0190 wird zu 0900: Doch Fallen bei Telefongebühren bleiben

- Seit 1. Januar sind sie endgültig abgeschaltet, die massenhaft als Schmuddel- und Abzocker-Nummern in Verruf geratenen 0190-Telefonverbindungen. Ersetzt wurden sie durch 0900-Sondernummern. Wer jetzt die Hotline einer Firma anrufen, sich beim TV-Quiz bewerben, Horoskop, Wetter oder Erotikgeflüster abrufen will, kommt nur noch mit dieser Einwahl ans Ziel. Doch alle Kostenfallen sind damit nicht entfernt.

"Die Neuerung bietet sicher Vorteile, unseriöse Anbieter können sich nicht mehr hinter den Nummern verstecken", erklärt Rudolf Boll von der Bundesnetzagentur. Tricksereien, Tarifnepp und Gebührengaunerei sind schwerer geworden, da die Servicenummern von der Netzagentur inzwischen einzeln vergeben werden. Nicht mehr in Tausenderblocks, wie früher üblich. "Da wurden Nummern x-fach weitervermietet, nahezu täglich, bis der Verantwortliche nicht mehr auszumachen war", sagt Evelin Voß, Telekommunikationsexpertin der sächsischen Verbraucherzentrale.

Jetzt kann man Betrügern innerhalb kurzer Zeit auf die Schliche kommen. Auf den eigenen Geldbeutel muss man aber weiter scharf aufpassen: Billiger geworden ist durch die Umstellung kaum etwas. Ein paar Sekunden Anruf können auch jetzt leicht bis zu 30 Euro kosten. Vorsicht beim Einwählen in Servicedienste sei deshalb nach wie vor ratsam, betont Voß. Wichtig ist, dass man sich immer über die anfallenden Kosten informiert. Diese legt der Anbieter selbst fest. Er muss sich dabei aber an gesetzliche Regeln halten. Konkret heißt das: Ein Gespräch darf maximal zwei Euro pro Minute kosten (bei zeitabhängigen Diensten), die Leitung wird aus Sicherheitsgründen nach einer Stunde automatisch getrennt, um horrende Rechnungen zu vermeiden. Oder man landet in Diensten, bei denen gleich 30 Euro pro Verbindung verlangt werden, völlig unabhängig von der Länge des Telefonats.

"Deshalb ist es wichtig, dass man auf die Tarifansage vor dem eigentlichen Service-Dienst achtet", mahnt Bettina Seute vom Online-Fachratgeber Teltarif. Der Preis wird dem Anrufer noch kostenlos angesagt. Dann hat er drei Sekunden Zeit, um sich für oder gegen die Verbindung zu entscheiden. Wer nicht schnell genug auflegt, zahlt. Teuer kann es vor allem für Anrufer aus Handynetzen werden. Die Gebühren sind meist höher als für Festnetznutzer. "Da verdient der Mobilfunkprovider auch noch mit", gibt Seute zu bedenken.

Die Endziffer der neuen Nummern sagen nichts mehr über die Kosten des jeweiligen Dienstes aus, aber über den Charakter des Angebots: Die 1 hinter 0900 steht für Information wie Kundenhotlines oder Verbrauchertelefone, die 3 für Unterhaltungsangebote wie Ratespiele und die 5 für Sonstiges, worunter auch Erotikangebote fallen. 0900-9 steht für Dialer-Einwahlen ins Internet.  Dafür haben Verbraucher künftig einen anderen Vorteil: "Sie können einzelne Dienste am Computer oder im Telefon sperren lassen, ohne sich den Zugriff auf die komplette 0900-Rufnummerngasse zu verbauen", wie Boll erklärt. Damit kann man sein Horoskop weiter abrufen, Erotikdienste aber unterbinden. Und noch eine Erleichterung dürfte die Umstellung bringen: Wer anzweifelt, dass eine 0900-Verbindung korrekt abgerechnet wurde und schnell Einspruch einlegt, hat jetzt bessere Chancen auf eine rasche Klärung der Ungereimtheiten. Denn wer den strittigen Betrag zurückhält, muss nicht mehr fürchten, dass die Telekom gleich den ganzen Anschluss abklemmt, betont Seute. Um das Inkasso müsse sich jetzt der betroffene 0900-Anbieter kümmern. Zu Gesprächsbeginn werden die Gebühren von Telefondiensten angesagt. Wer nicht binnen drei Sekunden auflegt, muss zahlen.ap

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