"50plus - Wachstumsmarkt der Zukunft"

- München - Leicht sollen sie sein - leicht zu tragen, leicht zu bedienen, leicht zu öffnen, leicht zu lesen. Doch Verpackungen stellen ältere Menschen des Öfteren vor Probleme. Manche Hindernisse wurden bereits aus dem Weg geräumt, andere nicht. Dass dies nicht nur für die Betroffenen ärgerlich sein kann, macht der Gerontologe Joseph Koncelik deutlich. Denn: "Die Generation 50plus ist der Wachstumsmarkt der Zukunft."

Die Rechnung ist einfach: Laut dem Statistischen Bundesamt steigt der Anteil der über 60-Jährigen in Deutschland von rund 22 Prozent im Jahr 2000 auf über 35 Prozent im Jahr 2050 - weltweit werden es sogar 38 Prozent sein. Dementsprechend müsse sich auch die Produktgestaltung verstärkt den Bedürfnissen der älteren Generation widmen, so der amerikanische Altersforscher."Man sollte dahin gehen, wo das Geld ist." Und das sei zunehmend bei den Senioren zu finden.

Gerade im Marketing sei es wichtig, alle Sinne anzusprechen. Bei Älteren gelte es dabei einiges zu beachten: So komme es im Laufe des Lebens zu einer Trübung der Hornhaut. Eine Folge: Die Farbe Blau werde schlechter wahrgenommen. Als Beispiel nannte Koncelik ältere Damen, die unbewusst blaustichige Haare hätten. Außerdem könnten mit zunehmendem Alter ähnliche Farben schwerer auseinander gehalten werden. Dies sollte berücksichtigt werden, denn in der Designerwelt werde gerne mit Farbschattierungen gespielt. Kaufkriterien seien auch eine lesbare Beschriftung und einfache Handhabe. Positive Beispiele seien Fernbedienungen und Kameras. Waren die Tasten früher alle gleich groß, haben sie heute unterschiedliche Größen, Formen und Farben.

Wie können Verpackungen leichter geöffnet werden? Damit beschäftigt sich das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Verarbeitungsmaschinen und Verpackungstechnik (AVV) in Dresden. In dem Forschungsprojekt geht es um so genannte heißgesiegelte, peelbare Packungen, die etwa beim Jogurt zum Einsatz kommen.

Profitieren könnten Senioren vielleicht auch vom Einsatz der so genannten RFID-Chips, die auf dem Massenmarkt in Verpackungen eingesetzt werden sollen, um mit Hilfe von Funkwellen die Logistik zu erleichtern. Doch vorstellbar sei auch, dass diese Chip-Systeme beispielsweise das Verfallsdatum angeben oder Informationen für Diabetiker speichern, sagt Gerhard Klink, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) in München. "Intelligente Verpackung" heißt das Zauberwort.

Leicht bedienbare Hausgeräte, große Displays - vom Handy bis zur Waschmaschine. Es sei schon einiges umgesetzt worden, aber es müsse noch viel verbessert werden. Dieser Meinung ist Andreas Reidl von der Agentur für Generationenmarketing in Nürnberg. "Das Konsumverhalten der 50plus-Generation entscheidet über die Zukunft vieler Unternehmen." Daher würden alle Branchen ihr Angebot überprüfen müssen.

Kunden wollen sich angesprochen fühlen

Authenzität sei das Stichwort, vor allem in der Werbung. "Die Älteren wollen sich angesprochen fühlen." Das hingegen täten sie nicht bei einer jungen Frau mit Faltencreme im Gesicht, sondern einer älteren Dame, die zehn Jahre jünger aussieht - "ähnlich dem gefühlten Alter". Die Generation 50plus sei konsum- und freizeitorientierter denn je. Deshalb bedeute eine altersgerechte Verpackung nicht gleich klobiges Design. Modern soll es sein - für die Junggebliebenen von heute.

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