Ab 2009 greift der Fiskus zu

Berlin - Die Abgeltungssteuer trifft ab 2009 auch Bürger, die ihre Lebensversicherung vorzeitig verkaufen müssen. Pro Jahr werden laut dem Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) Policen im Wert von rund 12 Milliarden Euro vor Ablauf beendet. Ist der Vertrag jünger als zwölf Jahre und der Kunde bei der Auszahlung unter 60 Jahre alt, greift der Fiskus ab nächstem Jahr zu.

Die Differenz aus Verkaufspreis und eingezahlten Beiträgen muss dann mit 25 Prozent versteuert werden. Zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer kann sich das auf 28 Prozent summieren. Bisher war nur die Kündigung der Police in den ersten zwölf Jahren steuerpflichtig, nicht ein Weiterverkauf am sogenannten Zweitmarkt.

Wer jetzt schon absieht, dass er seine Lebensversicherung aus Geldnot vorzeitig abstoßen muss, sollte sich noch in diesem Jahr auf die Suche nach einem meistbietenden Aufkäufer machen, empfiehlt Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Sonst schrumpft der mögliche Erlös. Durchhalten bis 2009 bringt wegen der Abgeltungssteuer in diesem Fall finanzielle Nachteile.

Nur Perlen verkäuflich

Vom überstürzten Veräußern allein aus steuerlichen Gründen raten Gottschalk wie Lilo Blunck vom Bund der Versicherten jedoch dringend ab. Muss ein Versicherter seine Lebensversicherung auf jeden Fall zu Geld machen, sollte er damit aber nicht unbedingt bis Dezember warten. Für den Weiterverkauf müssen mindestens zwei bis drei Monate Zeit einkalkuliert werden. Der Andrang verkaufswilliger Versicherter dürfte zum Jahresende hin zunehmen ­- ein Preisdruck wird erwartet.

Grundsätzlich haben Sparer, die aufgeben müssen, zwei Optionen: Beim Versicherer kündigen oder ihre Police einem Zweitverwerter wie der Firma Cashlife anbieten. Meist ist es lohnender, zu verkaufen statt zu stornieren. Man bekommt bestenfalls etwa fünf Prozent mehr Geld geboten. Einen Aufkäufer zu finden, ist allerdings nicht so einfach.

Nur Perlen sind gefragt, beste Policen mit relativ kurzer Restlaufzeit, die vor 2005 abgeschlossen wurden und damit steuerfrei zur Auszahlung kommen, betont Gottschalk. Echte Chancen hat nur, wer bei einer renommierten Gesellschaft versichert ist, höchstens noch ein paar Jahre Einzahlung vor sich und einen Rückkaufwert etwa ab 10 000 Euro zu bieten hat. Will man seinen Vertrag kurz nach Abschluss schon wieder zu Geld machen, hat man gar keine Aussichten auf Erfolg.

Michael Wortberg, Versicherungsfachmann der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, rät dazu, möglichst viele Angebote von Policehändlern einzuholen und zu vergleichen. Wird eine Auszahlung der Summe in Raten angeboten, heißt es aufpassen. Geht der Käufer pleite, sind die Restbeträge verloren. Außerdem: Je mehr Zwischenhändler am Verkauf beteiligt sind, desto ungünstiger für den Verkäufer, sagt Blunck.

Beitragsfrei stellen

Bevor storniert oder verkauft wird, sollten Kunden unbedingt sämtliche Alternativen prüfen, rät die BdV-Sprecherin. Zum Beispiel das Beitragsfrei-Stellen. Jeder Kunde hat einen Anspruch auf Einfrieren seiner Police auf dem erreichten Niveau. Die finanzielle Entlastung gibt's aber nicht umsonst. Die Versicherungssumme wird dann meist zurückgefahren. Zusatzversicherungen für Berufsunfähigkeit oder bei Unfalltod fallen häufig komplett weg. Die Risiken müssten für viel Geld extra neu abgesichert werden. Wer nur vorübergehend finanziell Luft braucht, kann um eine Stundung der Prämien auf Zeit bitten. Nichtgezahlte Beiträge müssen aber in der Regel nachgeholt werden.

Eine Überbrückungschance bietet auch das Policendarlehen. Damit beleiht man seinen eigenen Vertrag bis zur Höhe des aktuellen Rückkaufwerts. Das macht aber nur Sinn, wenn man ganz sicher bald Geld erwartet, meinen Verbraucherschützer.

Selbst nachrechnen

Ab wann es sinnvoll ist, einen Vertrag beitragsfrei zu stellen, lässt sich im Internet auf den Seiten von des Magazins "Finanztest" berechnen:

www.finanztest.de/kapitalleben

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