A380: Vom Traumvogel zum Albtraum

- München - Als größtes Passagierflugzeug der Welt soll der Airbus A380 eigentlich in völlig neue Dimensionen des Fliegens entführen, doch eine Panne nach der anderen bremst die Auslieferung des Superjumbos. Zum dritten Mal seit dem Jungfernflug 2005 musste der Airbus-Mutterkonzern EADS nun Verzögerungen einräumen. Zu kurze Kabel für den Innenraum sind der Grund für die weitere Verschiebung der Auslieferung, wie Airbus am Donnerstag erklärte.Um insgesamt zwölf Monate wurde die bereits verschoben, jetzt drohen Berichten zufolge weitere sechs Monate Verspätung.

EADS selber machte keine Zeitangaben und verwies auf den Lieferplan, der in den nächsten vier Wochen fertig sein soll. Ein Sprecher sagte: Die Komplexität der elektrischen und elektronischen Versorgung an Bord sei unterschätzt worden. Analysten warnten vor einem weiteren Vertrauensverlust bei bestehenden und künftigen Kunden. Für das Startquartal 2006 war die Auslieferung der ersten Maschine vorgesehen, als das A380-Programm nach jahrelanger Planung im Dezember 2000 an den Start ging.

Mit dem Prestigeobjekt wollte der deutsch-französische Flugzeugbauer den US-Rivalen Boeing abhängen und Airlines sowie Passagieren ungeahnte Transportmöglichkeiten bieten. Rund 555 Passagiere finden in dem Doppeldecker Platz, der ohne Zwischenlandung um die halbe Welt fliegen kann. Doch der Superflieger wandelte sich zu einem regelrechten Pannenflieger. Die erste Lieferverzögerung von sechs Monaten wurde noch im April 2005 bekannt. Im Juni 2006 mussten Airbus und EADS eine zweite Panne verkünden, die die Auslieferung um ein weiteres halbes Jahr verzögern sollte.

Die notwendigen Kabel für Telefone oder Bildschirme an Bord konnten nicht termingerecht verlegt werden. Jedem A380-Kunden hatte Airbus Sonderwünsche für die Innenausstattung zugesagt. Als die Nachricht bekannt wurde, setzte die EADS-Aktie zum Sturzflug an und verlor ein Viertel ihres Wertes. Die Krise des Konzerns kostete mehrere Spitzenmanager den Job: Neben Airbus-Chef Gustav Humbert musste auch der Co-Vorstandsvorsitzende von EADS, Noël Forgeard, zurücktreten. Der Franzose war als Ex-Airbus-Chef maßgeblich an der Entwicklung des A380 beteiligt und zudem wegen umstrittener Aktienverkäufe in die Kritik geraten.

Die Zahl der geplanten Auslieferungen korrigierte der Konzern damals drastisch nach unten: Statt wie vorgesehen 20 bis 25 Maschinen sollten 2007 maximal 9 an die ungeduldig wartenden Kunden übergeben werden. Spekulationen zufolge könnte die Zahl nach der dritten Lieferpanne auf vier zurückgehen. EADS kommentierte dies jedoch nicht. Ob es die letzte Verzögerung sein wird, bleibt abzuwarten. Denn die Überprüfung des A380-Programms läuft noch.

Offenbar steht sogar die für Dezember 2006 angekündigte Auslieferung des ersten Großraumfliegers an die Singapore Airlines in Frage. Die asiatische Fluglinie war der erste Kunde, der den Doppeldecker-Jet für rund 290 Millionen Euro bestellt hatte.

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