ökologische Gleichgewicht sind die verheerenden Waldbrände, die sich täglich weiterfressen. Sie spielen sich nicht nur in entlegenen Gegenden ab, sondern bedrohen immer öfters Wohngebiete, Straßen und Infrastruktur. Rund um Rom vergeht kein Tag, an dem nicht irgendeine Teilstrecke des Autobahnrings um die Millionenmetropole oder der wichtigen Nord-Süd-Trasse Mailand-Neapel gesperrt werden muss. Die für Latium typischen Pinienhaine und Eukalyptusbäume gelten als besonders leichte Beute für die Flammen.

Ist es im 21. Jahrhundert vorstellbar, dass einer Weltmetropole das Trinkwasser ausgeht? Und das ausgerechnet in der Ewigen Stadt, die seit der Antike berühmt für ihre stolzen Aquädukte, sprudelnden Brunnen und aufwendigen Wasserspiele ist: Fontana di Trevi, Acqua Paola. Wassermangel, das war in Rom seit über 2000 Jahren nie ein Problem.

Steht eine ökologische Katastrophe bevor?

Versorgt wird die Stadt von Vulkanseen im Umland und Quellen in den Sabiner Bergen. Doch dem größten dieser Reservoirs, dem Lago di Bracciano, droht eine ökologische Katastrophe. Der Spiegel ist seit Jahresbeginn um vier Meter gesunken. Den Wasserwerken wurde daher von der Regionalregierung Latiums verboten, weiter Wasser zu entnehmen.

Ausgerechnet dieser See versorgt jedoch weite Teile des Nordens und Westens der Metropole einschließlich des Vatikans und des Zentrums. Für diese Zone mit 1,5 Millionen Einwohnern droht ab Freitag eine Rationierung. Alle 16 Stunden soll das Wasser für acht Stunden abgedreht werden. Haushalte, Behörden, Hotels, Geschäfte, Krankenhäuser – Unterschiede könnten aus technischen Gründen nicht gemacht werden, so der Wasserversorger ACEA.

Das kommt im medizinischen Bereich und Tourismus einem Desaster gleich. Entsprechend hoch schlagen die Wogen der Entrüstung. Abhilfe schaffen könnte nur viel Regen. Doch der ist laut Meteorologen nicht in Sicht. Die Regierung plant daher, im Laufe der Woche über zehn Regionen des Landes den Notstand zu verhängen. Der Klimawandel ist mitten in Europa angekommen.

Von Ingo-Michael Feth

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