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Zypern: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Ein Tourist genießt die frühherbstliche Sonne am Kap Greco an der Südostspitze Zyperns
Zypern ist ein beliebtes Urlaubsziel © picture alliance / dpa | Katia Christodoulou

Auf der Insel Zypern leben Menschen aus Orient und Okzident auf engem Raum nebeneinander – was einen fortdauernden Konflikt auslöste und zur Teilung der Insel führte, die bis heute nicht überwunden ist.

Nikosia – Die heutige Hauptstadt der Insel Zypern hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Die Insel ist mit einer Fläche von 9.251 Quadratkilometern die drittgrößte im Mittelmeer nach Sizilien und Sardinien. Die strategisch günstige Lage von Zypern löste seit jeher viele Begehrlichkeiten aus – ein Grund dafür, dass Zypern den Einflüssen vieler Kulturen und Herrschern ausgesetzt war: So stand die Insel unter griechischem Einfluss, war danach zuerst Teil des Persischen und dann des Römischen Reichs, wurde von Richard Löwenherz und den Osmanen erobert und 1878 schließlich an die Briten verkauft. Dass Zypern 1925 britische Kronkolonie wurde, ist bis heute spürbar, denn mit Akrotiri und Dhekelia gibt es noch immer zwei britische Stützpunkte auf der Insel.

Zypern wird unabhängig

Die türkischen und griechischen Volksgruppen, die auf Zypern lebten, lehnten sich jedoch gegen die britische Vorherrschaft auf – vor allem die griechischen Zyprioten. Sie versuchten – teilweise mit Terrorakten gegen die britische Kolonialmacht –, die Vereinigung Zyperns mit Griechenland zu erstreiten. Um den Konflikt zu befrieden, wurde am 16. August 1960 schließlich die Unabhängigkeit des Staates Zypern beschlossen und durch das Zürcher und Londoner Abkommen von Großbritannien, Griechenland und der Türkei anerkannt. Ein Meilenstein in der Geschichte Zyperns war erreicht.

Zypern: Der Konflikt zwischen Türken und Griechen

Ruhe kehrte dadurch jedoch nicht auf der Insel ein. Vielmehr nahmen die Spannungen zwischen den türkischstämmigen Zyprioten und den griechischen Volksgruppen zu. Die Situation eskalierte so weit, dass die Vereinten Nationen 1964 eine Friedenstruppe auf Zypern stationierten, um die Gewalt zu beenden – ohne Erfolg. Stattdessen intervenierte nun auch die Türkei und besetzte – nach eigener Aussage zum Schutz türkischer Siedler – den Norden der Insel. Nachdem der Protest der Vereinten Nationen gegen die Besetzung ungehört verhallte, beschloss man 1974, sich mit dem Status quo weitgehend abzufinden und einen Waffenstillstand zu schließen.

Zypern: Die Teilung

Zwischen dem türkischen und dem griechischen Teil Zyperns wurde eine Demarkationslinie, die „Green Line“, geschaffen und von der Friedenstruppe der Vereinten Nationen geschützt. Der nördliche, von der Türkei besetzte Teil der Insel umfasst ca. 3.355 Quadratkilometer, während der griechische Teil 5.384 Quadratkilometer groß ist. 1983 wurde die Teilung Zyperns zementiert, als die Türkei die Türkische Republik Nordzypern mit der Hauptstadt Nord-Nikosia ausrief, die allerdings bis heute von keinem anderen Land offiziell anerkannt wurde.

Der Staat Zypern – eine Herausforderung für die Politik

Heute leben etwa 1,2 Millionen Menschen auf Zypern und die Teilung des Staates hat weiter Bestand. Selbst die Hauptstadt Nikosia ist geteilt: Sie ist einerseits die Hauptstadt der Republik Zypern im griechischen Teil sowie andererseits die Hauptstadt und wichtigste Metropole der Türkischen Republik Nordzypern. Die Green Line zieht sich in Form von Mauern und Barrikaden mehr oder weniger geschlossen über die Insel. Das Überqueren ist nur an sieben Grenzübergängen und mit Vorlage des Passes gestattet. Seit der deutschen Wiedervereinigung ist Nikosia die einzige noch geteilte Hauptstadt der Welt.

Zypern wird Teil der EU

Als der Süden, die Republik Zypern, sich um den Beitritt zur EU bemühte, wurde vonseiten der Politik ein erneuter Versuch unternommen, die Teilung der Insel zu überwinden. Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan entwarf den Annan-Plan, der die Gründung einer vereinten Republik Zyperns mit einer jeweils hälftigen politischen Repräsentation der beiden Bevölkerungsgruppen vorsah. Auch sollten griechische und türkische Bewohner besser über die ganze Insel verteilt werden. Der Annan-Plan scheiterte jedoch an den griechischen Zyprioten, die ihn im April 2004 mit 70-prozentiger Mehrheit ablehnten.

