2008 bringt die Zins-Wende

München - Die Verzinsung von Lebensversicherungen steigt seit Jahren erstmals wieder an. Grund sind ein allgemein gestiegenes Zinsniveau, aber auch eine 2008 in Kraft tretende Gesetzesänderung. Verbraucherschützer warnen dennoch vor Neuabschlüssen.

Seit 2001 haben Börsenverfall und niedriges Zinsniveau die Gesamtverzinsung der Lebensversicherungen kontinuierlich gedrückt. 2008 winkt branchenweit die Trendwende. "Wir erwarten wieder einen kleinen Schub", sagt Branchenexperte Manfred Poweleit vom Branchendienst Map-Report. Im Schnitt lag die laufende Verzinsung für eine Lebensversicherung unter den rund 120 deutschen Anbietern laut Map zuletzt nur noch bei 4,25 Prozent. Eingerechnet in diese Größe sind der gesetzlich garantierte Mindestzins und eine von Versicherern zusätzlich erwirtschaftete, aber nicht garantierte Überschussbeteiligung, nicht jedoch die bei Fälligkeit des Vertrags einmalige Schlusszahlung. "Ein viertel Prozentpunkt wird wohl draufkommen", schätzt Poweleit und damit im Branchenschnitt 4,5 Prozent Verzinsung.

Einen Trend nach oben bestätigt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. "Es gibt gute Anzeichen dafür", sagt ein Sprecher. Erste Konzerne haben die gute Nachricht bereits verkündet. So erhöht die Stuttgarter Versicherungsgruppe ihre laufende Verzinsung von 4,6 auf 4,8 Prozent, LVM-Versicherungen steigern von 4,25 auf 4,75 Prozent, Hamburg-Mannheimer von 4,2 auf 4,4 Prozent.

"Der Umbruch ist an der Zeit", kommentiert Bianca Höwe vom Bund der Versicherten (BdV). Den Kapitalmärkten und den dort anlegenden Assekuranzkonzernen gehe es schon seit einiger Zeit besser. Im Bereich festverzinslicher Papiere sei das Zinsniveau zuletzt gestiegen, mit Aktien seien wieder gute Geschäfte möglich. Gewinne daraus bekämen nun auch Lebensversicherte zu spüren.

Darüber hinaus ist weiterer Zuwachs der Verzinsung in Sicht. Denn Anfang 2008 tritt eine Änderung des Versicherungsvertragsrechts in Kraft, die auch mehr Ertrag aus Lebensversicherungen zum Ziel hat. Dafür sollen stille Reserven der Versicherer sorgen. Die Hälfte dieses Finanzpolsters muss nun jedes Jahr in die Wertberechnung von Lebensversicherungen einfließen. Stille Reserven entstehen, wenn von Versicherern zur Anlage gekaufte Wertpapiere oder Immobilien im Wert steigen. Dadurch "werden sich die Auszahlungen über das heutige Niveau hinaus erhöhen", sagt der Finanzvorstand der Stuttgarter Versicherung, Wolfgang Fischer. Die Hamburg-Mannheimer rechnet vor: Inklusive einmaligem Schlussüberschuss und dem Effekt durch die Bewertungsreserven könnten Lebensversicherte unter dem Strich eine Gesamtverzinsung von 4,9 Prozent erwarten.

Die Ausschüttung der stillen Reserven allein könne für deren Kunden ein Plus von drei Zehntel Prozentpunkten ausmachen, schätzt Thomas Rudnik vom BdV. Er warnt aber davor, die Verzinsung von Lebensversicherungen auf schnellem Weg zu alten Höchstständen zu sehen. Denn die jüngste Bankenkrise hat den Anstieg des Zinsniveaus erst einmal wieder gestoppt. Aktien hätten viele Lebensversicherer wegen schlechter Erfahrungen kaum noch im Bestand, was Gewinnchancen limitiert.

Vor allem aber halten Verbraucherschützer Lebensversicherungen grundsätzlich für riskant. Denn Versicherungsnehmer halten die Jahrzehnte laufenden Verträge oft nicht durch. Wegen Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Scheidung werden drei von vier Policen mit 30 Jahren Laufzeit vorzeitig gekündigt, wissen die Versicherungsmathematiker der Deutschen Aktuarvereinigung. Bei frühzeitiger Kündigung aber sind große Verluste die Regel.

"Wir haben in gut 400 solcher Fälle die Differenz zwischen Einzahlung sowie Rückkaufswert berechnet und sind im Schnitt zu einem Verlust von über 3300 Euro pro Vertrag gekommen", sagt Edda Costello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Hochgerechnet auf hierzulande per anno eine Million gekündigte Policen würden Verbraucher damit jedes Jahr weit über drei Milliarden Euro in den Sand setzen. Die Verbraucherschützer raten deshalb zu flexibleren Alternativen wie fondsgebundenen Sparplänen, Riester-Renten, betrieblicher Altersvorsorge oder festverzinslichen Wertpapieren.

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