Zwei Deutsche im Irak entführt

- Bagdad/Tikrit/Berlin - Knapp zwei Monate nach der Entführung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff sind im Irak zwei deutsche Ingenieure verschleppt worden. Nach Angaben der irakischen Polizei wurden die beiden Deutschen am Dienstag in Bedschi entführt. Ein dritter Deutscher sei den Kidnappern entkommen, teilte ein Sprecher der irakischen Firma, bei der beide Männer gearbeitet hatten, mit. Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) sagte in Berlin, bei den Entführten handele es sich vermutlich um zwei junge Männer aus Leipzig.

Der Sprecher der Chemiefabrik, in der die beiden Männer arbeiteten, berichtete, die Kidnapper hätten den Deutschen, die in einer irakischen Kaserne in Bedschi übernachtet hätten, am Morgen auf dem Weg zur Arbeit aufgelauert. Die Entführer seien in zwei Fahrzeugen vorgefahren und hätten Uniformen der irakischen Nationalgarde getragen. Sie zwangen die Deutschen nach Aussage des Sprechers, aus ihrem Auto auszusteigen, und fesselten ihnen die Hände. Dann hätten sie die Ingenieure in den Kofferraum ihrer zwei Autos geworfen und seien davongefahren.

Die beiden Ingenieure seien mit einem weiteren deutschen Kollegen und einem Iraker unterwegs gewesen, sagte der Sprecher der arabischen Firma für Reinigungsmittel weiter. Den dritten Deutschen hätten sie verschont, weil sie ihn für einen Araber gehalten hätten. Die Polizei hatte erst berichtet, die Entführer hätten traditionelle irakische Kleidung getragen. Mit welchem deutschen Unternehmen die Reinigungsmittelfirma zusammenarbeitete, war zunächst unklar.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte in Berlin, der Krisenstab im Auswärtigen Amt habe bereits getagt. "Wir sind bemüht, alle erreichbaren Informationen zu bekommen." Der Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Rüdiger von Fritsch, sagte, die Meldungen über die Entführung würden geprüft. Dabei seien auch BND-Beamte im Einsatz. Ein Sprecher der US-Armee in Bagdad wollte zu einer möglichen Beteiligung von US-Truppen bei der Suche nach den Geiseln keine Angaben machen. Aus der sächsischen Staatskanzlei hieß es, bislang hätten etwa 30 Informanten Hinweise zu der Entführung gegeben.

Osthoff war am 25. November als erste Deutsche seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein im Irak entführt worden. Am 18. Dezember wurde sie freigelassen. Berichte, wonach sie gegen Zahlung von Lösegeld freikam, kommentierte die Bundesregierung nicht. Das Auswärtige Amt rät in seinen Reiseempfehlungen für den Irak allen Deutschen dringend, das Land zu verlassen. "Das Risiko von Entführungen ist sehr hoch", heißt es in der aktuellen Reisewarnung.

Bedschi liegt etwa 200 Kilometer nördlich von Bagdad im so genannten sunnitischen Dreieck. Rund um die Ölraffinerie von Bedschi befinden sich in einem Industriegebiet mehrere Betriebe der chemischen Industrie. In der Stadt hat es seit dem Sturz von Saddam Hussein zahlreiche Anschläge von Aufständischen und Terroristen gegeben. Saboteure hatten zudem mehrfach die Pipeline, die die Ölfelder von Kirkuk mit der Bedschi-Raffinerie verbindet, beschädigt.

Für die Freilassung der am 7. Januar in Bagdad entführten amerikanischen Journalistin Jill Carroll setzte sich derweil ein ägyptischer Islamisten-Anwalt ein. Montasser al-Sajat sagte, die Journalistin, die für die Zeitung "Christian Science Monitor" arbeitet, habe sich den "arabischen und islamischen Traditionen angepasst" und dem irakischen Volk Sympathie entgegengebracht.

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