1200 Stellen bei SinnLeffers bedroht - Insolvenzantrag am Donnerstag

Dortmund - Bei der angeschlagenen Textilkette SinnLeffers stehen rund 1200 der insgesamt 4100 Arbeitsplätze auf der Kippe.

"Wir sind zuversichtlich, dass wir 70 Prozent der Stellen retten können", sagte der Aufsichtsratschef Peter Zühlsdorff am Mittwoch in Dortmund. An diesem Donnerstag sollen mit einem Insolvenzantrag beim Hagener Amtsgericht die Weichen für eine Sanierung der früheren KarstadtQuelle-Tochter mit 47 Häusern gestellt werden. In den vergangenen Wochen hatten zuvor bereits die beiden ehemaligen KarstadtQuelle-Töchter Hertie und Wehmeyer Insolvenz angemeldet.

Der Geschäftsbetrieb in den 47 Bekleidungshäusern soll zunächst fortgeführt werden, eine Entscheidung über einen möglichen Personalabbau und über Standortschließungen im November fallen. "Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen", sagte die stellvertretende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Roswitha Hüsemann. Die Stimmung in der Belegschaft, die am Mittwochmorgen über die Lage informiert worden war, beschrieb sie als "ruhig". Noch am Vortag hatte der Aufsichtsrat über die Sanierung beraten.

SinnLeffers wird ein sogenanntes Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen. Diesen Spezialfall sieht die Insolvenzordnung ausdrücklich vor, wenn ein Unternehmen Aussichten auf Sanierung hat. Dabei kann das bisherige Management unter Aufsicht eines vom Gericht bestellten Sachwalters weiterarbeiten.

Entscheidende Voraussetzung für die Rettung des Unternehmens ist nach Darstellung des Geschäftsführers Patrick Feller eine Senkung der extrem hohen Mietkosten. Derzeit würden durchschnittlich rund 14,5 Prozent des Umsatzes für Mietzahlungen ausgegeben, in einigen Häusern liege dieser Anteil bei bis zu 25 Prozent. Aufsichtsratschef Zühlsdorff nannte als Zielmarke 8 Prozent. "Es ist offensichtlich, dass ein langfristiger Unternehmensfortbestand so nicht möglich ist", sagte Feller. Bei einer Weiterführung der Geschäfte mit der bisherigen Kostenstruktur drohe daher weiter die Zahlungsunfähigkeit. SinnLeffers war 2005 von der Deutschen Industrie-Holding (DIH) in Frankfurt sowie HMD Partners (USA) übernommen worden. Im Mai 2008 hatte die DIH ihren Anteil auf 100 Prozent aufgestockt. DIH-Chef Zühlsdorff versicherte: "Wir streben keine Zerschlagung von SinnLeffers an."

Feller sagte, die Warenhauskette sei ohne die dazugehörigen Immobilien übernommen worden, da die Warenhäuser separat verkauft worden seien. Nun müsse mit einer ganzen Reihe von neuen Eigentümern über die künftige Höhe der Mietzahlungen verhandelt werden. Nach der Einleitung des Insolvenzverfahrens bestehe nun jedoch die Möglichkeit, die Mietverträge vorzeitig zu kündigen. Derzeit sei jedoch noch keine Überschuldung der Warenhauskette eingetreten, sagte der für die Sanierung herangezogene Insolvenzexperte Detlef Specovius. In einem angespannten Umfeld des Textileinzelhandels sei der Umsatz von SinnLeffers im zurückliegenden Geschäftsjahr 2007/2008 (31.7.) um 2,4 Prozent auf 470 Millionen Euro zurückgegangen.

Dabei habe das Unternehmen rote Zahlen im "mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich" geschrieben, berichtete Feller, ohne dabei Einzelheiten zu nennen. Bereits nach dem Verkauf durch KarstadtQuelle war von einem mehrjährigen Sanierungskurs die Rede. "Wir wollen in spätestens drei Jahren schwarze Zahlen schreiben", hatte damals Zühlsdorff als Ziel angegeben.

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