Staubkorn am Himmel

Zweifel an Urknall-Echo mehren sich

Cambridge - Nach der Entdeckung von Gravitationswellen im März geht der Streit unter Experten weiter: War das ein Echo des Urknalls oder doch nur Gravitationswellen?

Als im März die Entdeckung von Gravitationswellen als "Echo des Urknalls" zum historischen Forschungserfolg erklärt wurde, war der Jubel womöglich verfrüht. Die aufgefangenen Signale könnten statt von den ersten Erschütterungen des Big Bang auch von strahlendem kosmischem Staub herrühren, räumten die Wissenschaftler um John Kovac aus Havard nun ein. Diese Möglichkeit sei "nicht auszuschließen", schrieb das Forscherteam in der Fachzeitschrift "Physical Review Letters" vom Donnerstag.

Die Veröffentlichung ihrer vermeintlichen Entdeckung hatte am 17. März für weltweites Aufsehen gesorgt: Die Kovac-Gruppe vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics berichtete, sie habe einen "ersten direkten Beweis für die kosmische Inflation" gefunden, also für das rasante Ausbreiten des Universums direkt nach dem Urknall vor rund 14 Milliarden Jahren. Das wäre eine Bestätigung von Theoriebausteinen Albert Einsteins.

Nach der Veröffentlichung zogen konkurrierende Wissenschaftler den Durchbruch in Zweifel. Sie verwiesen auf die limitierten Messungen des Havard-Teams mit dem Bicep-Teleskop am Südpol. Nach wochenlangem Schweigen gingen die Forscher nun darauf ein und räumten ein, dass ihre Modelle Grenzen hätten und ein Irrtum nicht ausgeschlossen sei.

Auch kosmischer Staub sende leuchtende polarisierte Strahlen aus, sagte Princeton-Physiker David Spiegel der Nachrichtenagentur AFP. Dieselben Charaktereigenschaften, die Kovac gefunden habe, seien sowohl in den Strahlen des Weltraumstaubs als auch in den Gravitationswellen zu finden.

Endgültige Klarheit könnte es im Herbst geben. Dann veröffentlichen die Konkurrenzforscher, die mit dem Planck-Teleskop der Europäischen Weltraumagentur (Esa) dem Urknall nachspürten, ihre Ergebnisse. Das Team habe auf sechs verschiedenen Frequenzen nach Gravitationswellen gesucht, die Havard-Forscher hingegen nur auf einer, sagte Spiegel.

AFP

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