135% Steuern: So rutschte die Münchener Rück ins Minus

- München - Es ist wie auf der Achterbahn: 2003 hat die Münchener Rück den ersten Verlust seit 1949 erlitten. 2004 peilt die Gruppe einen Rekordgewinn an. Zwei Milliarden Euro sollen unterm Strich bleiben. Ein ehrgeiziges Ziel, wie Vorstandschef Nikolaus von Bomhard einräumt. Doch das Auf und Ab hat weniger mit unternehmerischem Geschick zu tun als mit dem Bilanzrecht.

<P>Nicht Naturkatastrophen und Terror haben den Verlust 2003 ausgelöst. Im Gegenteil. Von einem Bombenergebnis im Rückversicherungsgeschäft spricht Bomhard: 2,723 Milliarden Euro (Vorjahr 1,778 Mrd. Euro) hat der wichtigste Zweig der Gruppe vor Abschreibungen und Steuern erbracht.<BR><BR>Selbst die kränkelnde Erstversicherungs-Tochter Ergo hat mit 247 Millionen (Vorjahr -654 Millionen) Euro ein Plus erwirtschaftet. Dennoch musste Bomhard am Ende 434 Millionen Euro Verlust ausweisen. Vorgänger Hans-Jürgen Schinzler konnte für 2002 noch 1,081 Milliarden Euro Jahresüberschuss verkünden. Warum?<BR><BR>Die Umstellung der Rechnungslegung auf neuere Vorschriften kann nicht schuld sein. Sie hat Schlimmeres verhütet. Sonst hätte der Verlust 2003 sogar 887 Millionen Euro betragen. Finanzvorstand Jörg Schneider räumte ein, dass entsprechende Überlegungen bei der Umstellung eine Rolle gespielt haben. Umgekehrt wirft die Umstellung einen dunklen Schatten auf das letzte Ergebnis Schinzlers, das zurückgerechnet auf 288 Millionen Euro zusammenschrumpfte.<BR><BR>Der wirkliche Grund für die Achterbahnfahrt ist die Steuerlast: Vor Steuern hatte die Gesellschaft 2003 nämlich 1,325 Milliarden Euro (gewissermaßen als Bruttolohn) erwirtschaftet. Doch davon musste sie rund 135 Prozent Steuern ausweisen: 1,793 Milliarden Euro. Doch davon bekommt der Fiskus nur einen Teil. Weil die Steuergesetze von den Bilanzrichtlinien abweichen, werden so genannte "latente Steuern" nur ausgewiesen und zurückgelegt, aber nicht abgeführt.<BR><BR>Schwerer wiegt noch ein andere Grund: Abschreibungen auf Aktien und aus Aktienverkäufen drückten 2003 zwar das Ergebnis. Sie konnten aber nicht oder nur zum Teil steuermindernd geltend gemacht werden. Dagegen waren die hohen Erträge aus dem operativen Geschäft voll steuerpflichtig. So wuchsen die Steuern in der Bilanz über den Gewinn hinaus.<BR><BR>Noch im Vorjahr hatte die Münchener Rück genau vom umgekehrten Effekt profitieren können. Ein Großteil der Einnahmen kam aus der Auflösung alter Beteiligungen, die zwar in der Bilanz glänzten, aber nicht steuerpflichtig waren. Dagegen minderten viele betriebliche Aufwendungen die Steuerlast. Deshalb stehen in der Bilanz für 2002 die Steuern mit einem dicken Minus von 474 Millionen Euro - als müsste Hans Eichel zahlen.<BR><BR>"Wir haben einen Schlussstrich gezogen", sagt Bomhard, der sich ähnlich negative Effekte für 2004 nicht erwartet. Umgekehrt soll sich das operative Ergebnis verbessern - vor allem, weil man die Tochter Ergo an die kurze Leine nehmen will. So werden die Vorstandsfunktionen Victoria und Hamburg Mannheimer zusammengefasst. Nun erwartet Bomhard auch hier Erfolge, die zum ehrgeizigen Gewinnziel von zwei Milliarden Euro beitragen können.<BR>Davon sollen die Aktionäre profitieren. Die Dividendenpolitik (für 2003 gibt es 1,25 Euro pro Aktie) soll flexibler an die Ertragslage angepasst werden, versprach Bomhard.</P>

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