Für 4000 Walter-Bau-Arbeiter wird der 1. April ein bitterer Tag

- Augsburg - Für Tausende Beschäftigte des Walter-Bau-Konzerns ist der 1. April ein bitteres Datum. Wenn das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet wird, verlieren sie endgültig ihre Jobs, in denen sie oft über zehn Jahre gearbeitet und sich mit dem blauen "W" auf gelbem Grund identifiziert haben. Der ehemals drittgrößte deutsche Baukonzern wird zerschlagen und verkauft.

<P>Seit der Insolvenzanmeldung der Walter Bau-AG im Februar jagten sich die Meldungen über Investitionssummen, Aktienpakete, Bauaufträge und Entlassungen. Zuvor hatte Konzernchef Ignaz Walter noch versucht, den Ruin durch ein neues Geschäft aufzufangen, blitzte aber mit der Komplettübernahme des Stuttgarter Bauunternehmens Züblin ab. Von da an war der Zusammenbruch der Walter Bau-AG nicht mehr zu stoppen. Dem Konzern war das Geld ausgegangen, 27 Gläubigerbanken konnten sich nicht auf ein Rettungskonzept einigen. Der Gang zum Amtsgericht Augsburg konnte nicht mehr verhindert werden.<BR><BR>Insolvenzverwalter Werner Schneider gelang es in kurzer Zeit, zuerst Geld bei den Banken für die Fortführung der Walter-Baustellen zu mobilisieren. Die Vergabe eines Massekredits liegt im Interesse der Gläubiger und wird daher in der Regel problemlos gewährt. Trotzdem wurde von 300 Projekten gut die Hälfte gekündigt.<BR><BR>Zwei Wochen nach der Eröffnung der vorläufigen Insolvenz präsentierte Schneider dann einen Übernahmekandidaten, die österreichische Strabag-Holding. Deren Chef Hans Peter Haselsteiner (61) will vier einstige Walter-Bau-Firmen übernehmen und von ursprünglich 9832 Arbeitsplätzen im Konzern 3158 erhalten.<BR>Allerdings trifft es die Walter Bau-AG besonders hart. Rund 2600 Mitarbeiter sind ab 1. April ihre Jobs los. Früher hatte die AG 3700 Stellen. Die ausscheidenden Beschäftigten finden zwar noch Unterschlupf in einer Beschäftigungsgesellschaft und erhalten für weitere sechs Monate Lohn. Aber sollten sie in dieser Zeit nicht vermittelt werden, kommt nach der Gnadenfrist das endgültige Aus.<BR><BR>Inzwischen meldete überraschend auch die Bilfinger Berger AG Interesse an Walter Bau an und soll deutlich mehr als Strabag geboten haben. Noch im Februar hatte Bilfinger schriftlich eine Übernahme abgelehnt. Insider vermuten, die neue Initiative ziele auf den gepfändeten Aktienanteil von Ignaz Walter an Züblin von 48,7 Prozent. Diesen Anteil will sich auch Strabag einverleiben. Die Familie Lenz, die rund 43 Prozent an Züblin hält, will mit Hilfe eines US-Investors den Walter-Anteil erwerben. Auch hinter der Bilfinger-Offerte soll Züblin stehen, sodass die Initiative tatsächlich auf den bei der Landesbank Bayern blockierten Walter-Anteil zielen könnte.<BR><BR>Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Walter Bau, Karl Bauer, vermutet einen Aktienpoker im Hintergrund, bei dem die gefährdeten Stellen nachrangig sind. "Das ist doch nicht fair für die Beschäftigten", meint er. Wenn Bilfinger mehr biete und die von Strabag zugesagten Arbeitsplätze übernehmen würde, könnte man schnell handelseinig werden. Hier setzt auch Kritik an Insolvenzverwalter Schneider an. Vielleicht habe er bei seiner Entscheidung zu früh auf Strabag gesetzt. Fest steht aber, dass Schneider mit allen verhandelt hat und Bilfinger ursprünglich kein Interesse an einem Einstieg gezeigt hatte.</P>

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