500-Dollar-Marke in Sicht: Warum Gold Anleger wieder elektrisiert

- München - Auch wenn die Bundesbank ausschert, viele Notenbanken trennen sich zurzeit von Gold. Das Edelmetall ist, sieht man von Gewinnmitnahmen der letzten Wochen ab, so teuer wie seit den 80er-Jahren nicht mehr. Und es wäre noch weit teurer, käme nicht soviel Notenbank-Gold auf den Markt. Eine Abnehmergruppe allerdings schwächelt: Vielen Schmuckherstellern wird der Rohstoff bei Preisen knapp unter 500 Dollar pro Feinunze zu teuer.

So ist das hinduistische Lichterfest im Herbst ein Anlass, sich mit Goldschmuck zu beschenken. Es löst üblicherweise eine starke Nachfrage aus: 20 bis 30 Tonnen wurden in den vergangenen Jahren jeweils zusätzlich verkauft. Heuer blieb das aus.

Experten gehen von weiter steigenden Preisen aus. Die meisten Analysten halten sich nicht mit der 500er-Marke auf, die noch heuer fallen kann. Von 600 oder 800 Dollar ist die Rede oder vereinzelt sogar von über 1000 Dollar pro Feinunze (31,10 Gramm).

Neuerdings haben auch die Einwohner der Eurozone etwas davon. In den vergangenen Jahren wurden Kursgewinne beim Gold durch Verluste beim Dollar aufgezehrt, da Gold weltweit in Dollar gehandelt wird. Seit der Euro fällt, steigt auch hier der Wert des Goldes an. Nun klettern die Kilo-Notierungen in Euro: Der Durchbruch durch die 11 350-Euro-Marke für ein Kilo Gold hat auch charttechnisch orientierte Anleger auf den Plan gerufen. Von dieser Marke sei der Goldpreis "acht bis neunmal abgeprallt", sagt Mirko Schmidt, Geschäftsführer der Edelmetallhandelsfirma Pro Aurum. Nun ist sie überwunden.

Metall bevorzugt. Wenig Vertrauen in "Papiergold"

In erster Linie treibt Angst den Preis für Gold in die Höhe. Inflation ist mit dem Anstieg der Ölpreise weltweit ein Thema. Hinzu kommt, dass viele Menschen Warenkorb-Berechnungen als verfälscht betrachten, so Schmidts Erfahrung. Die gefühlte Inflation ist höher. Und mit der damit verbundenen negativen Realverzinsung wird der renditefreie, aber sichere Hafen Gold interessant. Außerdem spiegelt die Entwicklung beim Goldpreis nach Schmidts Worten einen Vertrauensverlust des Staates wider. Zweifel an der "langfristigen Fähigkeit" des Bundes, seine Schulden zurückzuzahlen, lassen die Deutschen in Gold investieren.

Bevorzugt wird das echte Metall, das man anfassen kann. "Auch das Vertrauen in Papiergold (das sind handelbare Lieferansprüche) geht zurück", stellt Schmidt fest.

Auch andere Edelmetalle sind für Anleger interessant. Die Preise für Palladium oder Platin stiegen bereits deutlich. Dagegen ist Silber immer noch günstig. Inflationsbereinigt, so Schmidt, "verzeichnen wir historische Tiefstkurse". Allerdings haben diese Metalle gegenüber Gold einen Makel: Sie sind mit 16 Prozent Mehrwertsteuer belastet. Diese fällt bei einem Privatverkauf unter den Tisch und ist wie ein Ausgabeaufschlag für den privaten Anleger verloren. So müssen gewaltige Kursgewinne her, wenn man das angelegte Geld mehren will. Bei Gold zur Kapitalanlage werden keine Steuern aufgeschlagen.

Es sind übrigens nicht nur Privatanleger, die auf das glänzende Metall setzen. Asiatische Notenbanken, die mit dem Kauf von Dollar-Anleihen die Nachfrage aus den USA nach Importprodukten anheizen, wird die Luft zu dünn. Die Blase könnte platzen - mit verheerenden Folgen. So setzten auch sie auf Gold als Beimischung zu den gehorteten Dollar-Anleihen.

Während sich die meisten europäischen Zentralbanken von insgesamt bis zu 500 Tonnen im Jahr trennen und damit die Lücke zwischen Produktion (durchschnittlich 2500 Tonnen pro Jahr) und Nachfrage (2800 Tonnen pro Jahr) füllen, haben allein Japan und China noch einen Nachholbedarf von 10 000 Tonnen, um 15 Prozent ihrer Reserven in Gold zu halten - was als international üblich gilt. Der Goldrausch könnte noch eine Weile andauern.

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