Trotzdem wurde Zypern im Mai 2004 als eigener, souveräner Staat mit Präsidialregierung in die EU aufgenommen. Rechtlich betrifft die EU-Mitgliedschaft zwar die gesamte Insel – faktisch aber nur den griechischen Teil, da die Türkische Republik Nordzypern weiterhin nicht von der EU anerkannt wird.

Zypern: Eine Insel – zwei Präsidenten

Der Präsident der Republik Zypern ist seit 2013 der christdemokratisch-konservative Politiker Nikos Anastasiadis. Auf Seiten Nordzyperns wurde am 18. Oktober 2020 der türkisch-zyprische Politiker Ersin Tatarin in dieses Amt gewählt.

Zypern: Bevölkerung und Sprache

Die Einwohner Zyperns werden Zyprioten oder auch Zyprer genannt. Je nach Inselhälfte ist die offizielle Sprache Griechisch oder Türkisch. Der Anteil der griechischen Bevölkerung ist mit mehr als 70 Prozent jedoch weit größer als der der türkischen Volksgruppe, der nur knapp 10 Prozent angehören. Die übrigen Bewohner der Insel sind ausländische Einwanderer. Dies spiegelt sich auch in der Religionszugehörigkeit der Zyprer wider: Der größte Teil (ca. 77 Prozent) sind orthodoxe Christen, während dem (zumeist sunnitischen) muslimischen Glauben nur 21 Prozent der Zyprioten angehören.

Mit etwa 70 Prozent lebt der größte Teil der Bevölkerung Zyperns in Städten. Neben der Hauptstadt Nikosia sind hier besonders die Hafenstädte Limassol, Paphos und Larnaka von wirtschaftlicher Bedeutung.

Die fünf bevölkerungsreichsten Städte Zyperns sind (Stand 2020):

Zypern: Wirtschaftsfaktor Tourismus

Der Badeort Agia Napa an der Südküste ist ein wichtiges touristisches Ziel. Der Tourismus ist für Zypern ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor. Die schöne Insel kann eine etwa 671 Kilometer lange Küste mit ausgedehnten Sand- und Kiesstränden vorweisen. Fast vier Millionen Urlauber besuchten 2018 den kleinen Staat, beispielsweise aus Deutschland und Großbritannien. Der Flug von München nach Larnaca dauert etwa 3 Stunden und 20 Minuten. Die Türkische Republik Nordzypern dagegen zieht vor allem türkische Besucher aus dem Festland an.

Am 1. Januar 2008 wurde in der Republik Zypern das Zypern-Pfund vom Euro abgelöst, während in der Türkischen Republik Nordzypern weiter mit der türkischen Lira bezahlt wird.

Zypern: Geografie

Zypern ist stark von Griechenland beeinflusst, obwohl es ca. 830 Kilometer vom griechischen Festland entfernt ist. Zum Vergleich: Die Entfernung zur Türkei beträgt 68 Kilometer und die zu Syrien 95 Kilometer. Rein geografisch gehört Zypern zu Asien, wird jedoch zu Europa gezählt, da der Staat politisch und kulturell hier seine Wurzeln hat.

Zypern: Fruchtbare Täler für Zitrusfrüchte

Die Insel mit mediterranem Klima, die die waldreichste im gesamten Mittelmeerraum ist, wird von zwei Gebirgsketten geprägt: dem Kyrenia-Gebirge im Norden, also zur Türkischen Republik Nordzypern gehörend, und dem Troodos-Gebirge im südwestlichen Landesinnern. Der höchste Berg im vulkanischen Troodos-Gebirge Olympos ist mit 1.951 Metern gleichzeitig die höchste Erhebung Zyperns. Längster Fluss ist mit ca. 100 Kilometern der Pedias. Zwischen den beiden Gebirgsketten eingebettet liegt die fruchtbare und damit landwirtschaftlich bedeutsame Messaria-Ebene, die nach der Teilung Zyperns größtenteils unter türkischer Herrschaft steht. Zitrusfrüchte und Kartoffeln sind wichtige Exportgüter beider zypriotischer Landesteile. Da die Flüsse Zyperns in den heißen Sommern stark austrocknen, ist künstliche Bewässerung auf vielen Feldern eine Notwendigkeit.

Zypern: Der Kampf um das Erdgas

Auch Bodenschätze gibt es auf Zypern, vor allem Kupfer, Chrom, Ton, Marmor und Asbest. In den Gewässern um die Insel, die nach dem Recht der Vereinten Nationen zur ausschließlichen Wirtschaftszone des Staates Zypern (AWZ) gehören, wurden zudem größere Erdgasvorkommen entdeckt. Dies war Anlass für neue politische Spannungen: Die Türkei erhob ebenfalls Anspruch auf das begehrte Gas und entsandte eigene Bohr- und Erkundungsschiffe – unbeeindruckt von Protesten aus Zypern und Griechenland sowie der Androhung von Sanktionen vonseiten der EU.

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