Die 52-Milliarden-Euro-Frage: Was bringt das Wachstum?

- München - Es geht um die 52-Milliarden-Euro-Frage. So groß ist der Wert des 1,7-prozentigen Wirtschaftswachstums, das die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute des Landes für das nächste Jahr voraussagen. Trotzdem wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter verschlechtern. "Von einem Aufschwung kann man nicht sprechen", warnen die Forscher. Was also bringt es dann, das 52-Milliarden-Wachstum?

<P>Heuer fällt das Wirtschaftswachstum erstmal aus. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit drei Jahren in einer Stagnation. Im ersten Halbjahr 2003 ging die gesamtwirtschaftliche Produktion sogar leicht zurück", erklärten die Forscher zu ihrem Herbstgutachten. Nach einer so langen Durststrecke sehnen sich Politik und Wirtschaft nach besseren Zeiten - und könnten sie 2004 bekommen.<BR><BR>Nicht nur die Nachfrage aus dem Ausland, sondern auch der Konsum im Inland wird steigen, prognostizieren die Konjunkturexperten. Zwar wird die Bundesregierung erneut gegen den EU-Stabilitätspakt verstoßen und 3,5 Prozent mehr Schulden aufnehmen, doch immerhin geht die Neuverschuldung wieder etwas zurück. Heuer wird sie 4,0 Prozent betragen. Und die Wachstumsprognose für das kommende Jahr macht Mut. "Nach mageren Jahren sind 1,7 Prozent etwas, was wir unbedingt brauchen, wenn uns die Probleme nicht über den Kopf wachsen sollen", kommentierte Bundeskanzler Gerhard Schröder. Die Lösung aller Probleme sind sie aber nicht.<BR><BR>Am Arbeitsmarkt geht die Konjunkturbelebung vorbei. Im Jahresdurchschnitt rechnen die Institute mit 4,45 Millionen Menschen ohne Job - 50 000 mehr als heuer. "Die Beschäftigungsentwicklung ist immer ein Nachläufer der Konjunktur", argumentiert Wolfgang Meister vom Münchner Ifo-Institut. "In Frühphasen einer Belebung sinkt die Beschäftigung noch." </P><P>Außerdem benötigt der Arbeitsmarkt einen deutlicheren Konjunktur-Anschub. "Die Produktivität der arbeitenden Bevölkerung steigt - zum Beispiel durch den verstärkten Einsatz von PCs", erklärt Meister. Je produktiver jede Arbeitskraft ist, desto weniger braucht man von ihnen - es sei denn, es gibt mehr zu produzieren. Nullwachstum heißt für den Arbeitsmarkt: Rückwärtsgang. Ab einem Wachstum von 1,5 bis 1,75 Prozent profitiert der Arbeitsmarkt nach Einschätzung der Forscher. Doch davon ist Deutschland noch entfernt. "Die 1,7 Prozent sind durch den Arbeitstage-Effekt verzerrt", sagt Gustav-Adolf Horn vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Auf Grund der Lage der Feiertage gibt es 2004 vier Arbeitstage mehr als heuer. Das spendiert 0,6 Prozentpunkte Wachstum, die aber für Unternehmer keinen Grund bieten, neue Stellen zu schaffen.<BR><BR>Trotzdem wird sich das Wachstum für alle auszahlen. Im Wert von 52 Milliarden Euro werden mehr Güter produziert und Dienstleistungen erbracht. Diese Summe "geht in die Unternehmensgewinne", erklärt Konjunktur-Experte Horn. "Und die Betriebe werden hoffentlich investieren." Über diesen Kanal tröpfelt ein Teil des Milliarden-Geldregens etwa in Form von höheren Löhnen in die Haushalte. Nach Einschätzung der Institute wird das ein erquickliches Sümmchen ergeben. Die Menschen in Deutschland werden demnach 37 Milliarden Euro mehr in den Kassen haben - und damit für weiteren Anschub der Konjunktur sorgen.<BR></P>

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