Zwei Monate nach "Prestige"-Untergang:

- Madrid - Unaufhaltsam strömt das Öl aus dem gesunkenen Tanker "Prestige" ins Meer. Aus dem Wrack, das 3600 Meter tief auf dem Meeresgrund vor der Nordwestküste Spaniens liegt, fließen jeden Tag 80 Tonnen giftiges Schweröl in den Atlantik. Diese Menge entspricht der Ladung von fast vier Tanklastzügen.

 An diesem Sonntag (19. Januar) ist es genau zwei Monate her, dass der 243 Meter lange Tanker in der Mitte einknickte, in zwei Teile zerbrach und versank. Das Unglück löste die größte Umweltkatastrophe in der spanischen Geschichte aus. Das Desaster ist auch heute längst nicht ausgestanden.<P>"Im Nordwesten Spaniens und in Nordportugal wird in den kommenden Monaten immer wieder Öl an Land gespült werden", prophezeit João Coimbra, Präsident des portugiesischen Zentrums für Meereskunde. "Diese Ölpest ist eine Krankheit, bei der die Heilung sehr lange dauert."</P><P>Das Öl schwappt nicht mehr wie zu Beginn der Katastrophe massenweise in Form von dicken Teppichen an die Küsten, sondern wird in kleineren Schüben angeschwemmt. Hunderte von Helfern, die die Küsten säubern, können den Ölschlamm nicht mehr einfach fortschaufeln. Sie müssen ihn mühsam mit den Händen von den Felsen kratzen.</P><P>Die "Prestige" war am 13. November im Sturm leckgeschlagen. Die Ermittler vermuten, dass am Rumpf eine Metallplatte nicht korrekt verschweißt war. Die spanische Regierung ordnete an, das Schiff möglichst weit von der Küste weg aufs offene Meer hinauszuschleppen. Dort sank der Tanker sechs Tage später. Von den 77 000 Tonnen Öl, die das Schiff geladen hatte, strömten etwa 25 000 ins Meer.</P><P>Entlang der spanischen Atlantikküste wurde mehr als die Hälfte der über 1000 Strände verschmutzt. Gut 400 Strände sind heute noch verunreinigt. Der erst kürzlich ausgewiesene Nationalpark der Atlantischen Inseln vor der galicischen Küste erlitt schwere Schäden. Die Madrider Regierung geht davon aus, dass der Kampf gegen die Ölpest den Staat weit über eine Milliarde Euro kosten wird.</P><P>Der Bug und das Heck der "Prestige" liegen gut drei Kilometer voneinander entfernt auf dem Boden des Atlantiks. In den Tanks befinden sich noch etwa 50 000 Tonnen Öl. Die spanischen Behörden setzen darauf, dass das französische Spezial-U-Boot "Nautile" die 20 Lecks am Wrack des Tankers in den kommenden Wochen provisorisch abdichten kann. Danach soll entschieden werden, wie die "Zeitbombe" auf dem Meeresgrund dauerhaft unschädlich gemacht werden kann. Eine Kommission von Experten prüft, ob das Öl in der Tiefe abgesaugt werden kann oder ob das Wrack einbetoniert werden soll.</P><P>Spanische Politiker verglichen das Ausmaß des Tankerunglücks mit der Katastrophe des Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine. Aber bis heute wurde niemand dafür zur Rechenschaft gezogen. Allein der Kapitän der "Prestige", Apostolos Mangouras, sitzt in der Hafenstadt La Coruña in Untersuchungshaft. Niemand zahlt die Kaution von drei Millionen Euro für die Freilassung des 68-jährigen Griechen. Die Firmen in Griechenland, Liberia, Russland und der Schweiz, die mit dem Tanker und dessen Ladung zu tun hatten, gingen auf Tauchstation.</P><P>Die Justiz legt dem Griechen zur Last, sich den Anweisungen der spanischen Behörden widersetzt zu haben. Dabei dürfte es dem Kapitän in erster Linie darum gegangen sein, das Schiff zu retten. Er wusste, dass das Abschleppen des leckgeschlagenen Tankers aufs offene Meer das Todesurteil bedeutete. "Was ist, wenn Mangouras Recht hatte?", fragt die Zeitung "La Vanguardia". Spaniens Regierung musste selbst einräumen, dass sie die Katastrophe anfangs falsch eingeschätzt hatte. Aber kein Minister konnte sich zum Rücktritt entschließen.</P>

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