Das 75-Millionen-Euro-Rohr

- München - Unter dem Druck der Chemiebranche plant der Freistaat, die Hälfte der Baukosten für eine 360 Kilometer lange Gas-Pipeline von Münchsmünster nach Ludwigshafen zu übernehmen. Die Rede ist von bis zu 75 Millionen Euro. Einige Unternehmen hatten angedeutet, sich mit Investitionen zurückzuhalten oder Produktionsstätten zu schließen, sollte der staatliche Zuschuss nicht fließen. "Mit der Förderung wollen wir den Standort Bayern sichern und ausbauen", sagt Wirtschaftsminister Wiesheu.

<P>Durch die unterirdische Rohrleitung soll ab Ende 2007 Ethylen transportiert werden. Dieses brennbare, aber ungiftige Gas wird in Bayern von Ruhr Oel in Münchsmünster und OMV in Burghausen aus Rohbenzin gewonnen. <BR><BR>Da es über Straße und Schiene nicht wirtschaftlich verteilt werden kann, liefern die beiden Produzenten das Ethylen über bestehende Pipelines an die fünf bayerischen Abnehmerbetriebe Wacker Chemie, Basell, Borealis, Clariant und Vinnolit. Diese stellen daraus etwa Kunststoffe für Plastikflaschen oder Folien her. Aber: Die Infrastruktur engt ein.<BR>"Die Produktionsanlagen sind kapitalintensiv und werden deshalb ständig unter voller Auslastung gefahren", sagt Gerhard Rois, Vize-Generaldirektor von OMV. Das bedeutet, dass Überschüsse aus dem bestehenden Netz nicht exportiert werden können, sollten die Abnehmer einmal weniger Gas kaufen. Andersrum kann es zu Engpässen kommen, wie Peter-Alexander Wacker, Sprecher der Geschäftsführung der Wacker-Chemie GmbH, sagt: "Bei einem Nachfrageschub ist zusätzliches Ethylen oft nicht erhältlich."<BR><BR>Um dem entgegenzusteuern, drängen die sieben bayerischen Ethylen-Unternehmen darauf, eine Pipeline mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern durch Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu verlegen. Ludwigsburg ist bereits an ein Netzwerk angeschlossen, das über Köln bis nach Gelsenkirchen, Antwerpen und Rotterdam reicht. Von dort könnte Ethylen nach Bayern strömen - oder auch abgeleitet werden.<BR><BR>"Die Pipeline ist ein wesentlicher Baustein, um Bayern wettbewerbsfähig zu halten", sagt Peter-Alexander Wacker. Die momentane Ethylen-Limitierung sei ein "Handikap". Eine höhere Flexibilität bei der Versorgung hingegen würde Investitionen für den Kapazitätsausbau begünstigen. Ähnlich äußert sich Gerhard Rois, der - sollte die Pipeline wie geplant in knapp drei Jahren fertig sein - einen Kapazitätsausbau in Aussicht stellt. Andernfalls garantiert er nicht für den Erhalt der OMV-Produktion.<BR><BR>Allerdings wollen die Unternehmen das Rohrsystem, das bis zu 150 Millionen Euro kostet, nicht alleine finanzieren. "Das wäre ein nicht zu stemmender Kraftakt", heißt es. Mit dem bayerischen Wirtschaftsministerium wurde deswegen ein 50-prozentiger staatlicher Zuschuss ausgehandelt, der aber noch von der EU-Kommission abgesegnet werden muss. Sollte Brüssel zustimmen, was als wahrscheinlich gilt, hofft Wiesheu darauf, dass zu den 8000 Arbeitsplätzen, die von der Ethylen-Industrie abhängen, weitere hinzukommen. Als Reaktion gebe es bereits Gespräche über Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe, sagte der Minister unserer Zeitung. </P><P> </P><P> </P><P> </P>

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