1000 neue Arbeitsplätze in der Zukunftsbranche

München - Die Luft- und Raumfahrtindustrie im Großraum München will heuer rund 1000 neue Arbeitsplätze schaffen. Das geht aus einer Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern sowie des Wirtschaftsreferats der Landeshauptstadt hervor. Zusammen mit der Satellitennavigation erzielen die gut 230 Unternehmen der Branche 4,7 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigen etwa 15 000 Mitarbeiter. Damit zählt München zu den führenden Standorten in Europa auf diesem Gebiet.

"München ist auch bei Luft- und Raumfahrttechnik sowie Satellitennavigation ein Top-Standort", erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Dörfler. "Als klassische Hightech-Branche mit hoher Forschungsintensität" liefere der Sektor auch wichtige Impulse für andere Unternehmen. "Was hier erforscht wird, diffundiert schnell in andere Bereiche." Das Münchner Unternehmen Kayser-Threde nutzt etwa eine Raumfahrttechnologie zur Verbesserung der Elektronik für Crash-Tests.

Das heute übliche Prinzip, ein Auto nicht mit mechanischer Kraftübertragung, sondern über elektrische Leitungen zu steuern, stammt aus der Luftfahrt. Die Satellitennavigation wiederum habe "steil wachsende Bedeutung und das Zeug, zu einer Schlüsseltechnologie von morgen zu werden", sagte Dörfler. Der Studie zufolge erwarten in diesem Bereich 90 Prozent der Unternehmen eine positive Geschäftsentwicklung in den nächsten drei bis fünf Jahren.

Vorzeigeprojekt ist hier das geplante europäische Satellitennavigationssystem Galileo. Nachdem die private Finanzierung des Multi-Milliarden-Projekts gescheitert ist, soll spätestens bis Oktober geklärt werden, wie die staatliche Finanzierung aussieht und welche Aufträge in die beteiligten Länder zurückfließen.

Unter anderem entsteht in Oberpfaffenhofen (Kreis Starnberg) ein Galileo-Kontrollzentrum. Weitere Verzögerungen bei diesem Projekt könne man sich nicht leisten, warnte Dörfler. "Das ist der letztmögliche Zeitpunkt, um hier nicht den Enthusiasmus einschlafen zu lassen." In Unternehmen und bei der Forschung "stehen viele in den Startlöchern". So würde die Fachhochschule München in Zusammenhang mit Galileo die Landvermessung (Geodäsie) auf die Satellitennavigation ausrichten.

Die Unternehmen seien mit den Standortbedingungen hoch zufrieden, erklärte Münchens Wirtschaftsreferent Reinhard Wieczorek. Bestnoten erhielt das Kultur- und Freizeitangebot. Angesichts der besonders hohen Qualifikation der Mitarbeiter in der Branche - 60 bis 80 Prozent sind Akademiker - spiele das Umfeld eine große Rolle. "Je höherwertig die Anforderungen sind, desto wichtiger sind die weichen Standortfaktoren", erklärte Wieczorek. Auch die Nähe zur Forschung - mit vier Hochschulen und drei entsprechenden Forschungseinrichtungen - wurde von den Unternehmen positiv bewertet.

Mitbestimmend für die Entwicklung der Branche ist der Platzhirsch am Standort, der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, der seine deutsch-französische Doppelspitze abschafft, wie vorgestern bekannt gegeben wurde (wir berichteten). Welche Folgen es für München hat, dass an der EADS-Spitze künftig mit Louis Gallois ein Franzose steht, darüber wolle er nicht spekulieren, sagte Wieczorek. "Ich hoffe, die Stärke des Standorts spricht für sich."

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