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Bis zu 3300 Stellen in Deutschland sind bedroht, die meisten davon in München und Erlangen.

7400 Arbeitsplätze in Gefahr

Siemens will die meisten Stellen in München und Erlangen abbauen

München - Siemens will offenbar 7400 Stellen streichen, davon 3300 in Deutschland - die meisten davon in München und Erlangen. Damit soll der Konzern profitabler werden.

Der seit vorigem Mai bei Siemens im Raum stehende Stellenabbau nimmt konkrete Formen an. Zwei Tage lang hat das Management nun Arbeitnehmervertreter über das genaue Ausmaß des Kahlschlags informiert. Durchgesickert ist dabei, dass weltweit rund 7400 Stellen gestrichen werden. 3300 Arbeitsplätze davon sollen auf Deutschland entfallen. Öffentlich will sich Siemens erst am Freitag erklären. Das gilt auch für IG Metall und Gesamtbetriebsrat.

Unter Kennern des Konzerns gilt die genannte Dimension des Abbaus allerdings als realistisch. Vom Umbau seien 11.600 Stellen betroffen, hatte Konzernchef Joe Kaeser zuletzt erklärt. Ein Teil davon könne aber intern auf andere Posten versetzt werden. Schon jetzt ist auch klar, dass der Abbau hierzulande im Schwerpunkt die Verwaltungen betrifft und damit die Standorte München und Erlangen. Außerdem will Kaeser den Konzern neu organisieren und dabei ganze Verwaltungsebenen streichen. Die Zahl der operativen Sektoren wurde von 16 auf neun reduziert.

Dazu kommen industrielle Brennpunkte, allen voran das Energietechnikgeschäft und hier speziell der Bau großer Kraftwerke. Dort herrscht immenser Preisdruck, weil es am Markt große Überkapazitäten gibt. Siemens hat in diesem Bereich eingestandenermaßen die Marktentwicklung falsch eingeschätzt. „Es gibt kein anderes Geschäft im Hause, das einen vergleichbar großen Handlungsdruck hat, weil die Zeichen der Zeit nicht ausreichend in Schlussfolgerungen umgesetzt wurden“, hatte Kaeser vor kurzem bedauert und den dafür verantwortlichen Manager gefeuert. Die zur Sanierung des Krisengeschäfts angeheuerte US-Managerin Lisa Davis hat bereits vor einiger Zeit angekündigt, dass im Energiesektor 1200 Stellen gestrichen werden. Diese Zahl könnte sich nun noch einmal erhöhen.

Unter Druck geraten sind die Margen bei Siemens zuletzt auch in der Medizintechnik, die Siemens zudem gerade in einen eigenständigen Konzern ausgliedert. Auch hier müsse etwas getan werden, um zu alter Gewinnstärke zurückzukommen, hatte Kaeser vor wenigen Tagen erklärt. In der lange hochprofitablen Medizintechnik sieht Siemens zudem Anzeichen für einen massiven Wandel des Geschäftsmodells mit einer Ausweitung auf Lifestyle-Produkte für die boomende Fitness-Branche. Legt man die Entwicklung von früher einmal von Siemens ausgegliederten Geschäften wie Infineon (Chips) oder Osram (Licht) zugrunde, dürfte es auch bei der Medizintechnik einigen Druck auf die Arbeitsplätze geben.

Darüber hinaus hat Kaeser einige Geschäfte identifiziert, deren Gewinnbeitrag in der jüngeren Vergangenheit dauerhaft zu niedrig ist, was er nicht länger akzeptieren will. Für diese Sanierungs-, beziehungsweise Verkaufskandidaten hat Siemens ebenfalls bis Februar eine strategische Bewertung angekündigt. Lösungen sollen bis Mai feststehen.

Zuletzt hat der Technologiekonzern weltweit 343.000 Mitarbeiter beschäftigt. In der Spitze vor 15 Jahren waren es einmal 477.000 Beschäftigte. In Deutschland waren für Siemens zuletzt noch 115 000 Menschen tätig. Am Heimatstandort gilt allerdings ein Vertrag zur Beschäftigungssicherung, der betriebsbedingte Kündigungen unmöglich macht und bei Stellenabbau eine Zustimmung der Gewerkschaft erfordert. Vollzogen werden kann der Abbau deshalb nur sozialverträglich per Altersteilzeit oder über Abfindungen, was Siemens spürbare Einmalkosten bescheren könnte.

Einsparen will Kaeser unter dem Strich bis 2016 Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro. Er sieht sein Haus nicht als Sanierungsfall, muss aber eingestehen, dass Siemens in der Profitabilität hinter Wettbewerbern wie General Electric in den USA zurückgefallen ist. Bis 2017 soll Siemens wieder den Anschluss finden und auf Augenhöhe mit den Besten der Branche sein.

Thomas Magenheim-Hörmann

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