Appell auch an Wissenschaft

Merkel verurteilt Abgastests mit Affen und Menschen

Nach Tierversuchen beim Test von Dieselabgasen an Mensch und Tier reagiert die Politik empört. Neben den Autobauern nehmen sie auch die Wissenschaft ins Visier.

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat umstrittene Diesel-Schadstofftests scharf verurteilt und Aufklärung eingefordert. „Diese Tests an Affen oder sogar

Menschen

sind ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. „Die Empörung vieler Menschen ist absolut verständlich.“ Den Aufsichtsräten der Auftraggeber der Tests komme nun eine besondere Verantwortung zu, kritische Fragen auch zur Zielsetzung der Tests zu beantworten. Die Autokonzerne hätten Schadstoffemissionen zu begrenzen und Grenzwerte einzuhalten und nicht die vermeintliche Unschädlichkeit von Abgasen zu beweisen.

Der geschäftsführende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU) kritisierte die Tests ebenfalls scharf, die ausschließlich PR-Zwecken dienten, wie ein Sprecher sagte. Die Untersuchungskommission des Ministeriums zum Abgasskandal solle in einer Sondersitzung prüfen, ob es weitere Fälle gibt. Die Autokonzerne seien aufgefordert worden, umgehend und detailliert Stellung zu nehmen.

Abgasversuche an Menschen: Politik reagiert ungehalten

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat eine umfassende Aufklärung gefordert. Geklärt werden müsse auch, ob es weitere Testreihen dieser Art und zu diesem Zweck an und mit Menschen gegeben habe, sagte der SPD-Politiker, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, am Montag in Hannover. Bereits am Wochenende habe er die Versuche als „absurd und widerlich“ bezeichnet - dies gelte erst recht, wenn es zu Versuchen an Menschen gekommen sein sollte. Die Vertreter des Landes Niedersachsens im Aufsichtsrat wollten „noch heute“ eine dringliche Aufforderung zur Aufklärung an den Volkswagen-Vorstand richten.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil.

Volkswagen hatte sich zuvor für die Versuche in den USA entschuldigt, bei denen Affen gezielt Schadstoffen ausgesetzt worden waren. Diese Tests waren Teil einer Studie, die beweisen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat. Die EUGT („Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“) - eine von VW, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative - hatte die Studie in Auftrag gegeben. Federführend war laut Studienleiter dabei VW.

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Hendricks ist von Skandal "entsetzt"

Weil betonte, das Verhalten des Konzerns müsse in jeder Hinsicht auch ethischen Ansprüchen genügen. Es wäre im Interesse aller gewesen, wenn der Vorgang früher bekannt gewesen wäre. Maßgeblich sei der Zweck solcher Testreihen - gehe es darum, die Belastung am Arbeitsplatz zu testen, lasse sich das vertreten. Dienten die Testreihen aber Marketing und Verkaufsförderung, „fällt mir keine auch nur von ferne akzeptable Begründung für ein solches Vorgehen ein“. Das Land Niedersachsen ist VW-Großaktionär.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat "entsetzt" auf die am Wochenende bekannt gewordenen Abgastests der Autobranche an Menschen und Affen reagiert. Was bislang bekannt sei, sei "abscheulich", erklärte sie am Montag in Berlin. Die Hintergründe zu diesem Skandal gehörten jetzt schnell auf den Tisch. Neben der Autoindustrie müsse auch die Wissenschaft ihre Verantwortung dafür aufklären.

Umweltministerin nimmt auch Wissenschaft in Verantwortung

Stickoxide seien gesundheitsschädlich für den Menschen. Dies sei hinreichend belegt, erklärte Hendricks. "Dass eine ganze Branche anscheinend versucht hat, sich mit dreisten und unseriösen Methoden wissenschaftlicher Fakten zu entledigen, macht das Ganze noch ungeheuerlicher."

Wer so etwas mache, "hat nicht verstanden, was auf der Tagesordnung steht: sich endlich der vollen Verantwortung im Dieselskandal zu stellen", forderte die Ministerin. Sie äußerte sich "erschüttert", dass sich offenbar Wissenschaftler für die Begleitung dieser "widerwärtigen Experimente" zur Verfügung gestellt haben.

afp, dpa

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