Der 59-Euro-Fahrschein der Bahn: Nicht jeder reist damit am günstigsten

- München - Im Kampf mit den Fluggesellschaften um Kunden versucht die Bahn erneut mit Billigtickets zu punkten. Nach einer Sonderaktion mit dem Discounter Lidl im Mai verkauft der Schienen-Konzern jetzt in eigener Regie für 59 Euro Fahrscheine, mit denen Reisende einen Tag unbegrenzt durch Deutschland fahren können. Doch das Angebot hat seine Haken.

Wann und wo kann man Tickets kaufen?

Bei dem so genannten Deutschland-Ticket handelt es sich um ein befristetes Sonderangebot. Der Fahrschein wird seit Dienstag für 59 Euro verkauft und ist nur noch heute und morgen (Donnerstag) zu haben - allerdings nicht überall: Wer zuschlagen will, muss sich zu einem Bahn-Schalter bemühen oder ein Reisebüro aufsuchen, das Bahn-Tickets verkauft. Nicht erhältlich sind die Karten an Automaten und im Internet. Anders als bei der Lidl-Aktion sind jedoch unbegrenzt viele Tickets erhältlich.

Für welche Züge gelten die Fahrscheine?

Das Angebot gilt für jede Zugverbindung innerhalb Deutschlands, auch für den Regional- und Nahverkehr, also die S-Bahnen. Eine Teilstrecke muss der Reisende allerdings mit einem Fernverkehrszug - dazu gehören etwa ICEs, ICs oder ECs - zurücklegen. Die Entfernung spielt keine Rolle. Der Fahrgast darf außerdem so oft umsteigen, wie er will.

Wann kann man die Fahrkarten nutzen?

Der große Nachteil des Deutschland-Tickets: Fahrscheine können nur dienstags, mittwochs und donnerstags zwischen dem 3. und 31. Januar 2006 genutzt werden. Vor Reiseantritt muss der Passagier das entsprechende Datum eintragen, wobei die Karten aber bis drei Uhr morgens des folgenden Tages gültig sind. Wer einen Nachtzug nimmt, kann das Ticket sogar bis zehn Uhr morgens nutzen. Dann werden aber auch Aufschläge für einen Sitzplatz, Liege- oder Schlafwagen fällig. Auf der Strecke von Hamburg nach München beispielsweise sind das je nach Komfortklasse mindestens 4, 19 oder 35 Euro.

Wer kann mit dem Angebot sparen?

Nicht alle Reisenden fahren mit dem 59-Euro-Angebot am preisgünstigsten. "Das muss man für den Einzelfall prüfen", sagt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV) in Berlin. Grob gesagt eignet sich das Angebot für flexible Menschen wie Urlauber, Rentner oder Studenten, die unter der Woche Zeit haben, die keine Bahncard besitzen und die sehr lange Strecken zurücklegen müssen. "Man kann sagen, dass es ab ca. 400 Kilometern für Menschen ohne Bahncard interessant wird", sagt Josef Teichmann, Vertriebsleiter bei der Bahn in München. Dabei können gerade Familien profitieren: Kinder und Enkel unter 15 Jahren dürfen kostenlos einsteigen.

Welche Alternativen gibt es?

Wer sich für das 59-Euro-Ticket interessiert, sollte sich auf jeden Fall am Schalter oder im Reisebüro beraten lassen. Denn das Preissystem der Bahn gilt nicht gerade als übersichtlich. Es kann also sein, dass Reisende mit einer anderen Ermäßigung billiger fahren. Das gilt vor allem für Bahncard-Besitzer, aber auch für die "Sparpreise", die für Frühbucher gelten. Auch die wöchentlich wechselnden Surf & Rail-Sonderangebote, die nur im Internet (www.bahn.de) gebucht werden können, kommen teilweise günstiger. Aktuell wird etwa die Verbindung von München nach Stuttgart für einfach 39 Euro offeriert.

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