Abgehängt von DSL: Gemeinden greifen jetzt zur Selbsthilfe

- München/Arnstorf - Während viele ländlichen Regionen Bayerns von der Versorgung mit schnellen Internet- Anschlüssen abgeschnitten sind (wir berichteten), hat die 7000-Einwohner-Stadt Arnstorf ein anderes Problem: Den örtlichen Unternehmen reichen die Kapazitäten der vorhandenen DSLLeitungen nicht.

Weil die Telefonanbieter kein Interesse an einem Netzausbau haben, greift die Gemeinde zur Selbsthilfe. Die Idee kommt aus Österreich. In Ried, nahe der Grenze zu Deutschland, sind inzwischen alle städtischen Einrichtungen durch ein kommuneneigenes Breitband- Netz miteinander verbunden. Ob die Voraussetzungen auch in Arnstorf gegeben sind, muss sich zeigen.

Allerdings gibt es gute Vorzeichen: "Wir haben festgestellt, dass sich in nur zehn Metern Entfernung zum größten Unternehmen am Ort eine Umspannstation befindet", sagt Bürgermeister Alfons Sittinger. Die könnte man nutzen, um eine Verbindung zum überörtlichen öffentlichen Datennetz herzustellen. Das wäre wesentlich billiger als eine komplette Neuverlegung.Vorher sind aber noch viele Dinge zu klären. Welche Betriebe sind bereit mitzumachen? Was für Kabel sind nötig? Und was kostet es, alle anzuschließen?

Viele Unbekannte, mit denen Bürgermeister Sittinger rechnen muss. Immerhin: Auf einer Informationsveranstaltung bekundete die örtliche Wirtschaft reges Interesse. Wie es gehen könnte, soll jetzt eine Machbarkeitsstudie zeigen. Bis Anfang 2007 sollen die Experten des Netzwerkausrüsters Cisco prüfen, ob und wie man den Traum vom Hochgeschwindigkeits- Gemeinde-DSL verwirklichen kann. Ist das der Fall, muss eine Betreibergesellschaft gegründet werden.Unterdessen fordert der Präsident des Bayerischen Gemeindetages, Uwe Brandl (CSU), das bayerische Wirtschaftsministerium auf, DSL-Zugänge im ländlichen Raum zu fördern.

Dazu solle der Freistaat seinen Einfluss auf die Telekom nutzen. In Arnstorf will man darauf nicht warten. Deswegen hat man das Ingenieurbüro HPE-Planung aus dem nahen Johanniskirchen mit der Projektplanung beauftragt. Ursprünglich im Bereich Abwasser-Messregeltechnik tätig, hat HPE unter anderem in Ingolstadt beim Aufbau des Breitbandnetzes des lokalen Anbieters Com-In mitgeholfen. Franz Hofmann und sein Team nutzen dabei die Erfahrung, die sie in ihrem Kerngeschäft gesammelt haben.

Denn die Technik, mit der sie die Datenkabel verlegen, ist so einfach wie genial: Die Glasfaserleitungen werden durch bereits bestehende Abwasser- oder Trinkwasserrohre verlegt. "Normalerweise braucht man für einen Kilometer Kabel mindestens zwei bis drei Tage", sagt Hofmann. Nutzt man die vorhandene Infrastruktur, sei dieselbe Arbeit innerhalb weniger Stunden erledigt.

Die ungewöhnlich klingende Methode hat laut Hofmann noch einen großen Vorteil: Sie ist relativ günstig. "90 Prozent der Kosten bei solchen Maßnahmen entfallen auf die Verlegung." Weil die so unkompliziert ist, könnte sich das Modell nicht nur für Arnstorf rechnen. Würde sich die Gemeinde dafür entscheiden, hätte das Vorbildcharakter für viele ländliche Regionen.

"Mit dem Hochgeschwindigkeits- DSL hat man die zehnfache Geschwindigkeit des normalen DSL, zahlt aber nur die Hälfte", so Hofmann. Ob sie Realität wird, hängt vom Zustand der örtlichen Rohrleitungen ab. Der Wille ist jedenfalls da: "Wir müssen den Unternehmen optimale Bedingungen bieten", ist Bürgermeister Sittinger überzeugt.

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