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Die meisten Deutschen würden den roten Euro-Münzen nicht nachweinen. Das Kleingeld nimmt nur Platz im Portemonnaie weg und ist teuer in der Produktion.

Lästiges Kleingeld im Portemonnaie

Mehrheit der Deutschen gegen 1- und 2-Cent-Münzen

München - Sie kosten viel in der Produktion und nehmen Platz im Portemonnaie weg: 1- und 2-Cent-Münzen. Die Mehrheit der Deutschen ist dafür, sie abzuschaffen. Doch es gibt Gegenstimmen.

Die Mehrheit der Deutschen ist für eine Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Instituts myMarktforschung.de. Danach sind etwas mehr als die Hälfte, nämlich 52,7 Prozent der Befragten für eine Abschaffung. Insbesondere in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen ist die Zustimmung groß – 60,6 Prozent der jungen Leute könnten auf die kleinen Kupermünzen verzichten. In der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen befürworten 47,8 Prozent die Abschaffung der Kleinmünzen.

Was in Deutschland diskutiert wird, wurde in anderen EU-Ländern bereits umgesetzt. In Finnland, Italien und Frankreich sind kaum noch 1- und 2-Cent-Münzen im Umlauf – Beträge werden auf- oder abgerundet. Ob das auch ein Modell für Deutschland, dem Land der „Pfennigfuchser“, wäre? Die Meinungen gehen auseinander.

Wer sich für eine Abschaffung ausspricht, hat ein gutes Argument auf seiner Seite: die Kosten. Der Rohstoff für die Kupfermünzen ist teuer. Die Produktionskosten liegen oft weit über dem Nennwert. Einige Euro-Länder bezahlen je nach Kupferpreis bis zum Vierfachen des Nennwerts, bis eine Münze endlich im Umlauf ist. Seit der Einführung des Euro bis zum Jahr 2013 hat das laut EU-Kommission die Staaten insgesamt 1,4 Milliarden Euro gekostet. „Die Herstellung von 1- und 2-Eurocent-Münzen ist eindeutig ein erhebliches Verlustgeschäft für das Euro-Währungsgebiet“, urteilte deshalb die Kommission bereits 2013 und plädierte für eine Abschaffung. Die Bundesbank spricht sich allerdings strikt gegen eine Abschaffung aus. Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele betonte zuletzt im Januar, dass die deutsche Bevölkerung eine positive Einstellung zu Kleinmünzen habe. Genauere Nachforschungen in Deutschland hätten zudem ergeben, dass der Finanzminister auch bei diesen Münzen einen Gewinn mache. Ausgabe- und Münzprägerecht liegen in Deutschland beim Bundesministerium der Finanzen.

Auch Hilfsorganisationen und der Handel sprechen sich klar gegen eine Abschaffung der Münzen aus. Das Deutsche Kinderhilfswerk etwa fürchtet um einen großen Teil seiner Einnahmen aus Spendendosen. Der Handelsverband Bayern befürwortet eine betragsgenaue Preiswiedergabe, die 1- und 2-Cent-Münzen möglich machen. Getreu dem Motto: „Wer den Cent nicht ehrt, ist den Euro nicht wert.“ Es könne einen „Generalverdacht der Aufrundung“ geben, sagt Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Handelsverband Bayern. Der Kunde wüsste nach einer Abschaffung der kleinen Münzen nicht mehr, ob er bei gerundeten Beträgen eventuell verdeckt mehr bezahle.

Aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) hätte die Abschaffung von 1- und 2-Cent-Münzen Vor- und Nachteile. „Aus Verbrauchersicht halten sich die Argumente dafür und dagegen die Waage“, sagt vzbv-Finanzexperte Frank-Christian Pauli. Gegen eine Abschaffung spreche, dass sie eine verdeckte Preiserhöhung zur Folge haben könnte, weil Preise aufgerundet würden – etwa an der Tankstelle. Dafür spreche hingegen eine mögliche Abkehr von 0,99-Euro-Preisen, die reine Augenwischerei seien, so Pauli.

Statt einer Abschaffung schlägt der Finanzexperte deshalb vor, Möglichkeiten zu schaffen, damit Verbraucher Cent-Münzen kostenfrei bei Banken einzahlen können. „So könnte man die Einbahnstraße der Münzen vom Handel zum Verbraucher unterbinden, es müssten weniger Münzen produziert werden, die Kosten würden sinken.

Moritz Heilmann 

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