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Protest-Transparent am Bochumer Opel-Werk

Ab 2015 keine Produktion mehr

Opel schließt Werk in Bochum

Bochum/Rüsselsheim - Opel in Bochum. Das war noch Ende der 70er ein stolzes Werk mit über 20.000 Mitarbeitern. Jetzt steht das Ende der Autoproduktion fest. Ein schwerer Schlag für die Stadt.

Opel hat das Schicksal seines Bochumer Werkes mit rund 3200 Beschäftigten besiegelt - nach jahrelangen Verhandlungen mit immer neuen Schließungs- oder Zukunftsszenarien. Ab 2015 werden dort endgültig keine Autos mehr gebaut. Das beschloss am Mittwoch der Aufsichtsrat. Die meisten Jobs im Werk fallen weg. Ein schwerer Rückschlag für das ohnehin krisengebeutelte Ruhrgebiet: „Arbeitslos mit 51 - das wird schwer. Da bin ich zwischen Gut und Böse“, sagt ein Bochumer Opelaner, der seit Jahrzehnten dabei ist.

Schwerer Schlag für das Ruhrgebiet

Vertreter der Region reagierten mit scharfer Kritik: „Völlig unverständlich, dass Opel sich nach der Ablehnung des Tarifvertrages in den Schmollwinkel zurückgezogen hat“, sagte der Bochumer IHK-Sprecher Jörg Linden. „Das war doch: "Friss oder Stirb"“. Die Konzernmutter General Motors (GM) habe Opel seit Jahren geschwächt, und stattdessen den Absatz der konkurrierenden Chevrolet-Modelle aus dem eigenen Haus gefördert.

Monatelang hatten Arbeitnehmervertreter und die Opel-Firmenleitung zuvor über einen Sanierungsplan für den Autobauer verhandelt, dessen Werke nur zur Hälfte ausgelastet sind und der dringend sparen muss. Dann stand ein Plan, den auch die IG Metall mittrug und der bundesweit gegen Lohnzugeständnisse eine Verlängerung der Standortsicherung bis Ende 2016 vorsah.

Alle Standorte stimmten zu - nur die Bochumer Belegschaft lehnte den Kompromiss im März mit großer Mehrheit ab. Die Bochumer vertrauten den Zusagen nicht: Der Plan bringe nur allgemeine Absichtserklärungen und keine wirkliche Arbeitsplatzsicherheit, argumentierte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Nach dem Nein aus Bochum erklärte die Opel-Spitze die Gespräche für beendet.

Produktion wird verlagert

Die Produktion des Familienvans Zafira wird nun verlagert. Wohin, ist offenbar noch nicht klar. In der Erklärung der Firmenspitze heißt es, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Betriebsrat Einenkel appelliert jedenfalls, dass die Belegschaft des begünstigten Werkes sich weigern soll, den von Bochum übernommenen Wagen zu bauen. „Es wäre absurd, wenn diese Solidarität nicht da wäre.“ Denn sonst wäre auf Dauer gar kein Werk mehr sicher.

Das traditionsreiche Werk auf ehemaligem Zechengelände, das viele Baureihen des Opel-Klassikers Kadett und insgesamt über 13 Millionen Autos gebaut hat, steht damit vor einer düsteren Zukunft. Nach heutigem Stand werden ab 2015 nur noch rund 420 Menschen in einem Opel-Warenverteilzentrum beschäftigt sein.

Was wird aus den Mitarbeitern?

„Wenn hier über 3000 Menschen im Werk und noch einmal deutlich mehr an Zulieferern und Dienstleistern drumherum ihren Job verlieren, wird das über Jahre kaum zu kompensieren sein“, sagt der IHK-Sprecher. Neue Stellen seien rar: „Sie machen aus einem Autobauer so schnell keinen Krankenpfleger.“

Bochum erlebt damit innerhalb weniger Jahre den zweiten Rückzug eines großen Arbeitgebers. 2008 hatte Nokia aus Kostengründen die Handy-Produktion mit rund 3000 Jobs ins Ausland verlagert. Von der klammen Stadt können die Arbeiter wenig Hilfe erwarten. Bochum hat allein 2012 gut 125 Millionen Euro Haushaltsdefizit erwirtschaftet.

Vergeblich hatte Einenkel der Opel-Spitze die „teuerste Werksschließung aller Zeiten“ angedroht, wenn sie in Bochum aussteigen sollten. Tatsächlich könnte das vorzeitige Aus im Ruhrgebiet Ende 2014 und nicht erst 2016 sogar günstiger für Opel werden als der mit den Arbeitnehmern ausgehandelte Sanierungsplan, spekuliert ein Insider. Schließlich fallen Gehaltszahlungen für tausende Mitarbeiter deutlich früher weg.

Auch wenn das niemand laut sagen würde: Opel dürfte das Votum der Bochumer gegen den Sanierungsplan sogar sehr gelegen kommen. Denn das Unternehmen steckt in einer tiefen Krise. Nach Einschätzung der Tarifkommission der IG Metall bei Opel ist die wirtschaftliche Situation des Unternehmens so schlecht wie nie.

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Das Unternehmen verbrennt seit Jahren Milliarden, das Management musste handeln - genauso wie Konkurrent Ford, der nach hohen Verlusten in Europa gleich drei Werke schließt und 6200 Jobs abbaut. Nun können die Opel/GM-Manager einen Teil der Schuld den Bochumern selbst anlasten, die schließlich das Sanierungsplanangebot abgelehnt haben.

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Ihre Konsequenzen gezogen haben allerdings auch die Opel-Kunden in der Region. Lange Jahre zählte Opel im Ruhrgebiet zu den beliebtesten Autos mit einem weit überdurchschnittlichen Marktanteil. Angesichts ständiger Debatten um das Werk und die Marke sackte der Marktanteil an der Ruhr seit 2007 laut einer Studie dagegen um mehr als 40 Prozent ab. Kunden hätten zumindest im Ruhrgebiet offenbar nicht nur in Sachen Qualität, sondern auch beim Umgang einer Firma mit ihren Mitarbeitern ein Elefantengedächtnis, schlussfolgert der Duisburger Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer in der Studie.

dpa

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