47-Stunden-Streik: Zugausfälle bei Bahn-Konkurrenten

Berlin - Erneut bleiben viele Fahrgäste auf den Bahnsteigen stehen - und wieder trifft es die Kunden der großen Bahn-Konkurrenten. Doch endlich deutet sich auch eine Lösung des festgefahrenen Tarifstreits an.

Verspätungen und Zugausfälle - und Hoffnung auf Bewegung im Tarifstreit der Lokführer: Seit dem frühen Donnerstagmorgen bestreiken die Lokführer in vielen Teilen Deutschlands die großen Konkurrenten der Deutschen Bahn. Für 47 Stunden, bis Samstagmorgen um 2.00 Uhr, sollen bei vielen regionalen Anbietern die Züge stillstehen. Nach ersten Einschätzungen der Gewerkschaft ist von einer hohen Streikbeteiligung auszugehen. “Die Streiks sind gut angelaufen“, sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert.

Ausgenommen vom Streik sind die Deutsche Bahn und der Konkurrent Keolis (Eurobahn). Nach GDL-Angaben hatte Keolis ohne Vorbedingungen die Bereitschaft zu Verhandlungen für einen inhaltsgleichen Rahmentarifvertrag für Lokführer und die dazugehörige Verknüpfung mit einem Haustarifvertrag erklärt. GDL-Chef Claus Weselsky sprach von einem “Dammbruch“. Der stellvertretende GDL-Bundesvorsitzende Norbert Quitter sagte: “Die Halsstarrigkeit der anderen Unternehmen kann eigentlich keiner mehr verstehen.“ Betroffen sind die großen Verkehrsgesellschaften Abellio, Arriva, Benex, Veolia, Hessische Landesbahn (HLB) sowie ihre Töchter - nicht aber die Deutsche Bahn AG (DB), mit der die GDL bereits wieder verhandelt.

Ein Schwerpunkt des Streiks sollte nach GDL-Angaben Norddeutschland sein. Es ist die zweite Streikwelle in dieser Woche. In Hessen kam es zu Verspätungen und Zugausfällen, betroffen waren auch dieses Mal die Verbindungen der HLB und ihrer Tochtergesellschaften Vectus und Cantus. In Bayern machte sich dagegen der neuerliche Streik zunächst kaum bemerkbar, ebenso in Nordrhein-Westfalen nach der Rücknahme des Streikaufrufs bei der Eurobahn. In Norddeutschland waren nach Angaben von GDL-Sprecher Lutz Schreiber besonders die Verbindungen des Metronoms betroffen.

Mehr als 90 Prozent der Züge fielen aus. Der Ausstand habe wie geplant um 3.00 Uhr am Donnerstagmorgen angefangen, sagte Quitter. Damit wollten die Lokführer deutlich machen, dass sie bereit seien, für ihre Ziele zu kämpfen. “Unsere Ziele sind nicht Streiks, unsere Ziele sind die Rahmentarifverträge.“ Die GDL fordert einen einheitlichen Tarifvertrag für die 26 000 Lokführer in Deutschland im Regional-, Fern- und Güterverkehr - egal, bei welchem Betreiber sie arbeiten. Eine Kernforderung ist eine Angleichung der Einkommen auf dem Niveau des Branchenprimus Deutsche Bahn - plus fünf Prozent Aufschlag. “Das sind alles keine Forderungen, die irgendeinen Arbeitgeber in diesem Land umbringen würden“, sagte Quitter. Während die Verhandlungen mit der DB am 7. April fortgesetzt werden sollen, fehlt mit den Konkurrenten, die bis zu 30 Prozent weniger zahlen, seit Wochen die Gesprächsbasis. “Es wird immer deutlicher, dass es hier einfach nur um eine Verweigerungshaltung der Arbeitgeber geht“, sagte Quitter.

dpa

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