2010 soll in Europa keine Glühbirne mehr leuchten

- München -­ Was Australien kann, müsste die EU auch hinkriegen: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und das Münchner Gemeinschaftsunternehmen Lightcycle, an dem auch Osram und Philips beteiligt sind, wollen Europa ab 2010 umweltschonender beleuchten: Für die herkömmliche Glühbirne, die nur ein Fünftel der Energie in Helligkeit umwandelt, wäre dies das definitive Aus.

Gerade hatte der Elektrokonzern Philips die Erwartungen noch gebremst: Ein Glühbirnen-Verbot sei nur durch zusätzliche Fertigungskapazitäten machbar. "Dafür bräuchte die Industrie mehrere Jahre", hieß es. Und auch bei der Entsorgung von Gasentladungslampen (Energiesparlampen, Leuchtstoff- bzw. Neonröhren und Entladungslampen) gibt es Probleme: Schätzungen zufolge sind im vergangenen Jahr über 300 Kilogramm Quecksilber unkontrolliert in die Umwelt geflossen.

Ihr ehrgeiziges Ziel, die Glühbirne bis 2010 aus Europa zu verbannen, wollen die DUH und Lightcycle dennoch durchsetzen: "Nirgendwo sonst kann ein Privathaushalt so einfach Umweltschutz betreiben, als mit dem Verzicht auf diesen Energiefresser", erklärte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch gestern. Ausgangspunkt des Konzepts ist die bereits geltende Kennzeichnungspflicht für alle Leuchtmittel. Diese reicht von der Effizienzklasse "A" (Energiesparlampe) bis "F" (Glühbirne). Ab 2010 sollen in Europa nur noch die Effizienzklassen "A", "B" und "C" erlaubt sein. Alle Lampen, die "schlechter" sind, fallen unter ein EU-weites Verbot.

Neu sind diese Standards nicht: Kühlschränke, Vorschaltgeräte und Warmwasserkessel, die ineffizienter sind als "C", dürfen in der EU schon heute nicht mehr verkauft werden. Die Leuchtmittel wurden bislang offenbar vergessen, nun hoffen die Verfechter der Energiesparlampe auf die Gunst der Stunde: Deutschland hat die EU-Ratspräsidentschaft inne, der Umweltminister will ebenfalls auf die Glühbirne verzichten, und es gibt bereits erste positive Signale aus Brüssel. Laut EU-Umweltkommissar Stavros Dimas wird "derzeit geprüft, ob ein EU-Standard für umweltfreundliche Lampen machbar ist". In Deutschland sind 2006 bereits 150 Millionen Gasentladungslampen über die Ladentheken gegangen. Etwa in jedem vierten Haushalt werden Energiesparlampen eingesetzt. Daneben sind schätzungsweise 350 Millionen herkömmliche Glühlampen im Handel. Die Kunden lockt der Schnäppchenpreis ­ und die einfache Entsorgung.

Glühbirnen landen gemeinsam mit Hausabfällen in der Restmülltonne. Gasentladungslampen enthalten hingegen jeweils vier bis acht Milligramm Quecksilber, fallen deshalb in die Kategorie "gefährliche Sonderabfälle" und müssen im Wertstoffhof entsorgt oder zum Hersteller zurückgebracht werden. Doch die Entsorgungsbilanz ist katastrophal: Zwei Drittel aller Gasentladungslampen, die in Privathaushalten oder Kleinstbetrieben genutzt werden, landen nicht an der richtigen Stelle ­ über 300 Kilogramm Quecksilber gelangten 2006 unkontrolliert in die Umwelt.

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