Abermals Rekordpreise für Rohöl, Benzin, Diesel und Heizöl

Hamburg - Die Preise für Öl und alle Ölprodukte sind am Freitag vor Pfingsten steil in die Höhe geschossen und haben abermals Rekordwerte erreicht. Rohöl der Sorten WTI und Brent notierte erstmals über 125 Dollar für ein Barrel (159 Liter). Der Benzinpreis durchbrach die Preisschwelle von 1,50 Euro für einen Liter und Diesel erreichte ein Rekordhoch von 1,45 Euro.

Für 100 Liter Heizöl mussten die Verbraucher 89,65 Euro bezahlen, das sind 4,30 Euro mehr als vor einer Woche. Der Ölmarkt koppelt sich selbst nach Einschätzung von Börsenhändlern mittlerweile mehr und mehr vom tatsächlichen Verhältnis von Ölangebot und -nachfrage ab.

Am Mittag sprang der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juni auf bis zu 125,98 Dollar und damit nur knapp unter die Marke von 126 Dollar. Zuletzt notierte der WTI-Preis bei 125,72 Dollar. Das waren 2,03 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Einen neuen Rekordstand erreichte auch der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent. In der Spitze kletterte Brent auf 125,68 Dollar ging später jedoch leicht auf 125,43 Dollar zurück. Das waren 2,59 Dollar mehr als am Vortag. Damit haben die Ölpreise in dieser Woche täglich neue Rekordmarken erreicht.

Nach einer Preisrunde am späten Donnerstagabend waren nach Angaben aus der Mineralölwirtschaft in Hamburg für einen Liter Benzin im bundesweiten Durchschnitt an Markentankstellen 1,51 Euro zu bezahlen. Auch der Dieselpreis erreichte mit 1,45 Euro je Liter einen neuen Höchststand. Als Grund für die Preissteigerungen unmittelbar vor Pfingsten nannten die Sprecherinnen der Konzerne die Notierungen am europäischen Markt für Ölprodukte in Rotterdam. Bei der wöchentlichen Umfrage des Energie-Informationsdienstes EID in 14 deutschen Städten ergab sich für Heizöl ein Durchschnittspreis von 89,65 Euro für 100 Liter (beim Kauf von 3000 Litern) - ebenfalls ein Rekordwert.

Selbst Börsenhändler halten inzwischen das Interesse der Fonds und Finanzinvestoren für den entscheidenden Treibstoff an den Märkten -wichtiger als fundamentale Faktoren. So gebe es angesichts der hohen Preisniveaus und zu erwartender weiterer Preissteigerungen nachhaltiges Interesse von Investorenseite. Vor allem große Fonds zeigten immer mehr Interesse, in den Ölmarkt zu investieren, hieß es. "Der Ölpreis scheint dabei eine gewisse Eigendynamik zu entwickeln", sagte ein Rohstoffexperte der australischen Commonwealth Bank.

Daneben wird immer wieder die steigende Nachfrage aus Ländern wie Indien und China genannt und die Angst vor Engpässen. Diese sind jedoch bislang nicht eingetreten. Erste Analysten und Marktteilnehmer haben schon die Marke von 200 Dollar je Barrel im Visier. Für die Beobachter aus der Mineralölwirtschaft spielen die Märkte inzwischen völlig verrückt. "Meldungen, die zu sinkenden Preisen führen müssten, werden nicht mehr wahrgenommen", sagte Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV). So ignorierten die Märkte die gestiegenen US-Ölvorräte weitgehend und trieben die Preise weiter nach oben.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) riet am Freitag allen, die über Pfingsten eine Reise mit dem Auto unternehmen wollen, ihre Pläne kurzfristig zu ändern und das Auto stehen zu lassen. Angesichts weiter steigender Spritpreise und voraussichtlicher Staus auf den Autobahnen belaste jede Autofahrt am Pfingstwochenende Portemonnaie und Nerven über Gebühr. "Wer jetzt auf ein Ziel in der Nähe umsattelt, das bequem zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, steigert den Erholungswert der Feiertage erheblich, spart bares Geld und tut ganz nebenbei etwas für den Klimaschutz", sagte ein VCD-Sprecher. Der hohe Spritpreis könne ein guter Anlass sein, bisherige Gewohnheiten zu durchbrechen und in der Freizeit andere und umweltverträglichere Arten der Fortbewegung auszuprobieren.

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