ABC-Anzüge und Vogelscheuchen: Das Geschäft mit der Grippeangst

- München - Während sich die Vogelgrippe unter Deutschlands Federvieh beständig ausbreitet, versuchen Geschäftemacher aus der wachsenden Besorgnis der Bürger Kapital zu schlagen. Gerade im Internet häufen sich Angebote für Schutzanzüge, Scherzartikel und das Grippe-Mittel Tamiflu. Verbraucherschützer und Behörden warnen vor Panikmache und Abzocke.

Über 400 Artikel zum Stichwort "Vogelgrippe" finden sich derzeit auf der Webseite der populären Versteigerungsplattform Ebay. Vor allem Schutzkleidung wird angeboten, wie der "ABC-Schutzanzug H5N1" oder knall-orangene Overalls, die angeblich auch die Helfer vom Technischen Hilfswerk tragen. Passend dazu sind Atemmasken und Gummihandschuhe zu haben. All das gibt es einzeln oder gebündelt im "Notfallset Vogelgrippe Pandemie" und dem "Infektionsschutz-Paket". Teilweise im Preis inbegriffen: ein Liter Desinfektionsmittel.

Auch Kurioses kommt unter den Hammer. Ein Händler bietet eine elektronische Vogelscheuche an, die Tiere mit Warnsignalen vertreibt. "Optimal, gerade jetzt, wenn die Zugvögel aus den gefährdeten Gebieten zurückkehren", schreibt er. Witzbolde versuchen mit Aufklebern Geld zu verdienen, auf denen "Vogelgrippe - Made in China" steht. Eine Kölner Produktionsfirma verkauft T-Shirts mit dem Aufdruck "Vogelgrippe on Tour", die Fanartikeln von Musikbands nachempfunden sind. Auf der Rückseite steht: "14.2.06 Rügen".

Doch während die vermeintlichen Scherzartikel mit einem fröhlichen "Viel Spaß beim Bieten!" angepriesen werden, wählen manche Ebay-Verkäufer drastischere Worte: "DIE GRIPPE KOMMT BEDROHLICH NAHE", warnt einer, um sein Seuchen-Equipment loszuwerden. "Schützen Sie sich und Ihre Familie vor den Gefahren der Vogelgrippe, bevor Sie im Handel nichts mehr bekommen", steht woanders.

Derartige Panik-Attacken auf die verunsicherten Bürger stoßen bei Behörden und Verbraucherschützern auf Kritik. "Da wird mit der Angst der Bevölkerung Schindluder getrieben", sagte Roland Eichhorn, Sprecher des Bayerischen Umweltministeriums unserer Zeitung. Es bestehe keine Gefahr, solange niemand tote Vögel mit bloßen Händen anfasst. Sich mit Schutzanzügen auszustatten, sei unnötig. Eichhorn: "Davon halten wir nichts."

Er empfiehlt den Verbrauchern, sich bei öffentlichen Stellen zu informieren (siehe Textende), anstatt in teure Ausrüstung zu investieren oder private Dienste zu nutzen. In diesem Zusammenhang hatten bereits Verbraucherzentralen vor einem Fax gewarnt, mit dem für ein 20 Euro teures Vogelgrippe-"Vorsorgepaket" geworben wurde. Gegen die Betreiber einer angeblichen Seuchen-Notrufnummer ermittelt zudem bereits das Landeskriminalamt Niedersachsen.

Das Bundesgesundheitsministerium rät den Menschen unterdessen davon ab, sich mit den Medikamenten Tamiflu und Relenza einzudecken. "Dafür gibt es keinen Anlass", sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Die Präparate gelten im Falle einer Grippe-Pandemie als wirksame Mittel, müssen aber verschrieben werden. Mittlerweile werden sie zu teils horrenden Preisen im Internet gehandelt, wobei aber auch gefälschte Pillen im Umlauf sein sollen.

Keine Nebenwirkungen dürfte der Genuss eines Mineralwassers hervorrufen, das eine Firma in Tschechien gerade auf den Markt brachte. Dennoch denken die dortigen Behörden an ein Verbot des Getränks: Das Versprechen, es schütze vor der Vogelgrippe, sei purer Unsinn, eine glatte Lüge und unredliche Werbung zugleich.

Info-Telefon des Verbraucherschutzministeriums: 01888 / 5 29 46 - 01 bis 09

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