1123 Betriebe verlieren den Anschluss

- München - Der Rumpel-Reim prägt sich ein: Unter dem Motto "Schiene statt Verkehrslawine" rollen Güter durch Österreich. Diesseits der Grenze scheint die Begeisterung geringer zu sein. In Bayern haben immer weniger Betriebe einen Gleisanschluss. Das Schienennetz, die Zahl der Umladestationen und der Güterumschlag schrumpfen, während die Brummi-Zahl explodiert.

Laut Daten aus Bayerns Verkehrsministerium wurden seit 1994 genau 1123 private Anschlussgleise abgebaut - 1123 Firmen weniger, die ab Werksgelände auf die Schiene setzen können, 270 davon in Oberbayern. "Der Schwund ist dramatisch", sagt die SPD-Wirtschaftspolitikerin Hildegard Kronawitter: "Damit fällt dauerhaft Infrastruktur weg." Sie fordert mehr Werbung für den Güterschienenverkehr.<BR><BR>In Bayern sank der Güterumschlag auf der Schiene um ein knappes Prozent auf 36 Millionen Tonnen. Bundesweit war der Rückgang (9 Prozent) noch dramatischer.<BR><BR>Finanziell zuständig für den Güterverkehr ist der Bund. Mit Fördergeld von EU, Bund und Bayern wird versucht, den Trend zu stoppen. Vom einstigen Ziel, den Zuwachs im Brummiverkehr komplett auf die Schiene zu lenken, ist die Verkehrspolitik aber meilenweit entfernt.<BR><BR>Zu oft rechnen sich die Züge nicht. Die Bahn hatte - noch zu Mark-Zeiten - ausgerechnet, dass sie mit den kleinen Anschlüssen 300 Millionen Verlust einfuhr, sagt ein Sprecher. Pro Waggon soll sich das im Schnitt auf 160 Mark Minus summiert haben. Rentabel laufen allenfalls lange Strecken von einer Umladestation zur nächsten. Deshalb wurden viele kleine Gleise und Terminals abgeschraubt. "Ein Teil dieser Verkehre ist jetzt wieder auf der Straße", bedauert Bayerns Verkehrsministerium, wo man für jeden Knotenpunkt kämpfte.<BR><BR>Hoffnung machen seit wenigen Tagen immerhin Verhandlungen zwischen der Bahn und dem Erdinger Weißbräu. Die Brauer, die ihr Bier auch schon mal bis an die Chinesische Mauer transportieren, erwägen nach Informationen unserer Zeitung, ihre Logistik weitgehend auf die Schiene umzustellen. Angesichts 1,45 Millionen Hektoliter Gesamtausstoß wäre das zweifellos ein guter Zug.

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