2,625 Millionen für Ex-Infineon-Chef

- München - Infineon kämpft derzeit an alle juristischen Fronten und hält die Justiz auf Trab. Ex-Vorstand Andreas von Zitzewitz hat die Annahme von Schmiergeld eingeräumt. Interne Untersuchungen brachten viel schmutzige Wäsche zu Tage, als Folge will Infineon dem Ex-Konzernchef Ulrich Schumacher die millionenschwere Schlussrate seiner Abfindung nicht zahlen.

Nun erreichte der Ex-Manager einen Etappensieg: Das Landgericht München forderte Infineon auf, das Geld, 2,625 Millionen Euro zu überweisen. "Das Urteil spricht eine eindeutige Sprache", sagte ein Sprecher Schumachers. Es sei zu bedauern, dass es überhaupt zu der Auseinandersetzung kommen musste. Infineon gibt nicht auf und will die Zahlung weiter auf Eis legen, bis alle Vorwürfe geklärt sind. Die Staatsanwaltschaft führt bei ihren Korruptionsermittlungen auch Schumacher als Beschuldigten.

Bisher sind im Verfahren gegen den Sponsoring- Vermittler Udo Schneider, der Schmiergeld an Zitzewitz bezahlt haben soll, keine harten Hinweise auf eine Verwicklung Schumachers bekannt geworden. Zitzewitz sagte aus, Schneider habe ihm versichert: "Du kannst dir ja denken, dass der Uli nicht zu kurz kommt." Zudem habe er den Ex-Chef einmal mit einem Umschlag voller Geldscheine gesehen. Schumacher selbst beteuert, nie einen Cent genommen zu haben. Auch Schumacher- Mitarbeiter, die ihm skeptisch gegenüberstehen, können sich schwer vorstellen, dass er die Hand aufgehalten hat. Allerdings habe der Manager einen heißen Reifen gefahren und sich in einer Grauzone bewegt.

Im Zentrum vieler Spekulationen stehen schnelle Autos. Schneider organisierte für Infineon Motorsport- Sponsoring. Infineon-Finanzvorstand Peter Fischl sagte vor dem Münchner Landgericht: "Die Zuständigkeit für das Sponsoring lag eindeutig bei Herrn Schumacher." Ansonsten aber ergab der Prozess vor allem skurrile Details. So wertete es Zitzewitz als Beleg für die Anwesenheit Schuma chers bei einem Treffen mit Schneider, dass auf der Restaurant- Rechnung zweimal Vitello Tonnato auftauchte. "Das ist das typische Verhalten von Schumacher, von leckeren Dingen eine doppelte Portion zu bestellen." Infineon beruft sich bei der Weigerung, die zweite Hälfte von Schumachers Abfindung zu bezahlen, nicht nur auf Ermittlungen. Eine interne Untersuchung habe Unregelmäßigkeiten ergeben.

So soll Schuhmacher zwischen 2002 und 2004 mehrmals Geschäftstermine mit Kurzurlauben verbunden haben. Laut Infineon flog Schumacher mit dem Firmen-Learjet nach einem Treffen mit dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder in Hannover zu einem Autorennen nach Mallorca. Doch konnte nicht nachgewiesen werden, dass der e Autofan Schumacher einen zweiten Firmenwagen geleast hat, um diesen privat mit seiner Frau zu nutzen. Auch den Vorwurf, die Nichte eines Geschäftspartners für eine Führungsposition bevorzugt zu haben, stellte laut Richter Helmut Krenek keine Pflichtverletzung dar.

Die Entscheidung sei nicht von Schumacher allein , sondern vom Gesamtvorstand getroffen worden. Sein Geld hat Schumacher noch nicht sicher: Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Ein Nachverfahren mit Zeugen und Sachverständigen kann die Wende bringen.

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