1,27 Dollar: Verbalakrobatik aus Florida konnte Euro nicht stoppen

- Frankfurt - Das Treffen der sieben führenden Industrienationen der Welt (G7) hat an den Devisenmärkten nicht die erwartete Trendwende eingeleitet. Nur kurz geriet der Euro im frühen Montaghandel gegenüber dem Dollar etwas unter Druck. Dann ging der Höhenflug der europäischen Währung weiter.

<P>Nach Ende des Treffens der Finanzminister und der Notenbankchefs in Florida hielt sich die europäische Gemeinschaftswährung stabil über der Marke von 1,27 Dollar. Damit steht der Euro nicht mehr weit entfernt von seinem Rekordhoch: 1,2897 Dollar.<BR><BR>Die Hoffnung einiger Experten auf eine Trendwende an den Devisenmärkten nach dem G7-Treffen am vergangenen Wochenende ist vorerst in weite Ferne gerückt. Experten der Deka-Bank halten auch nach dem Treffen Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) an den Devisenmärkten für eher unwahrscheinlich. Sie rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einem weiteren Anstieg des Euro bis auf 1,35 Dollar. Damit ist für einige Volkswirte die Schmerzgrenze für die exportorientierte deutsche Wirtschaft aber bereits deutlich überschritten. Sie sehen die kritische Marke eher bei 1,30 Dollar.<BR><BR>In der Erklärung der G7 werden starke Kursschwankungen an den Devisenmärkten ausdrücklich als "unerwünscht" bezeichnet. Mit dieser Formulierung wird nach Einschätzung der WGZ-Bank der europäischen, aber auch der US-Position gleichermaßen Rechnung getragen. Die Exportindustrie in den USA profitiert vom schwachen Dollar, allerdings wirken sich hohe Importpreise vor allem für Ölprodukte für die Verbraucher bereits spürbar aus.<BR><BR>Überhaupt unterscheide sich das G7-Kommuniqué vom Wochenende in Boca Raton im US-Sonnenstaat nur in zwei Punkten von der Abschlusserklärung des vorherigen G7-Treffens in Dubai im vergangenen September, sagte Carsten Fritsch von der Commerzbank.<BR><BR>Und schon sprechen die ersten Experten von großen Versäumnissen beim G7-Treffen. Die "Verbalakrobatik" der Finanzminister sei einfach nicht ausreichend, sagte Devisenexperte Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. Es brauche schon mehr, um eine Stabilisierung der US-Währung einzuleiten. Nur ein Politikwechsel in Washington mit einer ausgewogenen Geld- und Steuerpolitik könne die Talfahrt des Dollar stoppen. </P><P>Allerdings habe die US-Regierung nach wie vor ein starkes Interesse an einem schwachen Dollar. Denn US-Präsident George W. Bush braucht im Wahljahr unbedingt neue Arbeitsplätze. Die Dollarschwäche stimuliert aber gerade die US-Exporte und kommt damit den US-Unternehmen zugute - und den Chancen von Bush, wieder gewählt zu werden.<BR><BR>Ein konsequenter Politikwechsel der US-Regierung ist nach Einschätzung von Hellmeyer nicht erkennbar oder auch nur absehbar. Daher sei die Reaktion der Devisenmärkte konsequent, die "weiter auf eine Abschwächung des Dollar abzielten".<BR><BR>Die G7 haben der Landesbank Hessen-Thüringen zufolge "durch die Blume" insbesondere die asiatischen Länder dazu aufgefordert, mehr Flexibilität gegenüber dem Dollar zuzulassen. Bisher hat hauptsächlich der Euro die Last der Abwertung des Dollar getragen. Trotzdem hat der japanische Finanzminister nach Aussage der Commerzbank bereits klar gestellt, dass sich sein Land von den G7-Aussagen nicht angesprochen fühlt und die einseitigen Interventionen an den Devisenmärkten zur Schwächung des Yen weiter fortsetzen werde.<BR></P>

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