A380-Auslieferungszentrum in Hamburg eröffnet

Hamburg - Der "Vater der A380", Jürgen Thomas, greift weit zurück. Er erzählt, wie er nachts durch Hamburg-Finkenwerder fuhr und sich zeigen ließ, welche Häuser und Grundstücke bereits verkauft waren, um das Airbus-Gelände für das Riesenflugzeug erweitern zu können.

"Es war ein extrem steiniger Weg, der zu überwinden war", sagt der 71-Jährige am Freitag bei der Eröffnung des einzigen deutschen A380-Auslieferungszentrum, das im Hamburger Airbus-Werk errichtet wurde. Denn um die Erweiterung des Werksgeländes und die Verlängerung der Startbahn für Flüge des weltgrößten Passagierflugzeugs gab es jahrelang Streit und rund 240 rechtliche Auseinandersetzungen.

Das 16 000 Quadratmeter große Gebäude wird Thomas' Namen tragen. Airbus-Chef Thomas Enders nennt ihn einen der letzten Flugzeug- Pioniere der Welt. Das neue architektonische Schmuckstück auf dem Airbus-Gelände, ähnlich einem Flughafenterminal, hatte bei der Besichtigung zunächst bei einigen Gästen für etwas Verwirrung gesorgt. "Ja, wo soll denn hier die A380 reinpassen", wurde Airbus- Sprecherin Nina Pretzlick wiederholt gefragt. Sie erklärt: "Eine Auslieferung bedeutet unheimlich viel Papierkram", deshalb gebe es die Vielzahl der Büros in dem fünfstöckigen Gebäude zum Unterzeichnen der diversen Verträge. "Und der wird hier drin erledigt."

Die neuen A380 werden künftig auf einem 20 000 Quadratmeter großen Vorfeld geparkt. Eine große Fensterfront im Festsaal des Auslieferzentrum gibt den Blick frei auf das Flaggschiff und den Stolz der Airbus-Familie.

"Das ist ein großer Tag für unser Unternehmen und für Hamburg", sagte Airbus-Chef Enders. In Finkenwerder sollen in den nächsten Jahren 113 der bisher fest bestellten 192 Jets des weltgrößten Passagierflugzeugs übergeben werden, die restlichen Maschinen werden am französischen Standort in Toulouse ausgeliefert. Dort wurden bisher die ersten vier A380 von Singapore Airlines in Empfang genommen.

Die erste Hamburger A380 wird am 28. Juli an die Airline Emirates aus Dubai ausgeliefert. Emirates hat mit 58 Fliegern rund ein Viertel aller bisher bestellten Maschinen geordert. Dafür muss die arabische Fluggesellschaft nach Schätzungen rund 15 Milliarden US-Dollar an Airbus zahlen. Zu viel für viele europäische und amerikanische Gesellschaften, deren Manager die Kauflust der Araber staunend registrieren.

Die Eröffnung des Auslieferungszentrums wurde als Meilenstein im Flugzeugbau am größten deutschen Airbus-Standort gewürdigt. Hamburgs Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) sagte, dass die Hansestadt heute nach Seattle und Toulouse das drittgrößte Zentrum der zivilen Luftfahrt sei. Airbus-Chef Enders betonte, dass man nach zahlreichen Verzögerungen bei der A380-Auslieferung große Fortschritte mache. "In einigen Jahren werden die Probleme vergessen sein." Angesichts der hohen Energiepreise verwies er darauf, dass Riesenflugzeuge wie die A380 mit Platz für rund 500 Passagiere der Trend der Zukunft seien.

Namensgeber Jürgen Thomas mahnte mit Blick auf aktuelle Streits um Stellenabbauabbau und Einsparprogramme bei Airbus und seiner Muttergesellschaft EADS, "Nebenkriegsschauplätze" zwischen Belegschaft und Management rasch zu beenden. "Wir sitzen alle in einem Boot." Man müsse zu dem Geist zurückkehren, als die A380 entwickelt worden sei. "Wir hätten das nicht geschafft, wenn damals die Stimmung so gewesen wäre wie heute."

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