A380 vor Erstauslieferung

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Paris (dpa) - Belastet von einem Skandal um mutmaßliche Insidergeschäfte beim Mutterkonzern EADS liefert Airbus an diesem Montag den ersten A380 aus - das größte Passagierflugzeug der Welt. Mit rund zweijähriger Verspätung übernimmt Singapore Airlines am Unternehmensstandort Toulouse feierlich die erste Maschine für den Liniendienst.

Airbus-Chef Thomas Enders sprach von einem "Meilenstein". Aber erst wenn die Fertigung wie geplant hochgefahren werde, sei "das A380-Programm über den Berg", sagte Enders dem "Spiegel". Das Ziel, im kommenden Jahr 13 Maschinen vom Typ A380 und ab 2010 sogar vier Maschinen pro Monat auszuliefern, sei "anspruchsvoll". "In der Tat haben wir die ganz große Herausforderung noch vor uns."

Airbus hat für den A380 bislang 189 Bestellungen und Optionen verbucht. Das doppelstöckige Großflugzeug, dessen Entwicklung mehr als zehn Milliarden Euro kostete, kann in der klassischen Aufteilung mit drei Klassen rund 500 Passagiere transportieren. Airbus tritt mit der Maschine der Superlative gegen den Jumbojet, die Boeing 747, an.

Wegen Produktionsproblemen und Lieferverzögerungen beim A380 war der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS - die Airbus-Mutter - in die roten Zahlen geraten und hatte einen umfassenden Umbau des Unternehmens eingeleitet. 10 000 Stellen sollen gestrichen, sechs der 16 europäischen Werke verkauft werden. Unter ihnen sind die deutschen Airbus-Werke Nordenham, Varel, Laupheim und der EADS-Standort Augsburg.

Der Verkaufsprozess ist allerdings ins Stocken geraten. Airbus habe seine "Erwartungen zuletzt immer weiter hochgeschraubt", kritisierte Herbert Wust, Generalbevollmächtigter der Firma Diehl, in der "Süddeutschen Zeitung". Der Nürnberger Technologie- und Rüstungskonzern gilt als Interessent für Laupheim. Zuvor hatte auch der Anlagenbauer Voith mitgeteilt, dass er sich aus dem Bieterverfahren zurückgezogen habe.

Erneut wies Enders die Insider-Vorwürfe der französischen Börsenaufsichtsbehörde AMF zurück, nach denen die Konzernführung und die Großaktionäre Lagardère und DaimlerChrysler Ende 2005 und Anfang 2006 mit Insiderwissen über Probleme beim Flugzeugbauer Airbus lukrative Aktiengeschäfte gemacht haben könnten. "Mich haben die Verdächtigungen und Anschuldigungen überrascht und schockiert." An den Vorwürfen sei "eindeutig" nichts dran.

Auch der Chef des Großaktionärs Lagardère wies die Vorwürfe zurück. Er habe erst am 12. Juni 2006 im Verwaltungsrat der Staatsbank CDC von den erneuten Lieferverzögerungen des A380 erfahren, sagte Arnaud Lagardère dem "Journal du Dimanche". Zugleich erhob er Vorwürfe gegen den früheren Premierminister Dominique de Villepin. Im Februar 2006 habe die Regierung eine Liste mit möglichen Käufern von Lagardère-Anteilen erhalten, darunter die CDC, sagte er dem "Journal du Dimanche". "Das Matignon (Amtssitz des Premierministers) hat die Operation von Anfang an verfolgt." De Villepin hatte erklärt, in der Sache nie konsultiert worden zu sein.

Der Chef der Börsenaufsicht, Gérard Rameix, mahnte zur Zurückhaltung. "Man muss sich vor vorschnellen Schlüssen hüten", sagte er am Samstag der Tageszeitung "Le Figaro". Die Untersuchung laufe bereits seit dem Frühjahr 2006. "Unsere Ermittler überwachten bereits vor den Problemen bei Airbus Aktienverkäufe durch Management und Anteilseigner von EADS." Er rechne damit, im März 2008 den Abschlussbericht vorzulegen.

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