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Das Automodell für Tests im Windkanal stammt aus dem 3D-Drucker des Instituts für Mathematik an der Technischen Universität Berlin.

Wie 3D-Drucker den Welthandel verändern

München - 3D-Drucker waren für den Hausgebrauch lange zu teuer. Seit es auch Einsteiger-Modelle gibt, gestalten und drucken Hobby-Designer um die Wette Kaffeetassen, Kinderspiele und Toilettenpapier-Halter.

Forscher sehen einen Wandel der Weltmärkte voraus.

Eines Tages fehlte an einem Geschirrspüler in Bochum ein Ersatzteil: Eins dieser kleinen Rädchen, auf denen die Geschirrkörbe vor- und zurückgleiten. Statt das Plastikteil nachzukaufen, produzierten die Mitglieder der Bochumer Hackergemeinde „Labor“ es einfach selbst – mit einem Drucker. „MakerBot“ (auf Deutsch Herstell-Roboter) heißt der 3D-Drucker, der das am Computer entworfene Teil in Kunststoff ausspuckte. Statt einer Bestellung beim Fachhändler oder der Suche im Internet hatte der „MakerBot“ das fertige Rädchen nach nur 40 Minuten gedruckt.

Was nach Zukunftsmusik klingt, ist in der Industrie längst Wirklichkeit. Schon seit den 80er-Jahren können Drucker Gegenstände zum Anfassen produzieren. Heute drucken vor allem Hersteller von Flugzeugen und Autos passgenaue Bauteile. Designer und Architekten gehen zum 3D-Druck, wenn sie fertige Entwürfe plastisch vor sich haben wollen. Ingenieure lassen Bauteile drucken, deren Aerodynamik sie im Windkanal testen möchten. Doch dass Verbraucher per Mausklick zu Hause ein neues Abflussrohr für das Waschbecken oder bunte Bauklötze für die Kinder drucken, war bisher kaum denkbar. Die Maschinen waren dafür einfach zu teuer.

Heute kostet das Einsteigermodell „Ultimaker“ aus den Niederlanden knapp 1200 Euro und braucht etwa so viel Platz wie ein Laserdrucker. In den USA sind einfache Geräte schon für einige hundert Dollar zu haben. Etliche Hobby-Designer zeigen inzwischen auf Portalen wie „Thingiverse“ und „Shapeways“, was sich per 3D-Druck alles herstellen lässt: futuristische Flaschenöffner, Rückenkratzer, Schlüsselanhänger mit eigener 3D-Gravur oder Neil Armstrongs Fußabdruck vom Mond. Allein „Thingiverse“ umfasst mehr als 28 000 frei verfügbare Modelle.

Je genauer die Technik, desto teurer

Allgemein gilt: Je genauer die Drucktechnik, desto höher die Kosten. Ein Profi-Gerät kann deshalb auch eine halbe Million Euro kosten. Im günstigsten Verfahren schmilzt eine Heizdüse einen dünnen Kunststofffaden zusammen wie eine Art Heißklebepistole. Darunter bewegt sich eine Platte waagerecht und senkrecht, so dass die heiße Masse sich schichtweise zu einem Objekt auftürmt. „Die Teile sind nicht präzise und es gibt Abrisskanten“, sagt Ben Jastram, Leiter des 3D-Labors der Technischen Universität Berlin, über die Arbeit vieler Low-Cost-Drucker.

Trotz der wachsenden Zahl zuhause gedruckter Gegenstände zweifelt Jastram am 3D-Boom in Privathaushalten. „Die Verfahren setzen ein umfangreiches Vorwissen voraus“, sagt er. Viele Drucker werden als Selbstbausatz geliefert, und auch die Wartung erfordert gute Kenntnisse. „Das ist eine kleine Wissenschaft für sich.“

Über das Geschäft mit dem „Ultimaker“ kann Martijn Elserman, Mitgründer des gleichnamigen Startups, dennoch nicht klagen – 3,2 Millionen Euro Umsatz hat er seit Mai 2011 erzielt. Weil die Geräte immer billiger werden, rechnet Elserman für die kommenden Jahre mit einem Boom – auch bei ungenauen Oberflächen fertiger Objekte. „Natürlich werden besonders dünne Modelle zerbrechen“, sagt Elserman über die Kritik an seinem Low-Cost-Gerät. „Das ist ja, als würden Sie einen Tintenstrahldrucker mit einem Laserdrucker vergleichen.“

Sollte der „Additive Manufacturing“ genannte 3D-Druck zum Massenphänomen werden, könne eine Ent-Globalisierung ins Rollen kommen, vermutet der Atlantic Council, eine Denkfabrik mit Sitz in Washington. „Kann 3D-Druck die Welt verändern?“, fragen die Forscher in einem Strategiepapier. Güter könnten auf Nachfrage und direkt beim Verbraucher hergestellt werden und so die Abhängigkeit globaler Märkte lockern oder gar auflösen. Nicht Produkte, sondern unzählige digitale Designs würden dann um den Erdball reisen und überall dort zu Gegenständen werden, wo ein passender Drucker angeschlossen ist.

„Additive Manufacturing könnte so weitreichende Folgen für die Welt der Hersteller haben wie PC und Internet für die Welt der Informationen“, heißt es aus Washington. Bis die Technik den Massenmarkt erobert, können allerdings noch zehn Jahre vergehen, schätzen Analysten der Marktforschungsfirma Gartner.

Johannes Schmitt-Tegge

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