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Zweifel am Geständnis zu Mord an kleiner US-Schönheitskönigin

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- Washington - In den USA wachsen Zweifel an dem Geständnis von John Mark Karr zum Mord an der sechsjährigen US-Schönheitskönigin JonBenet Ramsey vor zehn Jahren. Der 41-Jährige war am Donnerstag in Thailand festgenommen worden. Obwohl der Amerikaner sich vor laufenden Fernsehkameras selbst schwer belastet hatte, berichteten US-Medien von Widersprüchen und Merkwürdigkeiten in dem Fall.

Karr, der wegen des Besitzes von Kinderpornografie in den USA gesucht wurde, war in den vergangenen Jahren in mehreren Ländern als Lehrer tätig; US-Medien zufolge hatte er 2003 auch in Stuttgart und München Kindern privaten Englisch-Unterricht erteilt.

Vor den thailändischen Ermittlern hatte Karr die Tat gestanden und berichtet, er habe das Mädchen mit Drogen gefügig gemacht, bevor er Sex mit ihr hatte. Allerdings waren bei der Autopsie des Mädchens keine Spuren von Drogen oder Alkohol gefunden worden. Karrs Vater, Wexford Karr aus Atlanta, sagte der «Denver Post», dass ihm sein Sohn 2001 - als gegen ihn wegen Kinderpornografie ermittelt wurde - vorgespielt habe, er sei ein Verdächtiger im Fall Ramsey. Das entsprach damals nicht den Tatsachen.

In den US-Zeitungen wurde über die Motive Karrs gerätselt, der «besessen war vom Ramsey-Fall und auch den Eltern geschrieben hatte», so die «USA Today». «Ich sage nicht, dass dieser Mann es nicht getan hat. Aber wenn man ihm im Fernsehen zusah, wirkte es, als ob einer versucht, sich Antworten auszudenken», sagte der Ex-FBI-Experte Clint Van Zandt der Zeitung.

Die Leitende Staatsanwältin in Boulder (US-Bundesstaat Colorado), Mary Lacy, betonte, man habe Karr aus «Gründen der öffentlichen Sicherheit» schon vor dem Abschluss der Ermittlungen und früher als ursprünglich geplant festnehmen lassen. Die Ermittlungsbehörden hoffen, dass ein noch nicht abgeschlossener DNA-Test Aufschluss über den Wahrheitsgehalt des Geständnisses geben könne. Karrs Ex-Ehefrau Laura hatte dem Tatverdächtigen sogar in einem Interview des kalifornischen Fernsehsenders KGO-TV ein Alibi gegeben.

Der Fall war ins Rollen geraten, als der Journalismusprofessor Michael Tracey (Universität Colorado) einen verdächtigen E-Mail- Wechsel mit Karr der Staatsanwaltschaft übergeben hatte. Tracey ist Verfasser mehrerer Dokumentationen über den mysteriösen Tod der kleinen JonBenet. Karr hatte den Kontakt gesucht und zwei Jahre mit dem Wissenschaftler kommuniziert. Die E-Mails seien am Ende so «beängstigend» geworden, dass sich der Professor eigenen Angaben zufolge an die Staatsanwaltschaft gewandt habe.

«Ich war bei JonBenet, als sie starb. Ich habe JonBenet geliebt. Ihr Tod war ein Unfall», hatte der jungenhaft aussehende Lehrer in Thailand gesagt. Auf die Frage, ob er unschuldig sei, antwortete er: «Nein».

JonBenet Ramsey war am zweiten Weihnachtstag 1996 erdrosselt im Keller ihres Elternhauses in Boulder gefunden worden. Die Leiche des kleinen Mädchens wies zudem schwere Schlagverletzungen unter anderem am Kopf auf. Der gewaltsame Tod von JonBenet, die zahlreiche Titel in Mini-Schönheitswettbewerben gewonnen hatte, bewegt bis heute viele Amerikaner. Die Eltern waren nie von dem Verdacht entlastet worden, das sie in die Tragödie verwickelt waren. Die Mutter des Kindes, Patsy Ramsey, war im Juni nach einer Krebserkrankung gestorben.

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