"Abgeltungssteuer hält das Geld im Land"

- München/Wien - Die Chiemgauer tun, was alle tun, die nahe der österreichischen Grenze wohnen: Sie tanken im Nachbarland, ganz einfach, weil es dort dank moderaterer Steuerbelastung erheblich günstiger ist. Wenn die Leute dann schon in Österreich sind, gehen sie dort vielleicht auch gleich zum Essen oder Einkaufen.

Folge für das Chiemgau: Kaufkraft wandert ab, Arbeitsplätze gehen verloren. Mittlerweile tragen immer mehr Chiemgauer nicht nur ihr Geld nach Österreich, sondern transferieren gleich ihr ganzes Konto dorthin, sagt Hans Höglauer, der Direktor der Volks- und Raiffeisenbank Chiemgau- Süd.

Auch daran trage der deutsche Staat die Schuld, denn der Grund für den Geldrückzug -"es handelt sich dabei keineswegs um Schwarzgeld", wie Höglauer betont -seien die Unsicherheiten um die Abgeltungssteuer und die de-facto-Abschaffung des Bankgeheimnisses durch das Gesetz zur Kontenabfrage. "Wir haben 2004/2005 zirka 15 Millionen Euro an Einlagen verloren, und das bei einer Bilanzsumme von 250 Millionen", erklärt Höglauer, der den Österreichern nach eigener Aussage "nur gratulieren kann" zur Stabilität ihrer Rahmenbedingungen. Schließlich habe das Bankgeheimnis in Österreich Verfassungsrang.

Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern, kennt natürlich die Probleme. Er fordert deshalb nachdrücklich, dass die geplante Abgeltungssteuer in Deutschland nicht erst zum 1. Janaur 2009, sondern schon ein Jahr früher eingeführt wird. Denn dann, davon ist Götzl überzeugt, erübrige sich auch das Verfahren der Kontenabfragen -und dann könnte auch das Geld wieder im Inland bleiben. Nicht mehr einzuholen dürfte der Vorsprung der Österreicher in Ost- und Mitteleuropa sein.

Für den Genossenschaftsbereich kümmert sich unter anderem die Volksbank International (VI) AG mit Sitz in Wien um diese Boom-Länder. An deren Aktivitäten sind die Deutschen immerhin über den 25-Prozent- Anteil des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank beteiligt. Den Erfolg des entsprechenden Engagements erklärt VI-Vorstandschef Friedhelm Boschert unter anderem mit Einfallsreichtum. Mangels brauchbarer Filialgebäude in vielen osteuroäischen Ländern arbeite man mit Ketten wie Lidl oder Metro zusammen und errichte Bankshops in deren Gebäuden. Oder man zieht in 12 Meter lange Container, die, wie Boschert betont, fest im Boden vertäut werden, damit die "Bank am Haken" nicht das Opfer von Dieben wird.

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